Ziviler Friedensdienst
im Kosov@*
Ein
Projekt des Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
* Da ''Kosovo"
die serbische Landesbezeichnung ist und '"Kosova" die albanische ist, wird
hier durchgängig ''Kosov@" verwendet.
SüdbalkanProgramm
und Kosov@Team
Im Februar 2000 startete
das Forum Ziviler Friedensdienst e.V. (forumZFD) ein eigenes Projekt: Friedensarbeit
im Kosov@.
Um in der Krisenregion des
ehemaligen Jugoslawien Demokratisierungsprozesse und die Entstehung von
zivilgesellschaftlichen Strukturen zu unterstützen und um einer weiteren
Verschärfung der Situation entgegenzuwirken, entwickelte das Forum
Ziviler Friedensdienst das SüdbalkanProgramm.
Im SüdbalkanProgramm
wird der Zivile Friedensdienst ab 2000 gemeinsam mit KooperationspartnerInnen
in Deutschland und ProjektpartnerInnen vor Ort mit Teams von Friedensfachkräften
in folgenden Regionen aktiv:
Kroatien, Bosnien, Kosov@,
Serbien, Mazedonien, Montenegro, Herzegowina und Albanien. Die Teams werden
untereinander in Kontakt sein und sich fachlich austauschen. Die Projekte
werden mit einer langen Laufzeit angelegt, zunächst für drei
Jahre, aber mit der Option auf Verlängerung.
Die Friedensfachkräfte
haben sich durch einen fünfmonatigen Qualifizierungskurs für
einen Zivilen Friedensdienst vorbereitet. Die Vorbereitung umfasst u. a.
Konfliktanalyse und management, Länderkunde, Ansätze ziviler
Konfliktbearbeitung wie Mediation, Motivationsklärung, Projektmanagement
und ein Praktikum.
Besuche des forumZFD im Kosov@
im August und Dezember 1999 führten uns den nach wie vor schwelenden
Konflikt zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen drastisch
vor Augen.
Kooperatives oder versöhnliches
Verhalten gegenüber anderen Bevölkerungsgruppen wird oft als
Verrat interpretiert und man versucht, es mit Gewalt zu verhindern. Auch
nach der Entwaffnung der UCK im September 1999 bleibt es für KosovarInnen
aber auch für alle anderen äußerst schwierig, Organisationen
aufzubauen, die gewaltfrei und unabhängig agieren können.
Das Kosov@Team wird
mit folgenden Aufgabenschwerpunkten seine Tätigkeit aufnehmen:
-
Toleranzarbeit
-
Menschenrechtsarbeit
-
traumabegleitende Arbeit
-
Vernetzungs und Beratungsarbeit
-
Training in ziviler Konfliktbearbeitung
Die Zielgruppen sind Jugendliche
und junge Erwachsene, traumatisierte Menschen, Frauen und demobilisierte
Soldaten.
Das ''Friedensbüro" des
forumZFD in Prizren wird Kontaktstelle für Gruppen und Personen, die
sich für die Förderung demokratischer Prozesse einsetzen und
dabei Ansätze der zivilen Konfliktbearbeitung verstärken möchten.
Unsere Friedensfachkräfte werden Konzepte für Toleranzarbeit
entwickeln und MultiplikatorInnen in ziviler Konfliktbearbeitung ausbilden.
Gemeinsam mit engagierten Personen werden sie Strategien entwerfen, um
zu lernen, mit fremden aber auch mit eigenen Aggressionen umzugehen. Ziel
dieser Arbeit ist es, einen Dialog zwischen den Bevölkerungsgruppen
zu fördern. Eine enge Zusammenarbeit zwischen Kosov@Team und
SerbienTeam im Südbalkan-Programm wird von Beginn an angestrebt.
Wir gehen davon aus, dass unsere Friedensfachkräfte viel Geduld und
Zeit mitbringen müssen.
Unsere Friedensfachkräfte
Das
Kosov@Team begann im Februar 2000 mit zwei Friedensfachkräften
die sich gemeinsam von Juni 1999 bis Januar 2000 im Rahmen des ''Qualifizierungskurses
für zivile Konfliktbearbeitung/Zivilen Friedensdienst`` vorbereitet
haben. Sobald wie möglich wird das Team um ein bis zwei weitere Fachkräfte
verstärkt.
Silke MaierWitt,
geb. 1950 in Nagold, studierte ab 1969 Medizin und später Psychologie
an der Universität Hamburg und arbeitete in dieser Zeit mit verhaltensauffälligen
Jugendlichen.
1977 wurde sie Mitglied der ''Rote
Armee Fraktion`` (RAF). 1980 beendete sie ihre Mitgliedschaft und reiste
in die DDR aus. Sie ließ sich in Weimar zur Krankenschwester ausbilden
und schloss das Studium der Informationswissenschaften an der TU Ilmenau
als Fachinformatorin ab. 1990 wurde Silke MaierWitt verhaftet und
verurteilt. 1995 wurde sie vorzeitig aus der Haft entlassen. Schon während
ihres Aufenthalts in der DDR distanzierte sich Silke MaierWitt von
Gewalt und terroristischen Aktionen und bekräftigte dies später
wiederholt.
1994 nahm sie das PsychologieStudium
an der Universität Oldenburg mit den Schwerpunkten Gesundheitsförderung
und klinische Psychologie wieder auf. Nach Abschluss des Studiums absolvierte
Silke MaierWitt eine Ausbildung in systemischer Familientherapie,
wobei Konfliktbearbeitung und Kommunikation wesentliche Inhalte ausmachten.
Sie war im Bereich der Kinder und Jugendpsychiatrie, der psychologischen
Beratung und der innerbetrieblichen Kommunikation tätig.
Ihre Kompetenzen in der Konfliktvermittlung
vertiefte sie durch ein Praktikum in einem Projekt von Pax Christi zur
Wiedereingliederung serbischer Flüchtlinge in Benkovac/ Kroatien.
Silke MaierWitt wird ausloten, welchen
Beitrag Frauen und medizinisches Personal leisten können, um zu einem
kooperativen Zusammenleben verschiedener Gruppen beizutragen. Weiternin
will sie Angebote entwickeln, die traumatisierten Kindern und Jugendlichen
Hilfestellungen für den Alltag geben sollen.
''Ich war vor nun mehr als 20 Jahren
Mitglied der RAF, also keinesfalls für den Frieden engagiert. In einem
langen und mühsamen Prozess habe ich mich von dieser Politik losgesagt.
Meine eigene Geschichte hilft mir dabei, die Verletzlichkeiten und die
Stärken anderer Menschen wahrzunehmen. Es wäre schön, wenn
ich dazu beitragen könnte, Eskalation und Gewalt zu verhindern."
Peter Girke,
geb. 1972 in Berlin. Den Grundstein für seine jetzt angestrebte Tätigkeit
als Friedensfachkraft in Prizren legte er durch sein international ausgerichtetes
JuraStudium an den Universitäten in Berlin, Grenoble und Belfast.
Im Jahr 2000 wird er seinen Master of Law in Europarecht und Europapolitik
abschließen.
Schon während seines Studiums
war Peter Girke in verschiedenen Menschenrechtsorganisationen aktiv, bevor
er nach seinem ersten Staatsexamen im März 1998 begann, beim ''Commitee
on the Administration of Justice`` in Belfast mitzuarbeiten. Er war für
Ausbildung und Training von BeobachterInnen, Konzepterstellung für
eine PolizeiReform, Monitoring sowie juristische Fallbeobachtung zuständig.
Während seiner Tätigkeit in Nordirland gewann Peter Girke Einblick
in Konzepte und Ideen zur Gewaltminderung.
Sein Praktikum absolvierte er in einem
Projekt der Friedens und Entwicklungszusammenarbeit im Auftrag von
EIRENE in Burkina Faso (Westafrika). Hierbei erfuhr er vieles über
Organisationsstrukturen solcher Projekte wie auch in die Zusammenarbeit
zwischen staatlichen und nichtstaatlichen Organisationen.
Ein Arbeitsschwerpunkt von Peter Girke
wird die Begleitung von bedrohten Menschen sein sowie die Entwicklung von
Toleranzarbeit z. B. durch die Gestaltung von BürgerInnenzentren.
So arbeitet er - zusammen mit anderen Projektträgern zur Zeit an der
Etablierung eines selbstverwalteten Jugendzentrums.
''Ich freue mich auf die Herausforderung,
in einer Konfliktregion wie dem Kosov@, in der die Menschenrechte missachtet
werden und wurden, arbeiten zu dürfen. Ich möchte die Erwartungen
dabei nicht zu hoch ansetzen und weiß, dass es nur in kleinen Schritten
wirklich vorwärts geht. Ich hoffe, die Menschen bei der Bearbeitung
ihrer Konflikte unterstützen zu können; die Lösungen jedoch
liegen allein in ihren Händen."
Manuela
Braitsch aus Weil am Rhein wird Ende 2001 dieses Kosov@-Team ergänzen.
Die
Evangelische Landeskirche wird Frau Braitsch in Kooperation mit dem forumZFD
entsenden. Ab Anfang März nimmt sie
an der Ausbildung für Zivile Konfliktbearbeitung teil. Wenn Sie mehr
über die Ausbildung, das Projekt oder über den Zivilen Friedensdienst
wissen wollen - oder wenn Sie aus Baden sind und uns unterstützen
können, nehmen Sie bitte Kontakt mit der Arbeitsstelle Frieden auf.
Unsere
ProjektpartnerInnen im Kosov@
Wichtig ist die Zusammenarbeit mit
unterschiedlichen ProjektpartnerInnen.
Wir beginnen mit einem Projekt im Rahmen
einer Schulpartnerschaft. Die Zef Lush Marko-Schule in der Nähe
von Prizren unterhält eine Partnerschaft mit dem Düsseldorfer
Verein ''Mütter für den Frieden und Mutter Teresa e. V.".
Wir wurden gebeten, durch Workshops zur Qualifizierung der Lehrkräfte
und Eltern in der Konfliktvermittlung beizutragen, die Integration von
TraumaArbeit in den Schulalltag zu fördern und den Weg für
eine mögliche Schulpartnerschaft mit einer serbischen Schule zu ebnen.
Mutter Teresa e. V.: Nena Tereze wurde als Hilfsorganisation 1990 in Pristina
mit dem Ziel gegründet, die Not der Bevölkerung zu lindern. Sie
berücksichtigt in ihrer Arbeit alle Menschen, die auf Hilfe angewiesen
sind. Weder Nationalität, Religion, sozialer Stand noch die politische
Zugehörigkeit spielen eine Rolle. Mutter Teresa unterstützt internationnale
Organisationen in der Zusammenarbeit mit der Bevölkerung in allen
Teilen Kosov@s.
Ein weiterer Projektpartner wird das
Humanitarian
Law Center (HLC, Fond zahumanitorno pravo). Es ist eine 1992 gegründete
jugoslawische Nichtregierungsorganisation für Frieden, Demokratie
und Menschenrechte. Das HLC arbeitet mit eigenen Büros in Kosov@,
Montenegro und Serbien. Es engagiert sich besonders in der Aufklärung
von Menschenrechtsverletzungen und Kriegsverbrechen.
email-Adresse: hlc@EUnet.yu
Homepage: http://www.hlc.org.yu
Die Region
Prizren Zur Situation
Die Stadt Prizren liegt im Zentrum
des Süd-Kosov@. Die in der römischen Antike gegründete,
heute 60.000 Einwohner zählende Stadt war im Mittelalter ein blühendes
Handelszentrum und galt als politisches und gesellschaftliches Herz des
serbischen Zarenreiches.
Nach dem Ersten Weltkrieg wurden die
Autonomiebestrebungen der KosovarInnen bei der territorialen Neueinteilung
des Balkan nicht berücksichtigt und Kosov@ wurde Teil des serbischen
Königreiches. Prizren verlor als serbische Randprovinz seine ökonomische
und kulturelle Stellung.
Im Zweiten Weltkrieg, während
der Besatzung durch italienische und später deutsche Truppen, gehörte
Kosov@ zu ''GroßAlbanien". In dieser Zeit verübte die deutsche
Wehrmacht eine unerbittliche Repression an der serbischen Zivilbevölkerung.
Nach Kriegsende wurde Prizren zur Hauptstadt der autonomen Provinz ''KosovoMetohija"
innerhalb der Volksrepublik Jugoslawien.
Anfang der 80er Jahre kam es zu Unruhen
im Kosov@, die gewaltsam unterdrückt wurden. 1989 verlor Kosov@ schließlich
seinen Autonomiestatus.
Das Abkommen von Dayton im Herbst 1995
berücksichtigte die Autonomiebestrebungen der KosovarInnen im Zuge
der territorialen Neuregelung nicht: Kosov@ bliebt Teil der Bundesrepublik
Jugoslawien gemeinsam mit Serbien, Montenegro und Vojvodina. Willkürliche
Festnahmen und Misshandlungen von AlbanerInnen durch die serbische Polizei
waren seit 1989 an der Tagesordnung. Die KosovarInnen reagierten mit gewaltfreiem
Widerstand und begannen den Aufbau paralleler ziviler Strukturen. Leider
blieb dies jedoch international weitgehend ohne Resonanz.
Ende Oktober 1997 trat erstmals die
''Befreiungsarmee" UCK öffentlich in Erscheinung. Im darauf folgenden
Jahr kam es zu immer gewaltsameren Auseinandersetzungen zwischen UCK und
serbischen Militäreinheiten. Der von der NATO geführte Krieg
im Frühjahr 1999 löste auch in Prizren eine Fluchtwelle ins benachbarte
Mazedonien aus.
Heute bildet Prizren das Zentrum des
vom deutschen Kontingent der KFORStreitkräfte kontrollierten
Sektors.
Nördlich von Prizren haben sich
in Orahovac und Velika Hoca serbische Enklaven gebildet, die von der KFOR
bewacht werden. Auch die Roma bemühen sich um Schutz durch die KFORTruppen.
Die OSZE befürchtet, dass ethnischen Minderheiten der Zugang zu humanitären
Hilfsleistungen, medizinischer Versorgung, Bildung und Arbeitsplätzen
kaum oder gar nicht möglich sein wird. Um so wichtiger ist es den
Dialog und gegenseitige Toleranz zwischen den einzelnen Bevölkerungsgruppen
zu fördern.
Forum Ziviler
Friedensdienst e.V.
Das forumZFD hat sich zum Ziel gesetzt
das Konzept eines Zivilen Friedens als staatlich geförderter Dienst
in pluraler gesellschaftlicher Trägerschaft zu realisieren. Hierbei
hat die Weiterentwicklung von praxisorientierten Ausbildungskonzepten einen
hohen Stellenwert. Gemeinsam mit der Aktionsgemeischaft Dienste für
den Frieden (AGDF) führt das forumZFD seit drei Jahren die ''Qualifizierungskurse
für zivile Konfliktbearbeitung/Zivilen Friedensdienst`` durch, finanziert
durch das Land NRW und seit kurzem auch durch das BMZ. Bisher wurden schon
mehr als 50 Friedensfachkräfte ausgebildet. Ihre Aufgabe ist es, für
konkrete Konfliktfelder Strategien und Handlungsmöglichkeiten zu entwickeln,
um auf eskalierende oder gewaltförmige Konflikte im In und Ausland
gewaltvermeidend oder reduzierend einzuwirken.
Die Realisierung des SüdbalkanProgramms
geschieht in enger Zusammenarbeit mit unseren Mitgliedsorganisationen und
anderen NGO's, z. B. Pax Christi oder Ohne Rüstung leben.
Der Zivile Friedensdienst
...
...unterstützt Organisationen
vor Ort, die
-
gewaltpräventiv arbeiten,
-
in Konflikten schlichten, vermitteln und
Versöhnungsprozesse initiieren,
-
Möglichkeiten für gewaltfreien
Umgang mit Konflikten erarbeiten und umsetzen;
-
und damit Strukturen einer tragfähigen
Zivilgesellschaft stärken.
Der Zivile Friedensdienst
ist ein Fachdienst von lebens und berufserfahrenen Frauen und Männern,
die sich in einer mehrmonatigen Qualifizierung auf ihre Aufgaben in den
jeweiligen Projekten und Einsatzorten umfassend vorbereitet haben.
Unterstützen Sie
das SüdbalkanProgramm und unser Kosov@Team mit einer Spende!
Sprechen Sie mit uns über weitere
Möglichkeiten der Unterstützung
Forum Ziviler Friedensdienst e.V.
Wesselstr. 12
53113 Bonn
Fon: 0228 9 81 4515,
Fax: 17
email: forumZFD@tonline.de
Homepage: http//www.forumZFD.de
Bankverbindung:
Sparkasse MindenLübbecke,
BLZ 490 501 01, Konto 890 098 72
Qualifizierung für zivile Konfliktbearbeitung/Ziviler
Friedensdienst
c/o forumZFD
Fon: 0228 9 81 4473
Homepage: http//www.friedensdienst.de/konfliktbearbeitung
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