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Kinder- und
Jugendarbeit

update vom
9. 11. 2002

Dekade zur Überwindung von Gewalt in Deutschland - Empfehlungen zur Weiterarbeit 
Ein Bericht der Konsultativgruppe* der ACK zur Weiterarbeit am konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung

Zusammenfassend stellt die Konsultativgruppe fest, dass der bisherige Verlauf der Dekade trotz zahlreicher Hindernisse einige Anfangserfolge erbracht hat, die den Sinn und die Realisierbarkeit der Dekade bestätigen:
  • Gewalt als zentrales Problem für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ist großen Teilen der Bevölkerung, insbesondere in den Kirchen, bewusst geworden.
  • Kommunikationskanäle und Kooperationen sind zwischen sehr unterschiedlich geprägten Akteuren entstanden, die durch den christlichen Glauben und/oder ein entsprechendes sachliches Interesse verbunden sind.
  • Ansätze für eine Integration des Anliegens der Dekade und ihrer Intensivierung sind  in Strukturen, Themen, Programmtypen vorhanden. 

1. Zur Beschlusslage: Die Dekade fordert dazu heraus, ausdrücklich und profiliert die Überwindung von Gewalt zu thematisieren

Empfehlung 1
Für das gemeinsame Zeugnis der Kirchen und für eine glaubwürdige öffentliche Wahrnehmung der Dekade ist es angebracht, den Bezug des eigenen Handelns zur Dekade für die Überwindung von Gewalt explizit darzulegen. Damit wird die ökumenische Gemeinsamkeit gestärkt und die theologische und geistliche Verpflichtung  der Kirchen auf diesem Feld verdeutlicht. Zugleich wird  ein gemeinsames Zeichen der Widerständigkeit gesetzt gegen Tendenzen zur Resignation in Gesellschaft und Politik, das schwierige Thema der Gewaltüberwindung aufzugreifen. Deshalb sollten, soweit noch nicht geschehen, auch formelle Beschlüsse zur Beteiligung an der Dekade auf möglichst vielen Ebenen über konkrete Ziele, Themen, Methoden und Instrumente herbeigeführt werden.
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2. Zur Struktur: Die Dekade braucht eine Mindeststruktur

Empfehlung 2
Es ist wichtig, da zu beginnen, “wo es brennt”. Dies ergibt sich sinnvollerweise zunächst in Anknüpfung an die üblichen Arbeitsgebiete von Gemeinden, Kirchen und Gruppen. Daraus  kann Konkretheit und Verbindlichkeit für die  Überwindung von Gewalt wachsen. Die Akteure sollten sich aber nicht auf die häuslichen oder gemeindlichen Gewaltphänomene beschränken, sondern auch solche im gesellschaftlichen, nationalen, internationalen und interreligiösen Umfeld aufgreifen.

Empfehlung 3
Für den Erfolg kommt es darauf an, erreichbare Zwischenziele zur Überwindung von Gewalt aufzuzeigen, um einer Frustration und Abkehr von der Aufgabe vorzubeugen. Dazu gehören die Bearbeitung von Einzelanliegen, die Festlegung von bestimmten zu unterstützenden Projekten, gesellschaftliche und politische Einflussnahme, sowie die geistige und geistliche Auseinandersetzung mit Gewalt.

Empfehlung 4
Klar nach Zuständigkeiten definierte Ansprechpartner/ Ansprechpartnerinnen insbesondere auf regionaler und überregionaler Ebene sollten als Projektstellen oder Beauftragungen mit folgenden Aufgaben installiert werden: Aufbau von Kommunikationskanälen; Förderung von Kooperation zur Herstellung von Synergieeffekten und Kohärenz; Schaffung von Instrumenten zur Kommunikation und Wirksamkeit in der Öffentlichkeit (Informationsdienste, Internet); Unterstützung von Gruppen, Gemeinden und Kirchen, die nachfragen oder Beratungsbedarf haben; Anleitung von multiplikatorisch tätigen “Ehrenamtlichen”.

Empfehlung 5
Fortzusetzen ist die Kooperation mit Initiativen wie den ökumenischen Netzen, Advocacy-Initiativen, den ökumenischen Vereinigungen von Frauen, der Ökumenischen Friedensdekade, dem “Offenen Forum Dekade Überwindung von Gewalt”, Aktionen wie “Lade Deine Nachbarn ein” und Medien wie der Internet-Liste “Gewaltüberwinden” und dem Ökumenischen Informationsdienst. Auch mit den Gruppen sollte kooperiert werden, die bei der UN-Dekade zur “Kultur des Friedens” mitarbeiten.

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3. Zur Auswahl und Gestaltung von Themen: Vielfältiges in Zusammenhängen sehen lernen 

Empfehlung 6
Kirchen, Gemeinden und Gruppen sollten sich zur Vermeidung von Überforderung die Freiheit nehmen, ihre Mitarbeit an der Dekade zur Überwindung von Gewalt auf die Aufgaben und Themen zu beschränken, die sie mit ihren Möglichkeiten voraussichtlich in ihrem jeweiligen Kontext bewältigen können. Deshalb kann es keine vorrangigen Themen oder Zielgruppen geben. Der Ausgangspunkt können konkrete Vorfälle in Gemeinden und Gruppen sein, z.B. Vandalismus rund um die Kirche, der durch einen runden Tisch der angefragten Institutionen (Kirche, Polizei, Schulen) und durch nachfolgende Arbeit mit den verantwortlichen Jugendlichen in Schulen, Vereinen usw. aufgearbeitet wird.

Empfehlung 7
Auf dem Hintergrund der biblischen Versöhnungsbotschaft ist die theologische Arbeit an den Grundfragen und den lebensweltlichen Themen der Dekade von  zentraler identitätsstiftender Bedeutung  für die Kirchen  Sie sollte verknüpft sein mit einem  interdisziplinären sachbezogenen Austausch zur genaueren Analyse und Bändigung der Komplexität von Gewalt. Die Arbeit an den theologischen und sachlichen Fragestellungen muss aufeinander bezogen sein, um anregend wirken zu können.

Empfehlung 8
Expertise ist notwendig, um alle Beteiligten von der Basis bis zur Leitungsebene in die Lage zu versetzen, komplexe Sachverhalte zu analysieren, in allen Dimensionen begreifbar zu machen und mit Handlungsoptionen versehen zu können. Wo Expertise zum Umgang mit Gewalt fehlt, sollte sie systematisch beschafft und auch eingesetzt werden, sowohl zum elementaren Lernen als auch zum spezifischen Handeln.

Empfehlung 9
Die aus Anlass des 11. September neu aufgebrochene Debatte um privatisierte und staatliche entgrenzte Gewalt und die Debatte über die Globalisierung sollte in der Dekade dazu genutzt werden, das Verständnis und den Begriff von struktureller Gewalt, Terrorismus, Krieg und Sicherheit unter den Leitbegriffen von Demokratie und Menschenrechten zu 
präzisieren, um genauer bestimmen zu können, was von wem aus welchem Grunde, zu welchem Zweck und in welcher Form getan werden kann.

Empfehlung 10
Das von den deutschen Bischöfen (“Gerechter Friede”) und der EKD (“Schritte auf dem Weg des Friedens – Orientierungspunkte für Friedensethik und Friedenspolitik”) zur öffentlichen Diskussion gestellte Leitbild “Gerechter Friede” sollte daraufhin befragt werden, was es theologisch, gesellschaftlich und politisch im einzelnen bedeutet, um es nicht zur Floskel werden zu lassen. Dieses Leitbild ist geeignet, zur Überwindung von Gewalt beizutragen, weil es Glauben und säkulares Leben miteinander verbindet. Auch das Wort des Rates der EKD und der Deutschen Bischofskonferenz zur wirtschaftlichen und sozialen Lage in Deutschland “Für eine Zukunft in Solidarität und Gerechtigkeit”, das Bezüge zur Gewaltproblematik hat, sollte unter diesem Gesichtspunkt neu beachtet werden.

Empfehlung 11
Die Dekade eignet sich nach der Zusammensetzung der Akteure, Aufgaben und den Themen hervorragend für den innerdeutschen und den internationalen ökumenischen Dialog und sollte deshalb zur Stärkung der Ökumene genutzt werden.

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4. Zu Ressourcen und Programmtypen: Die gezielte Nutzung vorhandener und zusätzlicher Ressourcen ist nötig, um erfolgreich arbeiten zu können

Empfehlung 12
Um die Dekade über die Anfangserfolge hinaus für die gesamte Dauer zu einem geistlichen Wachstumsprozess werden zu lassen, der auch auf Gesellschaft und Politik ausstrahlt, bedarf es einer stabilisierenden und innovativen Mindestinfrastruktur von Ressourcen in Form von Qualifikation, Personal und Geld.

Empfehlung 13
Vorrang bei den Programmtypen sollten diejenigen haben, die die spirituelle, pädagogische und sachliche Kompetenz der Akteure für die Wahrnehmung und Transformation von gewaltförmigen Konflikten verbessern, also die Qualifizierung von ehren- und hauptamtlichen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen in ihrer Funktion als Multiplikatoren/Multiplikatorinnen. Ohne zusätzliche Anstrengungen z.B. bei der Aus- und Fortbildung von haupt-, neben- und ehrenamtlichen Funktionsträgern  wird die Dekade schwerlich größere Erfolge erzielen können. Hier ist besonders an die Umstellung bzw. Erweiterung der Curricula für die Aus- und Fortbildung von Pfarrer/innen und anderen kirchlichen Mitarbeiter/innen  zu denken. Letzteres könnte ohne neue größere finanzielle Anstrengungen möglich sein.
 

Die Konsultativgruppe nach Beratung durch ihre Mitglieder.

Bad Honnef/Heidelberg, den 10. September 2002

Ulrich Frey,  Herbert Froehlich
Sprecher der Konsultativgruppe



Das Diakonische Werk der EKD hat im April 2002 einen Fragebogen “Dekade zur Überwindung von Gewalt in der Diakonie” versandt, dessen Ergebnisse der Konsultativgruppe noch nicht vorliegen.

Die Konsultativgruppe zur Weiterarbeit am konziliaren Prozeß für Gerechtigkeit, Frieden und die Bewahrung der Schöpfung ist von der Mitgliederversammlung der ACK eingesetzt worden. Die Konsultativgruppe soll im Rahmen der Dekade zur Überwindung von Gewalt insbesondere an der ökumenischen Einbindung und Vernetzung, einer gründlichen inhaltlichen Reflexion und Aufarbeitung und an der kooperativen Zusammenführung von Aktivitäten mitwirken. Die Gruppe besteht aus Vertretern und Vertreterinnen von Mitgliedskirchen der ACK, von Netzen und Gruppen und aus beratenden Personen.
Kontaktadresse: Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen e.V., Ökumenische Centrale, Ludolfusstaße 2 – 4, 60487, Frankfurt/Main
Tel. 069/247027-0, Fax 247027-30


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