Der
Tropfen auf den heißen Stein
kann der Anfang eines Regens sein
Evangelische Landeskirche
entsendet Friedensfachkraft für Begegnungsarbeit in den Kosovo
Manchmal geschehen
noch kleine Wunder. Mit uns ist - so scheint es - ist so ein kleines Wunder
geschehen. Im November planten organisierten wir eine Rundreise mit der
Kosovo-Friedensfachkraft Peter Girke, um nach Möglichkeiten der Unterstützung
seiner Arbeit zu suchen. Das Interesse in einigen Gemeinden war groß,
sodass wir mit Peter Girke eine intensivere Zusammenarbeit vereinbarten.
Wir wollten an seinen Erfahrungen der Begegnungsarbeit teilhaben, wollten
mitlernen, wie aus Feinden wieder Mitmenschen werden und wie die Zivilisierung
einer Nachkriegsgesellschaft unterstützt werden kann.
Im Gegenzug wollten
wir für seine Arbeit einen finanziellen Beitrag leisten. Dies ist
auch dringend notwendig, denn die Projektmittel reichen nicht aus, um davon
Werkmaterialien für die Arbeit im Jugendzentrum zu finanzieren, oder
Reisekosten für die Begegnung verfeindeter Volksgruppen im benachbarten
Mazedonien zu finanzieren.
Ende Dezember
erreichte uns ganz überraschend die Bewerbung von Manuela Braitsch,
einer jungen Frau aus Weil am Rhein, die einen Projektträger für
eine Tätigkeit als Friedensfachkraft suchte.
In Gesprächen
mit ihr und dem Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) zeigte sich zunehmend
deutlich die Möglichkeit einer Zusammenarbeit.
Inzwischen
ist es amtlich: Manuela Braitsch wird ab 6. März an der fünfmonatigen
Ausbildung für Zivile Konfliktbearbeitung teilnehmen, und danach als
Friedensfachkraft in den Kosovo gehen. Die Evangelische Landeskirche wird
Frau Braitsch in Zusammenarbeit mit dem forumZFD entsenden. Sie wird dort
im Kosovo-Projekt des forumZFD mit Peter Girke
und Silke Meier-Witt mithelfen, Begegnungen verfeindeter Volksgruppen zu
ermöglichen. Ermöglicht wurde diese Zusammenarbeit dadurch, dass
das forumZFD bereits einen Projektantrag beim Bundesministerium für
Wirtschaftliche Zusammenarbeit gestellt hatte. Mit Manuela Braitsch ist
nun auch die Person gefunden, die das Projekt zusätzlich mit Leben
füllt. Wenn das keine Wunder ist?
Durch dieses kleine
Wunder ist es uns möglich, schon vor der Ausreise von Manuela Braitsch
mehr darüber zu erfahren, welche Möglichkeiten der Zivile Friedensdienst
derzeit bietet und welche Schwierigkeiten zu bewältigen sind. Mit
ihr zusammen können wir uns noch einmal neu auf ihren Friedenseinsatz
vorbereiten. Wir können mehr über die Ausbildungsinhalte erfahren
und denken daran, sie im Rahmen eines Gottesdienstes für ihren Dienst
zu entsenden.
Wir werden in
naher Zukunft einen Unterstützerkreis für dieses Kosovo-Projekt
aufbauen. Falls Sie mehr darüber wissen wollen oder eigene Ideen zur
Unterstützung des Zivilen Friedensdienstes im Kosovo haben, melden
Sie sich bitte bei uns.
Die
Lösungen liegen allein in ihren Händen
Peter Girke, Friedensfachkraft
im Kosovo, berichtet von seinen Erfahrungen und über die Entwicklung
des Zivilen Friedens. (vom Dezember 2000)
"Frieden,
Versöhnung, Konfliktbearbeitung... sind große Worte - manchmal
so groß, dass sie mich überfordern; dass mir das, was ich wirklich
tun kann, sehr klein vorkommt“. In seiner bescheidenen Art machte Peter
Girke (2. v. rechts) bei unserer gemeinsamen Rundreise immer wieder deutlich,
wie begrenzt die Möglichkeiten sind, Frieden zu stiften. Dies gilt
selbstverständlich nicht nur für ihn, vielleicht sogar noch mehr
für die vielen anderen "Internationalen", die im Kosovo arbeiten.
Da sind auf der einen Seite die Soldaten
der KFOR, reichhaltig ausgerüstet mögen sie mithelfen, das unmittelbare
Morden zu begrenzen - aber versöhnen? Daneben die vielen Helferinnen
und Helfer der humanitären Hilfsorganisationen: Ihr Brennholz hilft
über den Winter, die Baumaterialien ermöglichen den Wiederaufbau,
aber die seelischen Wunden des Krieges, wer heilt diese? Wer hilft mit,
dass die Nachkriegssituation nicht wieder zu einer Vorkriegssituation wird?
Wer unterstützt diejenigen Kosovaren, die den Teufelskreis der Gewalt
durchbrechen wollen und deshalb an der Begegnung mit (ehemaligen?) Feinden
interessiert sind.
Genau dies ist der Beitrag von Peter
Girke und anderer Friedensfachkräfte. Er ermöglichte beispielsweise
die Eröffnung eines multiethnischen Jugendzentrums und einen Erfahrungsaustausch
zwischen Kosovaren und Katholiken und Protestanten aus Nordirland. Er half
mit beim Aufbau eines Betriebsrates, in dem Kosovo-Albaner mit Serben für
ihre gemeinsamen Interessen eintreten. Sind die Möglichkeiten auch
begrenzt, der Beitrag ist unschätzbar groß. Auch wir möchten
diese Arbeit unterstützen. Wir möchten mithelfen, dass mehr Begegnungsmöglichkeiten
entstehen. Dies haben wir mit Peter Girke vereinbart. Sowohl bei den Abendveranstaltungen
als auch beim Gespräch mit Landesbischof Fischer (rechts im Bild)
und Oberkirchenrat Trensky (links im Bild) fand die Idee Zuspruch. Konkrete
Vorschläge werden wir im neuen Jahr vorstellen. (siehe oben)