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update vom 
26. 2. 2001

Ziviler Friedensdienst im Kosov@*

Ein Projekt des Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
* Da ''Kosovo" die serbische Landesbezeichnung ist und '"Kosova" die albanische ist, wird hier durchgängig ''Kosov@" verwendet.

Südbalkan­Programm und Kosov@­Team

Im Februar 2000 startete das Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) ein eigenes Projekt: Friedensarbeit im Kosov@.

Um in der Krisenregion des ehemaligen Jugoslawien Demokratisierungsprozesse und die Entstehung von zivilgesellschaftlichen Strukturen zu unterstützen und um einer weiteren Verschärfung der Situation entgegenzuwirken, entwickelte das Forum Ziviler Friedensdienst das Südbalkan­Programm.

Im Südbalkan­Programm wird der Zivile Friedensdienst ab 2000 gemeinsam mit KooperationspartnerInnen in Deutschland und ProjektpartnerInnen vor Ort mit Teams von Friedensfachkräften in folgenden Regionen aktiv:

Kroatien, Bosnien, Kosov@, Serbien, Mazedonien, Montenegro, Herzegowina und Albanien. Die Teams werden untereinander in Kontakt sein und sich fachlich austauschen. Die Projekte werden mit einer langen Laufzeit angelegt, zunächst für drei Jahre, aber mit der Option auf Verlängerung.

Die Friedensfachkräfte haben sich durch einen fünfmonatigen Qualifizierungskurs für einen Zivilen Friedensdienst vorbereitet. Die Vorbereitung umfasst u. a. Konfliktanalyse und ­management, Länderkunde, Ansätze ziviler Konfliktbearbeitung wie Mediation, Motivationsklärung, Projektmanagement und ein Praktikum.

Besuche des forumZFD im Kosov@ im August und Dezember 1999 führten uns den nach wie vor schwelenden Konflikt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen drastisch vor Augen.

Kooperatives oder versöhnliches Verhalten gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen wird oft als Verrat interpretiert und man versucht, es mit Gewalt zu verhindern. Auch nach der Entwaffnung der UCK im September 1999 bleibt es für KosovarInnen aber auch für alle anderen äußerst schwierig, Organisationen aufzubauen, die gewaltfrei und unabhängig agieren können.

Das Kosov@­Team wird mit folgenden Aufgabenschwerpunkten seine Tätigkeit aufnehmen:

  • Toleranzarbeit
  • Menschenrechtsarbeit
  • traumabegleitende Arbeit
  • Vernetzungs­ und Beratungsarbeit
  • Training in ziviler Konfliktbearbeitung
Die Zielgruppen sind Jugendliche und junge Erwachsene, traumatisierte Menschen, Frauen und demobilisierte Soldaten.
Das ''Friedensbüro" des forumZFD in Prizren wird Kontaktstelle für Gruppen und Personen, die sich für die Förderung demokratischer Prozesse einsetzen und dabei Ansätze der zivilen Konfliktbearbeitung verstärken möchten. Unsere Friedensfachkräfte werden Konzepte für Toleranzarbeit entwickeln und MultiplikatorInnen in ziviler Konfliktbearbeitung ausbilden. Gemeinsam mit engagierten Personen werden sie Strategien entwerfen, um zu lernen, mit fremden aber auch mit eigenen Aggressionen umzugehen. Ziel dieser Arbeit ist es, einen Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen zu fördern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kosov@­Team und Serbien­Team im Südbalkan-Programm wird von Beginn an angestrebt. Wir gehen davon aus, dass unsere Friedensfachkräfte viel Geduld und Zeit mitbringen müssen.

Unsere Friedensfachkräfte
Das Kosov@­Team begann im Februar 2000 mit zwei Friedensfachkräften die sich gemeinsam von Juni 1999 bis Januar 2000 im Rahmen des ''Qualifizierungskurses für zivile Konfliktbearbeitung/Zivilen Friedensdienst`` vorbereitet haben. Sobald wie möglich wird das Team um ein bis zwei weitere Fachkräfte verstärkt.
 

Silke Maier­Witt, geb. 1950 in Nagold, studierte ab 1969 Medizin und später Psychologie an der Universität Hamburg und arbeitete in dieser Zeit mit verhaltensauffälligen Jugendlichen.

1977 wurde sie Mitglied der ''Rote Armee Fraktion`` (RAF). 1980 beendete sie ihre Mitgliedschaft und reiste in die DDR aus. Sie ließ sich in Weimar zur Krankenschwester ausbilden und schloss das Studium der Informationswissenschaften an der TU Ilmenau als Fachinformatorin ab. 1990 wurde Silke Maier­Witt verhaftet und verurteilt. 1995 wurde sie vorzeitig aus der Haft entlassen. Schon während ihres Aufenthalts in der DDR distanzierte sich Silke Maier­Witt von Gewalt und terroristischen Aktionen und bekräftigte dies später wiederholt.

1994 nahm sie das Psychologie­Studium an der Universität Oldenburg mit den Schwerpunkten Gesundheitsförderung und klinische Psychologie wieder auf. Nach Abschluss des Studiums absolvierte Silke Maier­Witt eine Ausbildung in systemischer Familientherapie, wobei Konfliktbearbeitung und Kommunikation wesentliche Inhalte ausmachten. Sie war im Bereich der Kinder­ und Jugendpsychiatrie, der psychologischen Beratung und der innerbetrieblichen Kommunikation tätig.

Ihre Kompetenzen in der Konfliktvermittlung vertiefte sie durch ein Praktikum in einem Projekt von Pax Christi zur Wiedereingliederung serbischer Flüchtlinge in Benkovac/ Kroatien.

Silke Maier­Witt wird ausloten, welchen Beitrag Frauen und medizinisches Personal leisten können, um zu einem kooperativen Zusammenleben verschiedener Gruppen beizutragen. Weiternin will sie Angebote entwickeln, die traumatisierten Kindern und Jugendlichen Hilfestellungen für den Alltag geben sollen.

''Ich war vor nun mehr als 20 Jahren Mitglied der RAF, also keinesfalls für den Frieden engagiert. In einem langen und mühsamen Prozess habe ich mich von dieser Politik losgesagt. Meine eigene Geschichte hilft mir dabei, die Verletzlichkeiten und die Stärken anderer Menschen wahrzunehmen. Es wäre schön, wenn ich dazu beitragen könnte, Eskalation und Gewalt zu verhindern."

Peter Girke, geb. 1972 in Berlin. Den Grundstein für seine jetzt angestrebte Tätigkeit als Friedensfachkraft in Prizren legte er durch sein international ausgerichtetes Jura­Studium an den Universitäten in Berlin, Grenoble und Belfast. Im Jahr 2000 wird er seinen Master of Law in Europarecht und Europapolitik abschließen.

Schon während seines Studiums war Peter Girke in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen aktiv, bevor er nach seinem ersten Staatsexamen im März 1998 begann, beim ''Commitee on the Administration of Justice`` in Belfast mitzuarbeiten. Er war für Ausbildung und Training von BeobachterInnen, Konzepterstellung für eine Polizei­Reform, Monitoring sowie juristische Fallbeobachtung zuständig. Während seiner Tätigkeit in Nordirland gewann Peter Girke Einblick in Konzepte und Ideen zur Gewaltminderung.

Sein Praktikum absolvierte er in einem Projekt der Friedens­ und Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag von EIRENE in Burkina Faso (Westafrika). Hierbei erfuhr er vieles über Organisationsstrukturen solcher Projekte wie auch in die Zusammenarbeit zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen.

Ein Arbeitsschwerpunkt von Peter Girke wird die Begleitung von bedrohten Menschen sein sowie die Entwicklung von Toleranzarbeit z. B. durch die Gestaltung von BürgerInnenzentren. So arbeitet er - zusammen mit anderen Projektträgern zur Zeit an der Etablierung eines selbstverwalteten Jugendzentrums. 

''Ich freue mich auf die Herausforderung, in einer Konfliktregion wie dem Kosov@, in der die Menschenrechte missachtet werden und wurden, arbeiten zu dürfen. Ich möchte die Erwartungen dabei nicht zu hoch ansetzen und weiß, dass es nur in kleinen Schritten wirklich vorwärts geht. Ich hoffe, die Menschen bei der Bearbeitung ihrer Konflikte unterstützen zu können; die Lösungen jedoch liegen allein in ihren Händen."  

Manuela Braitsch aus Weil am Rhein wird Ende 2001 dieses Kosov@-Team ergänzen. Die Evangelische Landeskirche wird Frau Braitsch in Kooperation mit dem forumZFD entsenden. Ab Anfang März nimmt sie an der Ausbildung für Zivile Konfliktbearbeitung teil. Wenn Sie mehr über die Ausbildung, das Projekt oder über den Zivilen Friedensdienst wissen wollen - oder wenn Sie aus Baden sind und uns unterstützen können, nehmen Sie bitte Kontakt mit der Arbeitsstelle Frieden auf.

Unsere ProjektpartnerInnen im Kosov@

Wichtig ist die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen ProjektpartnerInnen.

Wir beginnen mit einem Projekt im Rahmen einer Schulpartnerschaft. Die Zef Lush Marko-Schule in der Nähe von Prizren unterhält eine Partnerschaft mit dem Düsseldorfer Verein ''Mütter für den Frieden und Mutter Teresa e. V.". Wir wurden gebeten, durch Workshops zur Qualifizierung der Lehrkräfte und Eltern in der Konfliktvermittlung beizutragen, die Integration von Trauma­Arbeit in den Schulalltag zu fördern und den Weg für eine mögliche Schulpartnerschaft mit einer serbischen Schule zu ebnen. Mutter Teresa e. V.: Nena Tereze wurde als Hilfsorganisation 1990 in Pristina mit dem Ziel gegründet, die Not der Bevölkerung zu lindern. Sie berücksichtigt in ihrer Arbeit alle Menschen, die auf Hilfe angewiesen sind. Weder Nationalität, Religion, sozialer Stand noch die politische Zugehörigkeit spielen eine Rolle. Mutter Teresa unterstützt internationnale Organisationen in der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung in allen Teilen Kosov@s.

Ein weiterer Projektpartner wird das Humanitarian Law Center (HLC, Fond zahumanitorno pravo). Es ist eine 1992 gegründete jugoslawische Nichtregierungsorganisation für Frieden, Demokratie und Menschenrechte. Das HLC arbeitet mit eigenen Büros in Kosov@, Montenegro und Serbien. Es engagiert sich besonders in der Aufklärung von Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen.

email-Adresse: hlc@EUnet.yu
Homepage: http://www.hlc.org.yu
 

Die Region Prizren ­ Zur Situation

Die Stadt Prizren liegt im Zentrum des Süd-Kosov@. Die in der römischen Antike gegründete, heute 60.000 Einwohner zählende Stadt war im Mittelalter ein blühendes Handelszentrum und galt als politisches und gesellschaftliches Herz des serbischen Zarenreiches.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die Autonomiebestrebungen der KosovarInnen bei der territorialen Neueinteilung des Balkan nicht berücksichtigt und Kosov@ wurde Teil des serbischen Königreiches. Prizren verlor als serbische Randprovinz seine ökonomische und kulturelle Stellung.

Im Zweiten Weltkrieg, während der Besatzung durch italienische und später deutsche Truppen, gehörte Kosov@ zu ''Groß­Albanien". In dieser Zeit verübte die deutsche Wehrmacht eine unerbittliche Repression an der serbischen Zivilbevölkerung. Nach Kriegsende wurde Prizren zur Hauptstadt der autonomen Provinz ''Kosovo­Metohija" innerhalb der Volksrepublik Jugoslawien.

Anfang der 80er Jahre kam es zu Unruhen im Kosov@, die gewaltsam unterdrückt wurden. 1989 verlor Kosov@ schließlich seinen Autonomiestatus.

Das Abkommen von Dayton im Herbst 1995 berücksichtigte die Autonomiebestrebungen der KosovarInnen im Zuge der territorialen Neuregelung nicht: Kosov@ bliebt Teil der Bundesrepublik Jugoslawien gemeinsam mit Serbien, Montenegro und Vojvodina. Willkürliche Festnahmen und Misshandlungen von AlbanerInnen durch die serbische Polizei waren seit 1989 an der Tagesordnung. Die KosovarInnen reagierten mit gewaltfreiem Widerstand und begannen den Aufbau paralleler ziviler Strukturen. Leider blieb dies jedoch international weitgehend ohne Resonanz.

Ende Oktober 1997 trat erstmals die ''Befreiungsarmee" UCK öffentlich in Erscheinung. Im darauf folgenden Jahr kam es zu immer gewaltsameren Auseinandersetzungen zwischen UCK und serbischen Militäreinheiten. Der von der NATO geführte Krieg im Frühjahr 1999 löste auch in Prizren eine Fluchtwelle ins benachbarte Mazedonien aus.

Heute bildet Prizren das Zentrum des vom deutschen Kontingent der KFOR­Streitkräfte kontrollierten Sektors.

Nördlich von Prizren haben sich in Orahovac und Velika Hoca serbische Enklaven gebildet, die von der KFOR bewacht werden. Auch die Roma bemühen sich um Schutz durch die KFOR­Truppen. Die OSZE befürchtet, dass ethnischen Minderheiten der Zugang zu humanitären Hilfsleistungen, medizinischer Versorgung, Bildung und Arbeitsplätzen kaum oder gar nicht möglich sein wird. Um so wichtiger ist es den Dialog und gegenseitige Toleranz zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen zu fördern.

Forum Ziviler Friedensdienst e.V.

Das forumZFD hat sich zum Ziel gesetzt das Konzept eines Zivilen Friedens als staatlich geförderter Dienst in pluraler gesellschaftlicher Trägerschaft zu realisieren. Hierbei hat die Weiterentwicklung von praxisorientierten Ausbildungskonzepten einen hohen Stellenwert. Gemeinsam mit der Aktionsgemeischaft Dienste für den Frieden (AGDF) führt das forumZFD seit drei Jahren die ''Qualifizierungskurse für zivile Konfliktbearbeitung/Zivilen Friedensdienst`` durch, finanziert durch das Land NRW und seit kurzem auch durch das BMZ. Bisher wurden schon mehr als 50 Friedensfachkräfte ausgebildet. Ihre Aufgabe ist es, für konkrete Konfliktfelder Strategien und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln, um auf eskalierende oder gewaltförmige Konflikte im In­ und Ausland gewaltvermeidend oder ­reduzierend einzuwirken.

Die Realisierung des Südbalkan­Programms geschieht in enger Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedsorganisationen und anderen NGO's, z. B. Pax Christi oder Ohne Rüstung leben.

Der Zivile Friedensdienst ...

...unterstützt Organisationen vor Ort, die

  • gewaltpräventiv arbeiten,
  • in Konflikten schlichten, vermitteln und Versöhnungsprozesse initiieren,
  • Möglichkeiten für gewaltfreien Umgang mit Konflikten erarbeiten und umsetzen;
  • und damit Strukturen einer tragfähigen Zivilgesellschaft stärken.
Der Zivile Friedensdienst ist ein Fachdienst von lebens­ und berufserfahrenen Frauen und Männern, die sich in einer mehrmonatigen Qualifizierung auf ihre Aufgaben in den jeweiligen Projekten und Einsatzorten umfassend vorbereitet haben.

Unterstützen Sie das Südbalkan­Programm und unser Kosov@­Team mit einer Spende!

Sprechen Sie mit uns über weitere Möglichkeiten der Unterstützung

Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
Wesselstr. 12
53113 Bonn
Fon: 0228 ­9 81 45­15, Fax: ­17
e­mail: forumZFD@t­online.de
Homepage: http//www.forumZFD.de

Bankverbindung:
Sparkasse Minden­Lübbecke,
BLZ 490 501 01, Konto 890 098 72

Qualifizierung für zivile Konfliktbearbeitung/Ziviler Friedensdienst
c/o forumZFD
Fon: 0228 ­9 81 44­73
Homepage: http//www.friedensdienst.de/konfliktbearbeitung


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