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Kinder- und
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update vom
7. 5. 2001

Konflikte meistern lernen

Ziele und Erfahrungen der zivilen Konfliktbearbeitung
Seit Mahatma Gandhi Menschen angeleitet hat, die Kraft der Wahrheit und der Gewaltfreiheit in Konflikten systematisch zu deren Lösung einzusetzen, gab es in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts eine Vielzahl von positiven Erfahrungen weltweit. Von der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung bis zur Überwindung der schlimmsten Formen der Apartheid. Die Literatur dazu füllt Bibliotheken. Wissenschaftler haben die häufig sehr situationsspezifischen Ansätze verallgemeinert und versucht, Elemente der nicht gewaltförmigen Konfliktaustragung so zu beschreiben, daß sie faßbar und damit erlernbar und auf neue Situationen übertragbar wurden. Was bisher fehlte, war der großangelegte Praxisversuch, in dem insbesondere eine Frage geklärt wird: wie lassen sich relevante Fähigkeiten so vermitteln, daß sie in eine friedensfördernde Praxis münden. Oder anders ausgedrückt: Wie lassen sich Friedensfachkräfte ausbilden und wie wird ihr Einsatz sinnvoll organisiert? Derzeit wird in mehreren europäischen Ländern (u. a. Österreich, England, Frankreich, Norwegen) und den USA an solchen Qualifizierungskonzepten gearbeitet. Auch die vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung und von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen geförderte Arbeitsgemeinschaft Qualifizierung für zivile Konfliktbearbeitung / Zivilen Friedensdienst leistet einen Beitrag zur Professionalisierung der Friedensarbeit.
Der amerikanische Konfliktforscher Paul Lederach hat ein Modell unterschiedlicher Ebenen der Konfliktbearbeitung entwickelt. In Form einer Pyramide unterscheidet Lederach die Basisebene, die mittlere gesellschaftliche Ebene und die Ebene der Regierungsorganisationen. Jeder Ebene ordnet er eigenständige Beiträge zur Konfliktlösung zu. Analog zu diesem Modell ist es das Ziel der AG Qualifizierung, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu befähigen auf der Basisebene oder auf mittlerer gesellschaftlicher Ebene zur Bewältigung von Ursachen gewalttätig ausgetragener Konflikte beizutragen. Die Fachkräfte sollen durch Beratung, Vermittlung, Unterstützung und die Einleitung von langfristigen Verständigungs- und Versöhnungsprozessen zivilgesellschaftliche Strukturen stärken. 
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Die Qualifizierung sollte immer an die Vorbereitung auf konkrete Aufgaben im Ausland, z. B. im früheren Jugoslawien, in Transformationsgesellschaften Europas oder in Ländern Asiens, Afrikas und Lateinamerikas gebunden sein. Sie zielt auf die Arbeit mit Partnergruppen in diesen Ländern. Die Konflikte auf dem Balkan und die unterschiedlichen Versuche ihrer Regelung waren zunächst im Blick der fünf Organisationen, die sich zur AG Qualifizierung zusammenschlossen. Schon 1996 hatte es den Versuch gegeben, zusammen mit der Bundesregierung einen Beitrag zur Umsetzung des zivilen Teils des Dayton-Abkommens zu leisten. Die Stichworte hießen Wiederaufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen und Versöhnungsarbeit.

Eine pädagogische Arbeitsgruppe innerhalb der Arbeitsgemeinschaft, in der Expertinnen und Experten mit einschlägigen Erfahrungen mitarbeiten, entwickelte ein Curriculum, das entsprechend der Erfahrungen aus den laufenden Kursen weiterentwickelt wird. Das aktuelle Curriculum geht von 16 Arbeitswochen aus, von denen 3 Wochen auf eine Praxishospitation in Projekten des Zivilen Friedensdienstes entfallen. 

In einem fünfwöchigen Basisteil werden zunächst Methoden der Konfliktanalyse und der Konfliktbearbeitung vermittelt, Fragen des Aufbaus friedensfördernder Strukturen werden behandelt, sowie die Themen Gewaltfreiheit, Teamarbeit und Geschlechterrollen. Ergänzt wird dieser Basisteil nach der Praxishospitation um acht Wochen mit Vertiefungseinheiten und Spezialisierungskursen zu Wahlthemen, beispielsweise Traumabearbeitung, Mediation, Monitoring/Factfinding, Aufbau zivilgesellschaftlicher Strukturen, pädagogische Kompetenz.

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Die Fähigkeiten, Erfahrungen und Fragestellungen der Teilnehmenden werden in die Kursplanung einbezogen, d. h. das Lernen in den Kursen geschieht partizipativ. Diese müssen deshalb entsprechend flexibel gestaltet sein, trotz der gehaltvollen Vorgaben des Curriculums. Hilfreich ist an dieser Stelle die im Curriculum formulierte Forderung, daß die Lernenden partiell zu Mit-Lehrenden werden. Die Teilnehmenden, die zu Beginn der Qualifizierung mindestens 23 Jahre alt sein müssen und über Erfahrungen in der Friedens- oder interkulturellen Arbeit verfügen sollten, hatten bisher immer substanzielles zum Kursthema beizutragen. Besonders der Bereich des interkulturellen Lernens entwickelte sich zu einem wichtigen Lernfeld. Obwohl die Kurssprache bisher immer Deutsch war, kamen bis zu 50% der jeweiligen Kursteilnehmenden aus den Regionen, in denen sie eingesetzt werden sollten. In den ersten beiden Kursen waren das die Staaten des ehemaligen Jugoslawien, im wesentlichen Bosnien-Herzegowina und Kroatien, während seit dem dritten Kurs auch Afrikaner teilnahmen und Europäer, die sich auf Einsätze in Ländern des Südens vorbereiteten.

Für die Teilnahme an den Qualifizierungskursen in ziviler Konfliktbearbeitung gibt es eine lebhafte Nachfrage von Menschen jeden Alters und aus jeder Lebenslage. Berufsanfänger wie Frühpensionäre oder Lehrer, die ein Sabbatjahr einlegen wollen und sich beurlauben lassen. Aber neben einer Palette von inhaltlichen Anforderungen an die InteressentInnen gilt es eine große Hürde zu überwinden: die Organisierung und Finanzierung der Projektmitarbeit im Anschluß an den Kurs. 

Von 35 BewerberInnen um einen Platz im sechsten Kurs konnten schließlich nur zehn tatsächlich teilnehmen. Nur sechs von ihnen hatten einen feststehenden Projektträger, der einen Einsatz mit ihnen plante und finanzierte. 4 nahmen auf eigene Kosten (4.000 DM) am Kurs teil. Zwischen 40.000 und 150.000 Mark müssen die Projektträger im Minimum für die erste sechzehnmonatige Phase von Qualifizierung und Praxiseinsatz aufbringen, je nachdem ob die Friedensfachkraft einen Freiwilligendienst gegen Unterkunft, Verpflegung und Taschengeld leistet oder einen Vertrag nach dem Entwicklungshelfergesetz bekommt, der die soziale Absicherung einschließlich einer Wiedereingliederungshilfe gewährleistet. Sonstige Projektkosten sind dabei noch nicht gerechnet. Eine hohe Hürde für Organisationen der Friedensarbeit, die in der Regel nur über sehr beschränkte finanzielle Mittel verfügen. 

Eine große Hilfe ist da die Unterstützung durch die Bundesregierung, die über das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung das Programm „Ziviler Friedensdienst“ in 2001 mit ca. 20 Millionen DM fördert. Von 17 Teilnehmenden, die die Kurse ohne feststehenden Projektträger begonnen haben, haben 12 Anstellung in Projekten internationaler Organisationen (NRO’s, OSZE, UN) gefunden.

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Die Koppelung von Qualifizierung und Projekteinsatz hat sich deutlich bewährt. Der Lernprozess läuft stringenter, wenn konkrete Anforderungen aus dem bevorstehenden Einsatz bekannt sind und die Lerneinheiten darauf bezogen werden können. Die ersten Erfahrungen haben auch die große Bedeutung des Projekteinsatzes für den gesamten Qualifizierungsprozeß erwiesen. Sechs Monate nach dem ersten Kurs gab es im Rahmen der wissenschaftlichen Begleituntersuchung ein Seminar für alle TeilnehmerInnen des Kurses mit der Trainerin, dem Trainer und der wissenschaftlichen Begleiterin. Diese Reflexionsphase nach den ersten Praxiserfahrungen wurde als sehr positiv bewertet. Seit dem Jahr 2000 werden die AbsolventInnen unserer Kurse einmal jährlich zu einem 5-tägigen Praxisreflexionsseminar eingeladen. Darüber hinaus versuchen wir Unterstützung vor Ort zu organisieren durch kollegiale Fachberatung, über die Projektträger und auch per Internet.

„Wäsche waschen für den Frieden“, antwortet Milan Krnjaic, Friedensfachkraft im kroatischen Beli Manastir, wenn man ihn nach seiner Arbeit fragt. Dadurch daß er in seinem Heimatort den zurückkehrenden Flüchtlingen aller Gruppen gemeinsamen Zugang zu Waschmaschinen verschafft, entsteht ein informelles Forum, das erste Kontakte zwischen den verfeindeten Gruppen ermöglicht und Vertrauen gegenüber der Friedensgruppe schafft. Die Arbeit des gelernten Kfz-Mechanikers, der am zweiten Kurs des Modellvorhabens teilgenommen hat, beschränkt sich natürlich nicht darauf. Aber das Beispiel zeigt, wie wichtig scheinbare Kleinigkeiten sind, wenn es um den Wiederaufbau sozialer Strukturen geht. 

Das Besondere am professionellen Ansatz der Friedensfachkräfte ist es, ihre Arbeit explizit im Kontext der Konflikte zu planen, in denen sie stattfindet. Auf den ersten Blick erscheint die Arbeit der Friedensfachkräfte meist identisch mit der eines Sozialarbeiters, eines Journalisten oder was immer die Berufsfelder sein mögen, in denen sie zunächst ausgebildet waren. Die Qualität der Arbeit als Friedensarbeit ergibt sich aus dem Gesamtkonzept der Arbeit. Dies zu entwickeln und in praktische Arbeit umzusetzen macht den kleinen, aber bedeutsamen Unterschied. Die Ermittlung der Konfliktlinien, ihres sozio-kulturellen Kontextes und die entsprechende Planung und Durchführung der kreativen Intervention gehören zu den Aufgaben, auf die Friedensfachkräfte vorbereitet werden.

aus der Broschüre: "Wege zum Friedensdienst", Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Qualifizierung für zivile Konfliktbearbeitung/Zivilen Friedensdienst
AG Qualifizierung, Wesselstraße 12, 53113 Bonn, Tel.: 0228-9814473


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