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...dann würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen - Ostermontag beim Eucom in Stuttgart

Alles begann mit einem Gottesdienst beim Eucom, der amerikanischen Einsatzzentrale für die Atomwaffen in Europa. Ca 300 Männer und Frauen versammelten sich dort, um miteinander Ostern in besonderer Art und Weise zu feiern: gemeinsam mit einem „Feldgottesdienst“, danach  in verschiedenen Gruppen als "Spaziergänger", "Blockierer" oder "Überwinder". 

Alle zusammen wollten ein Zeichen setzen, ein Zeichen für das Leben, angesichts des völkerrechtswidrigen Drohpotentials an Atomwaffen, die von diesem Ort aus für Europa und den Nahen Osten befehligt werden. Wir wollten nicht einfach hinnehmen, daß von diesem schönen Fleckchen Erde millionenfacher Tod angedroht wird. Schon gar nicht an Ostern, dem Fest der Auferstehung und des Lebens. Deshalb kamen wir zusammen. Deshalb feierten wir einen Gottesdienst unter freiem Himmel. Deshalb beschlossen manche von uns, ein besonderes Zeichen zu setzen. Ein doppeltes Zeichen. Eines gegen den Tod und eines für das Leben. Gegen den Tod, indem sie sich dem reibungslosen Geschäft dieser Kommandozentrale zumindest symbolisch widersetzten. Für das Leben, indem sie auf dem umzäunten Gelände einen Apfelbaum pflanzten. 

Empfangen wurden wir von einer größeren Gruppe von Polizisten, die -teilweise zu Pferde- das Gelände abgesichert hatten. Sie überprüften die Personalien und durchsuchten die Fahrzeuge. Beschlagnahmt haben sie nichts. Was hätten sie auch anfangen sollen mit den Liedblättern für den Gottesdienst, der Osterkerze einer Kirchengemeinde, dem Apfelsaft, dem Olivenbäumchen und dem Apfelbäumchen, die allesamt als Gaben der Gruppen von Pax-Christi oder Ohne Rüstung Leben für den Gottesdienst mitgebracht wurden. Vermutlich nahmen sie die Ankündigungen auch nicht ganz so ernst: War es nicht zu "blauäugig", angesicht ihres "Aufmarsches" hier am Eucom ein profetisches Zeichen zu setzen, den Betrieb zu stören oder gar ein Bäumchen hinter dem Maschendraht zu pflanzen?! 

Der Gottesdienst nahm seinen Lauf. Wir beteten und sangen zusammen - die Atmosphäre war positiv gespannt. Beeindruckend die Gewissheit, mit der Herbert Fröhlich als Leiter des Gottesdienstes die Gaben vorstellte. Er schien keinen Zweifel zu haben, daß am Ende des Tages ein Apfelbäumchen auf dem Eucom-Gelände weiter wachsen wird. Auch die Polizei schien von dieser Ankündigung wenig überrascht, wenn auch vermutlich weniger überzeugt. In seiner Ansprache stellte Herbert den Bezug zur Entscheidung des Internationalen Gerichtshofes her (dieser hatte die Drohung mit Atomwaffen für völkerrechtswidrig erklärt), und forderte die "Spaziergänger" auf, das Gespräch mit den Polizistinnen und Polizisten zu suchen und jede Konfrontation zu vermeiden. Die Atomwaffen als Teil der Kriegsstrategie bezeichnete er als einen Versuch, sich selbst möglichst unverwundbar zu machen. Dem stellte er den gekreuzigten Christus gegenüber. "Liebe und Leben bringen Verwundbarkeit mit sich. Dies können wir bei Jesus sehen, der zur Verwundbarkeit bereit war; bereit, bis zum Tod am Kreuz. Wer unverwundbar sein will, findet nicht das Leben, sondern den Tod."

Nach dem gemeinsamen Vater Unser machten wir uns auf den Weg. Manche in der Bereitschaft, gegen Regeln zu verstoßen, sich angreifbar, verwundbar zu machen, um für das Leben ein Zeichen zu setzen. Die Einen bewegten sich zum Eingang, um diesen wenigstens für eine Weile zu blockieren. Andere nahmen den Zaun näher in Augenschein, um nach einer Möglichkeit zu suchen, diesen zu überwinden. 
Ich selbst hatte mich dazu entschlossen, Spaziergänger oder Zaungast im doppelten Wortsinn zu sein. Den Zaun zu überwinden fehlte mir Mut und auch die Gewissheit, dass es für mich richtig ist. Also lief ich am Zaun entlang. Nach kurzer Zeit fand ich mich in einer Gruppe wieder, die einen ersten Versuch unternahmen, auf die andere Seite zu gelangen. Schnell war die Polizei zur Stelle und nahm zwei der Männer recht unsanft in Gewahrsam. 

Nachdem sich die Situation wieder entspannt hatte, ging ich weiter am Zaun entlang. Plötzlich begegneten uns zwei Männer und eine Frau innerhalb des Zaunes. Mit ihrem Bolzenschneider hatten sie ein Loch in den Zaun geschnitten. Da kam ein Militärpolizist mit einem Wachhund angerannt und schrie sie mit amerkanischem Akzent an, sie sollten sich sofort auf den Boden legen. Er war recht wütend, holte über sein Handy Unterstützung und fesselte die Eindringlinge mit Plastikbändern. Währenddessen hatten auch zwei andere Gruppen einen Weg in das Eucom gefunden. Wie durch ein Wunder war sogar der Apfelbaum mit drin. Dadurch, daß die Polizei draußen war, konnte sie auch nicht verhindern, daß dieser tatsächlich eingepflanzt wurde. Nach dem Einpflanzen stimmten die "Überwinder" das Lied "we shall overcome" an. Wir Zaungäste stimmten ein und sahen zu, wie sie gefesselt und abgeführt wurden. 

Für uns Zaungäste war mit der Abfahrt vom Eucom die "Aktion" beendet. Für 25 Blockierer und 15 Überwinder wird es noch ein "Nachspiel" geben. Die Blockierer müssen mit einem Bußgeld rechnen. Durch ihre Bereitschaft zum Hausfriedensbruch wird es für die "Überwinder" zu Gerichtsverfahren kommen. Auf der Anklagebank werden offiziell sie als Störenfriede sitzen. Wenn ihre Rechnung aufgeht, wird mit ihnen aber auch die Frage der atomaren Abschreckung in die Gerichte getragen. Und genau deshalb haben sie ihr Zeichen gesetzt: Ein Baum für das Leben angesichts der völkerrechtswidrigen atomaren Abschreckung. 

Die Photos stammen von Stefan Philipp, Redaktionsleiter der Zeitschrift 4/3
(durch Doppelklick werden sie in Originalgröße angezeigt)

"we close the nuclear deadquarters"

ein Blockierer 
wird weggetragen

der Apfelbaum 
wird gepflanzt
Dies war nicht die erste Zeichenhandlung am Eucom. Seit einigen Jahren macht die Gruppe "Eucommunity" auf das Unrecht der Atomwaffen durch  "Entzäunungsaktionen" aufmerksam. Kontaktadresse: Eucommunity, Wolfgang Sternstein, Hauptmannstr. 45, 70192 Stuttgart

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