Kinder-
und
Jugendarbeit
update
vom
14.
2. 2001
|
|
Dekade
zur Überwindung von Gewalt
Entwicklung
und Perspektive in der Evangelischen Landeskirche in Baden
Landessynode
beschließt Teilnahme an der Dekade
Auf
ihrer 3.Sitzung am 28.Oktober 1999 behandelte die Synode den Aufruf des
Ökumenischen Rates der Kirchen zu einer Dekade zur Überwindung
von Gewalt. In einem fundierten Vortrag stellte der Berichterstatter, Dr.
Kudella, die Notwendigkeit der Teilnahme unserer Kirche an der Dekade dar:
,,Mit
Gewalt sind wir überall in unserer Umgebung konfrontiert und jeder
von Ihnen kann die Liste aus eigener Erfahrung verlängern. Wir
beobachten heute weltweit, dass Vielgestalt und Häufigkeit willkürlicher
Gewaltanwendung zunehmen. Gewalt geht uns auch als Kirche etwas an, um
der uns anvertrauten Menschen willen.
(...)
Angesichts von Gewalt kann und soll die Kirche ihren Auftrag der Versöhnung
nicht verschweigen. Es ist also unser Thema.
Der
besondere Ausschuss Mission, Ökumene, Konziliarer Prozess hat bei
seinen Beratungen herausgestellt dass es dabei nicht einfach um eine Wiederaufnahme
der friedensethischen Debatte geht, sondern um einen viel breiter angelegten
Einsatz für eine Kultur der Gewaltlosigkeit. Er begrüßt
daher sehr, dass die endgültige Formulierung der Dekade nicht bei
der Gewalt als Negativbegriff stehen bleibt sondern gegen die Dekade zur
Überwindung von Gewalt positiv setzt - Kirchen auf der Suche nach
Versöhnung und Frieden.
Zu
den Zielen der Dekade gehört die ganzheitliche Auseinandersetzung
mit einem breiten Spektrum von Formen der Gewalt: direkter Gewaltanwendung,
aber auch struktureller Gewalt und dies lokal, regional und international.
Ein entwicklungspolitischer Schwerpunkt gehört damit ebenso selbstverständlich
dazu wie die Aufforderung an die Kirchen, Geist, Logik und eigene Ausübung
von Gewalt genauso zu hinterfragen wie ihre theologische Rechtfertigung.
Die Dekade wird im Januar 2001 beginnen, sie soll bis 2010 andauern und
findet einen ersten Höhepunkt in der neunten. Vollversammlung des
Ökumenischen Rates der Kirchen 2005“.
Der
Beschluss der Synode lautete:
Die
Landesynode der Evangelischen Landeskirche in Baden begrüßt
und unterstützt den Aufruf des Ökumenischen Rates der Kirchen
zu einer ökumenischen Dekade zur Überwindung von Gewalt - Kirchen
auf der Suche nach Versöhnung und Frieden.
Die
Landessynode bittet
1.
den Evangelischen Oberkirchenrat die zur Vorbereitung der Beteiligung an
der Dekade notwendigen Schritte zu übernehmen,
2.
den besonderen Ausschuss Mission, Ökumene und Konziliarer Prozess,
weitere Schritte der Landessynode anzudenken.
Grundsätze
zur Durchführung der Dekade in der Evang. Landeskirche in Baden
(Zusammenfassung nach Materialien
von Pfarrer Dietrich Zeilinger)
STRUKTUREN
UND METHODEN
Es wird eine zentrale Informationsstelle
im Amt für Mission und Ökumene eingerichtet, die die Dekade im
Bereich der Evang. Landeskirche in Bade koordinieren soll. Die Leitung
hat Pfr. Dietrich Zeilinger
(Tel.: 0721/9175-514; Fax::
175-566; e-mail: sonja.meier@ekiba.de). Das Mat für Mission ist mit
einer Homepage
im Netz und informiert dort unter anderem über die weitere Entwicklung.
„Mitteilungen“ und „Standpunkte“
werden fortlaufend über den Stand der Dekade informieren, eine zentrale
WebSite wird zum Gespräch über Erfahrungen einladen: Die Dekade
bietet breiten Raum dafür, dass wir uns unsere Geschichten über
Erfahrungen mit Gewalt und Gewaltüberwindung erzählen. Die zentrale
Informationsstelle bietet Arbeitshilfen an, die im Bereich der Landeskirche
erstellt werden, verweist auf Arbeitshilfen anderer Kirchen und hilft bei
der Vorbereitung von Veranstaltungen. Ein bis Dezember 2000 geplantes Faltblatt
wird zur Mitwirkung an der Dekade einladen.
Die konkrete Ausgestaltung
wird von der Nachfrage bestimmt. Vielleicht wird es notwendig sein, eine
Projektstelle einzurichten.
DIE
HANDELNDEN
Alle in unserer Landeskirche
sind aufgerufen, sich an der Dekade zu beteiligen. Diejenigen, die bereits
bisher Wege zur Überwindung von Gewalt gehen, sollen aufmerksamer
wahrgenommen werden. Sie sollen eingeladen werden, um über ihre
Erfahrungen im Gottesdienst zu berichten. Auch die Mitglieder der anderen
Kirchen in Baden sollen ein-geladen werden an der „Suche nach Versöhnung
und Frieden“ teilzunehmen.
Die Zusammenarbeit mit außer-kirchlichen
Initiativen, Gruppen, und Institutionen, mit Kommunen und staatlichen Stellen,
mit Schulen und Universitäten soll gesucht werden. Doch vor allem
sollen jene zu Wort kommen, die unmittelbar von Gewalt betroffen sind:
Ihnen Gehör zu verschaffen, ist eine der wichtigsten Aufgaben der
Dekade.
ZEITRAHMEN
Weltweit wird die Dekade
Anfang Februar 2001 eröffnet, wenn in Berlin der Zentralausschuss
des Ökumenischen Rates der Kirchen tagt. Im Bereich unserer Landeskirche
wird der zentrale Eröffnungsgottesdienst mit Landesbischof Dr. Ulrich
Fischer am 11. Februar 2001 in Offenburg stattfinden. Die Gemeinden sind
eingeladen, ihrerseits am 11. oder 18. Februar 2001 mit einem Gottesdienst
die Dekade zu eröffnen. Vorschläge zur Gestaltung wird die Informationsstelle
anbieten. Im Jahr 2001 wird es darum gehen die Dekade bekannt zu machen.
Zudem soll dieses Jahr genutzt werden, um zusammenzutragen, wie und
wo in der Landeskirche an der Suche nach einem „Frieden in Gerechtigkeit“
gearbeitet wird.
In der Halbzeit der Dekade
(9. Vollversammlung des ÖRK 2005) wird eine Zwischenauswertung erstellt.
Aus
dem Einladungsschreiben von Landesbischof Dr. Ulrich Fischer:
„Liebe Schwestern und Brüder!
Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde
das Böse mit Gutem. So lesen wir im Römerbrief (12,21) Kein Zweifel,
es gibt die Macht des Bösen, den mächtigen Sog zu Verzweiflung,
zu Gewalt und Lüge bis hin zur Zerstörung menschlichen Lebens.
Als Christinnen und Christen sind wir aufgerufen, jeder Form von Gewalt
zu widerstehen und sie zu verkleinern, wo wir nur können. Wer Gottes
geliebten Geschöpfen Gewalt antut, beleidigt letztlich Gott selbst.
Nächstenliebe dagegen verzichtet auf Gewalt und will den Gegner gewinnen.
Deshalb begrüße und unterstütze ich ausdrücklich die
Initiative der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen
1998 in Harare, für die nächsten zehn Jahre eine Dekade zur Überwindung
von Gewalt auszurufen. Die Landessynode hat beschlossen, dass wir als Mitgliedskirche
des ÖRK an dieser Initiative aktiv mitarbeiten wollen. Dabei geht
es nicht nur um einzelne Aktionen zu Brennpunkten von Gewalt, sondern auch
um eine gründliche theologische Arbeit an der Gewaltthematik.
Herzlich danken möchte
ich allen Frauen und Männern, besonders auch den engagierten Jugendlichen
in unserer Kirche, die sich die Aufgabe der Überwindung und Minimierung
von Gewalt zu Eigen gemacht haben. Die neue Dekade bietet die Möglichkeit,
ihre im Rahmen des Konziliaren Prozesses begonnene Arbeit zu vertiefen
und in ihrer Wirkung zu verbreitern. Es ist mein Wunsch, dass die Sehnsucht
nach ,Gutem' zu einem breiten Strom in unserer Landeskirche wird, der die
vielen Einzelinitiativen zur Überwindung von Gewalt trägt, aufs
Neue motiviert und Böses überwinden hilft.“
Eröffnungsveranstaltung
mit vielen Delegierten aus den Kirchenbezirken, etlichen Gruppen, die bereits
heute an der Überwindung von Gewalt arbeiten und Landesbischof Dr.
Ulrich Fischer
In
Baden wurde die Dekade am 11. Februar mit einem Gottesdienst in Offenburg
(Erlösergemeinde) eröffnet, bei dem Landesbischof Dr. Ulrich
Fischer mitwirkte. Einige Gemeinden hatten zum Gottesdienst ihre eigenen
Wünsche, Hoffnungen und Erwartungen formuliert und dadurch die Bedeutung
der Dekade unterstrichen. Im Anschluss an den Gottesdienst stellten einige
Gruppen und Initiativen ihre Arbeit und damit Möglichkeiten der Beteiligung
an der Dekade exemplarisch dar. Besonders erfreulich war für uns als
Arbeitsstelle Frieden, dass mit der Kollekte des Gottesdienstes unser
Kosovo-Projekt unterstützt wurde und dadurch auch einem größeren
Personenkreis bekannt gemacht wurde. Manuela Braitsch, "unsere" Friedensfachkraft,
konnte sich den Fragen der interessierten Gäste stellen (hier
im Gespräch mit Ulli Thiel von der "Werkstatt für Gewaltfreie
Aktion") und so auch erste Kontakte noch vor ihrem Kosovo-Einsatz knüpfen.
Auch
die Stände der andreen Gruppen aus Baden boten ein lebhaftes Zeugnis
über die unterschiedlichsten Ansätze zur Überwindung von
Gewalt. Alle Gruppen verbinden mit der Dekade wohl die gemeinsame Hoffnung,
innerhalb der kopmmenden 10 Jahre ein klein wenig aus dem Nischendasein
in den Blickpunkt der Öffentlichkeit zu rücken.

Tagung
in Bad Boll zur Förderung der Dekade
Auch
auf EKD-Ebene werden die Planungen zur Dekade zur Überwindung von
Gewalt konkreter. Das ist das Ergebnis einer gemeinsamen Tagung des Ökumenereferates
der EKD mit regionalen Trägern und reichhaltigen Anstößen
in der Evangelischen Akademie Bad Boll vom 19.-21.Januar 2000.
Einfließen
werden die bisherigen Übereinstimmungen und Erkenntnisse aus dem Konziliaren
Prozess, dazu gehören die Fragen nach der ursächlichen ökonomisch
bedingten Gewalt. Hier werden sich das „Plädoyer für eine ökumenische
Zukunft“ und „Kairos Europa“ besonders einbringen. Ein weiterer Schwerpunkt
bildet die zu überwindende Gewalt gegen Frauen. Aus dem Referat von
UI Jäger vom „Tübinger Verein für Friedenspädagogik“
stammte die Idee, zehn Selbstverpflichtungen bzw. Thesen zu entwerfen analog
zu den Regeln von Martin Luther King. Möglicherweise kann der ,,Ökumenische
Informationsdienst“ dazu eine Diskussionsseite im Internet anbieten. Die
Auftaktveranstaltung zur Dekade wird nach Möglichkeit im Zusammenhang
mit der nächsten Sitzung des Zentralausschusses des ÖRK im Januar
2001 stattfinden; eine Alternative stellt der Kirchentag im Juni 2001 in
Frankfurt am Main dar. Zuvor werden bereits in diesem Jahr Materialien
für Veranstaltungen und Gottesdienste erstellt.
Am
4. Februar 2001 wurde in der Berliner Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche
die weltweite Eröffnung der ökumenischen Dekade mit einem europaweit
übertragenen Gottesdienst gefeiert.
Kontakt:
Dr. Jens Dechow,
Arbeitsstelle
Konziliarer Prozess,
Olpe
35, 44135 Dortmund,
Tel.:
0231-5409-73174
Newsgroup
zur Dekade: http://www.egroups.de/group/gewaltueberwinden
Die
Homepage
des Ökumenischen Rates der Kirchen: http://www.wcc-coe.org/wcc/dov/index-g.html
|