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update vom
26. 2. 2001

Der Tropfen auf den heißen Stein
kann der Anfang eines Regens sein
Evangelische Landeskirche entsendet Friedensfachkraft für Begegnungsarbeit in den Kosovo

Manchmal geschehen noch kleine Wunder. Mit uns ist - so scheint es - ist so ein kleines Wunder geschehen. Im November planten organisierten wir eine Rundreise mit der Kosovo-Friedensfachkraft Peter Girke, um nach Möglichkeiten der Unterstützung seiner Arbeit zu suchen. Das Interesse in einigen Gemeinden war groß, sodass wir mit Peter Girke eine intensivere Zusammenarbeit vereinbarten. Wir wollten an seinen Erfahrungen der Begegnungsarbeit teilhaben, wollten mitlernen, wie aus Feinden wieder Mitmenschen werden und wie die Zivilisierung einer Nachkriegsgesellschaft unterstützt werden kann. 

Im Gegenzug wollten wir für seine Arbeit einen finanziellen Beitrag leisten. Dies ist auch dringend notwendig, denn die Projektmittel reichen nicht aus, um davon Werkmaterialien für die Arbeit im Jugendzentrum zu finanzieren, oder Reisekosten für die Begegnung verfeindeter Volksgruppen im benachbarten Mazedonien zu finanzieren. 

Ende Dezember erreichte uns ganz überraschend die Bewerbung von Manuela Braitsch, einer jungen Frau aus Weil am Rhein, die einen Projektträger für eine Tätigkeit als Friedensfachkraft suchte.
In Gesprächen mit ihr und dem Forum Ziviler Friedensdienst (forumZFD) zeigte sich zunehmend deutlich die Möglichkeit einer Zusammenarbeit.

Inzwischen ist es amtlich: Manuela Braitsch wird ab 6. März an der fünfmonatigen Ausbildung für Zivile Konfliktbearbeitung teilnehmen, und danach als Friedensfachkraft in den Kosovo gehen. Die Evangelische Landeskirche wird Frau Braitsch in Zusammenarbeit mit dem forumZFD entsenden. Sie wird dort im Kosovo-Projekt des forumZFD mit Peter Girke und Silke Meier-Witt mithelfen, Begegnungen verfeindeter Volksgruppen zu ermöglichen. Ermöglicht wurde diese Zusammenarbeit dadurch, dass das forumZFD bereits einen Projektantrag beim Bundesministerium für Wirtschaftliche Zusammenarbeit gestellt hatte. Mit Manuela Braitsch ist nun auch die Person gefunden, die das Projekt zusätzlich mit Leben füllt. Wenn das keine Wunder ist?

Durch dieses kleine Wunder ist es uns möglich, schon vor der Ausreise von Manuela Braitsch mehr darüber zu erfahren, welche Möglichkeiten der Zivile Friedensdienst derzeit bietet und welche Schwierigkeiten zu bewältigen sind. Mit ihr zusammen können wir uns noch einmal neu auf ihren Friedenseinsatz vorbereiten. Wir können mehr über die Ausbildungsinhalte erfahren und denken daran, sie im Rahmen eines Gottesdienstes für ihren Dienst zu entsenden. 

Wir werden in naher Zukunft einen Unterstützerkreis für dieses Kosovo-Projekt aufbauen. Falls Sie mehr darüber wissen wollen oder eigene Ideen zur Unterstützung des Zivilen Friedensdienstes im Kosovo haben, melden Sie sich bitte bei uns.

Die Lösungen liegen allein in ihren Händen

Peter Girke, Friedensfachkraft im Kosovo, berichtet von seinen Erfahrungen und über die Entwicklung des Zivilen Friedens. (vom Dezember 2000)

"Frieden, Versöhnung, Konfliktbearbeitung... sind große Worte - manchmal so groß, dass sie mich überfordern; dass mir das, was ich wirklich tun kann, sehr klein vorkommt“. In seiner bescheidenen Art machte Peter Girke (2. v. rechts) bei unserer gemeinsamen Rundreise immer wieder deutlich, wie begrenzt die Möglichkeiten sind, Frieden zu stiften. Dies gilt selbstverständlich nicht nur für ihn, vielleicht sogar noch mehr für die vielen anderen "Internationalen", die im Kosovo arbeiten. 
Da sind auf der einen Seite die Soldaten der KFOR, reichhaltig ausgerüstet mögen sie mithelfen, das unmittelbare Morden zu begrenzen - aber versöhnen? Daneben die vielen Helferinnen und Helfer der humanitären Hilfsorganisationen: Ihr Brennholz hilft über den Winter, die Baumaterialien ermöglichen den Wiederaufbau, aber die seelischen Wunden des Krieges, wer heilt diese? Wer hilft mit, dass die Nachkriegssituation nicht wieder zu einer Vorkriegssituation wird? Wer unterstützt diejenigen Kosovaren, die den Teufelskreis der Gewalt durchbrechen wollen und deshalb an der Begegnung mit (ehemaligen?) Feinden interessiert sind.
Genau dies ist der Beitrag von Peter Girke und anderer Friedensfachkräfte. Er ermöglichte beispielsweise die Eröffnung eines multiethnischen Jugendzentrums und einen Erfahrungsaustausch zwischen Kosovaren und Katholiken und Protestanten aus Nordirland. Er half mit beim Aufbau eines Betriebsrates, in dem Kosovo-Albaner mit Serben für ihre gemeinsamen Interessen eintreten. Sind die Möglichkeiten auch begrenzt, der Beitrag ist unschätzbar groß. Auch wir möchten diese Arbeit unterstützen. Wir möchten mithelfen, dass mehr Begegnungsmöglichkeiten entstehen. Dies haben wir mit Peter Girke vereinbart. Sowohl bei den Abendveranstaltungen als auch beim Gespräch mit Landesbischof Fischer (rechts im Bild) und Oberkirchenrat Trensky (links im Bild) fand die Idee Zuspruch. Konkrete Vorschläge werden wir im neuen Jahr vorstellen. (siehe oben)


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