Ziviler
Friedensdienst -
eine Institution für gewaltfreie Konfliktlösung
Der Zivile Friedensdienst zielt darauf ab,
die Idee der gewaltfreien Konfliktlösung zu institutionalisieren.
Seine Aufgabe ist es, mittels ausgebildeter Fachkräfte gewaltvermeidend
und -mindernd auf Konflikte im In- und Ausland einzuwirken. In diesem staatlich
geförderten Fachdienst wirken Frauen und Männer mit Berufs- und
Lebenserfahrung mit.
Zum Hintergrund
Der Zivile Friedensdienst ist keine neue
Erfindung. Die Idee, gut ausgebildete Gruppen von Friedensfachkräften
aufzubauen und gegebenenfalls einzusetzen, geht auf Gandhi zurück.
Er entwickelte während der Straßenunruhen in Bombay im Jahre
1922 die Vorstellung, eine "Shanti Sena" (=Friedens-Heer) aufzubauen.
Diese Idee wurde auch in Europa aufgegriffen.
Während einer Europäischen Versammlung der Kirchen 1989 regten
die Delegierten die Bildung von Friedenn an. Drei Jahre später forderte
die Kirchenleitung von Berlin-Brandenburg die Politiker auf, einen "Zivilen
Friedensdienst" zu schaffen. Die weltweiten Erfahrungen mit Gewaltfreiheit
- von Gandhi bis zum gewaltfreien Umbruch in der DDR - sowie die Erkenntnisse
der Friedens- und Konfliktforschung, sollten Grundlage eines Dienstes sein,
der planvoll in Krisen und gewaltsamen Konflikten interveniert.
Das forumZFD
Diese Idee wurde schon bald in vielen
Gruppen diskutiert und durch den Bund für Soziale Verteidigung im
April 1994 sowie durch die Kirchenleitung von Berlin-Brandenburg im Juli
1994 konkretisiert. Einen wichtiger Schritt zur gemeinsamen bundesweiten
Initiative bildete die Gründung des "Forums Ziviler Friedensdienst"
(forumZFD), das sich seit 1996 als gemeinnütziger Verein für
diese Idee einsetzt.
Die Nähe
zum Staat
Die Regelungen der Entwicklungshilfe und
der Freien Wohlfahrtspflege dienen als Vorbilder. Dort hat sich das Prinzip
der Subsidiarität gut bewährt. Dies bedeutet: Der Staat ist dafür
verantwortlich, daß die Bürger sozial abgesichert sind, daß
z. B. genügend Krankenhaus- und Kindergartenplätze vorhanden
sind. Obwohl er einen Großteil der finanziellen Mittel bereit stellt,
haben die Träger der sozialen Einrichtungen im Rahmen gesetzlicher
Vorgaben großen Gestaltungsfreiraum.
Der Staat sollte auch für den Zivilen
Friedensdienst einen gesetzlichen Rahmen schaffen, innerhalb dessen er
diejenigen Organisationen und Personen absichert und finanziell fördert,
die seine ureigenste Aufgabe wahrnehmen, dem (inneren und äußeren)
Frieden zu dienen.
Alles nur Theorie?
Nicht mehr. Erste Ansätze zur Umsetzung
gab es bereits Ende 1995. Den Anlaß hierzu bot der Friedensvertrag
von Dayton. Die Situation in Postjugoslawien machte vielen Menschen deutlich,
daß Soldaten allein den Frieden nicht bringen können. Erforderlich
ist die Unterstützung derjenigen Kräfte, die an der Entfeindung
der Bevölkerungsgruppen arbeiten.
Das Land Nordrhein-Westfalen nahm diese
Herausforderung an und finanzierte eine 4-monatige Ausbildung für
Friedensfachkräfte, die das forumZFD zusammen mit anderen Trägern
durchführte. Zwei weitere Kurse folgten.
Konfliktbewältigung
ist lernbar
Die Ausbildung berücksichtigt Vorerfahrungen
und Qualifikationen der Freiwilligen. Es wird sowohl Sachkompetenz vermittelt,
als auch Hilfestellung zur Entwicklung der eigenen Persönlichkeit
gegeben. Sachkompetenz ist insbesondere in der Vermittlung bei Konflikten
(Mediation) und dem deeskalierenden Verhalten in Bedrohungssituationen
notwendig. Die Persönlichkeitsschulung zielt auf selbstkritische,
kooperative Persönlichkeiten, die zu situationsgerechtem Nachdenken
und Handeln fähig sind. Ganz konkret plant das forumZFD gemeinsam
mit der Aktionsgemeinschaft Dienst für den Frieden einen neuen Ausbildungskurs.
Ein Anfang ist
gemacht
Die Rot-Grüne Bundesregierung will
den Zivilen Friedensdienst institutionalisieren. Knapp 6 Mill DM hat sie
hierzu im Haushaltsplan 1999 zur Verfügung gestellt. Damit wird wohl
erstmalig nicht nur eine Ausbildung, sondern auch der Projekt-Einsatz von
Friedensfachkräften staatlich gefördert. Die Nicht-Regierungs-Organisationen
sind dringend auf diese Unterstützung angewiesen, damit sie ihren
Beitrag zur Konfliktbewältigung weiterhin leisten können.
Welche konktreten
Ansätze zur Friedensarbteit im Rahmen eines Zivilen Friednesdienstes
gesehen werden, beschreibt ein Artikel von Martin Höfflin aus der
Zeitschrift "Civil-Courage": Friedensfachkräfte
- Handwerker für den Frieden. (PDF-Datei, 365 kb)
Dieser Artikel
ist im PDF-Format lesbar mit
Adobe
Acrobat Reader (<--hier installieren)
Das forumZFD ist
auch mit einer eigenen Homepage im
Internet. Dort finden Sie ausführliche Informationen über Hintergründe
und den aktuellen Entwicklungsstand.
Eine
Ausstellung
über die Ideen des Zivilen Friedensdienstes ist bei uns erhältlich.
|