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Kinder- und
Jugendarbeit
Staunen als Anfang von Forschung: 
Vom Gewaltkult zur Gütekraft
Beispiele und Aspekte einer neubenannten Qualität
Birgit Berg

Die Geschichte wird unsere Zeit als eine Epoche der gigantischen Gewalt sehen, von Auschwitz und Atombombe bis zu Krimikultur und Krieg der Sterne. Gleichzeitig aber hat sich quer zum Gewaltkult eine Kraft herausgeformt, die zum Kristallisationskeim einer wesentlichen Veränderung werden kann: Die aktive Gewaltfreiheit ist von einem Ideal, das lange nur als Wunschtraum oder theoretisches Gebot abgetan wurde, zu einer realen Tat-Kraft gereift. Als Einstieg führe ich eine kleine Auswahl von Beispielen an, strukturiert nach verschiedenen Aspekten und Merkmalen, ohne einen wissenschaftlichen Anspruch - sie sollen die Spannbreite des “Stoffes“ skizzieren, der auf Gütekraft forschend abzuklopfen ist.Gewaltfreier Widerstand hat Diktatoren gestürzt

[1], Kriege verhindert[2] und Umweltzerstörungen gestoppt[3]. Von Medien und Geschichtsbüchern noch kaum entdeckt, hat die neue Geschichte bereits begonnen, mit Tausenden von gewaltfreien Ereignissen weltweit. Sie handelt nicht mehr von Herrschern und Schlachten, sondern von Bewegungen und Aktionen[4] - von den 'Reisen durch Mauern' beispielsweise, mit denen 'Bürgerdiplomat/innen' die Aufhebung des Eisernen Vorhangs einleiteten[5]... von den tausend Atomminenschächten entlang der innerdeutschen Grenze, die in einer einzigen Nacht zubetoniert wurden[6]... von Hunderten Sonnenblumen, die aus den Sandsäcken des Kriegs in Zagreb wuchsen[7]... von den Pflügen und Pflanzen, mit denen lateinamerikanische Bauern und Bäuerinnen ihr Land zurückeroberten[8].
Die realistische Handlungskraft der Gewaltfreiheit geht weit über bloßen 'Gewaltverzicht' hinaus - sie reicht von der persönlichen Schlagfertigkeit ohne Schläge bis zu politischen Kampagnen und Friedenkonzepten. Sie entwickelte pfiffige Fantasie ebenso wie Arbeitsprogramme mit Methoden, Seminaren und Projekten - ein konkretes “Know how“ mit Geheimniskern.

Indem nun - mit der Schubkraft eines neuen Begriffs - ein ungewöhnliches und umfassendes Forschungsprojekt gestartet wird, soll ein spannender Klärungsprozess in Gang gesetzt werden.

Er kann dem Thema neu Öffentlichkeit verschaffen. Wenn die Medien gewaltfreie Ereignisse verbreiten würden wie bisher nur Mord und Totschlag - dann könnten diese überraschenden Beispiele anstecken und einen wesentlichen Bewusstseinswandel auslösen.

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Vor allem kann das Projekt eine seriöse Grundlage bereiten, durch die Konzepte und Modelle für Alternativen zum Krieg ernster genommen werden als bisher. Denn erst wenn sie mit ebensoviel Mitteln ausgestattet werden wie bis jetzt nur das Militär - wird der Vergleich der Wirksamkeit von gewaltfreier oder gewaltsamer Konfliktaustragung objektiv. Und erst wenn die 'gütekraftvollen' Möglichkeiten ebenso vorgeführt und eingeübt werden wie bis jetzt nur der Waffengebrauch - können sie von gewagten Einsprengseln in den Gewaltkult zu einem prägenden Gesellschaftsfaktor werden.

Am Anfang stehen Fragen

Wie können Menschen Veränderungen ohne Machtmittel durchsetzen? Wie wirkt diese Kraft? Durch moralischen Druck, Umwandlung, Überredung oder Überzeugung[9].
Worauf beruht es beispielsweise, dass entgegen jedem Wildwest-Klischee die Quäker mitten in den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen bei offener Tür unbewaffnet tagen konnten und nicht überfallen wurden, sondern dass die feindlichen Indianer ihre “scalping tomahawks“ weglegten und sich friedlich zu ihnen setzten[10]? Weshalb befahl der Kommandant eines Kriegsschiffs, das zum Plündern der Insel Nantucket angelegt hatte, den Rückzug, als der erste Bewohner ihn in sein Haus einlud und bat, hier mit der Plünderung zu beginnen[11]? Wieso zogen im jugoslawischen Krieg die Panzer aus einem Dorf in Serbien ab, das geschlossen den Kriegsdienst verweigerte und eine “geistige Republik“ ausrief[12]?
Aber: Fällt Ziviler Ungehorsam auch unter den neuen Begriff - etwa das Aufschneiden von Stacheldrahtzäunen, Hämmern auf Atomwaffen, Bepflanzen von Militärgelände[13] - Gütekraft mit Biss? Und: war es auch “gütekräftig“, dass die englische Polizei Anfang der 30er Jahre beschloss, ihre Bewaffnung abzuschaffen[14], oder dass in unseren Tagen ein Kaufmann den Einbrecher, der mit vorgehaltenem Revolver eine bestimmte Summe verlangte, zu einem Drink einlud und herunterhandelte[15]? Müssen wir nun unterscheiden zwischen pragmatischer Gewaltfreiheit und ethisch motivierter Gütekraft? Oder lassen sich gemeinsame Nenner herausarbeiten? 
Und zur Motivation: Warum handelt ein Mensch gewalttätig oder 'gütekräftig'? Kann die “innere Stimme“ erforscht werden? Wie stehen soziologische Forschungen an Tausenden, die gleichgültig Hilfeleistung unterlassen, zu praktischen Erfahrungen einer Bewegung, in der sich Zehntausend freiwillig wegen gewaltfreier Aktionen vor Gericht stellen lassen[16]?
Vor allem: Was macht das gewisse Etwas des gütekraftvollen Umwandlungsprozesses aus gegenüber passiver Gewaltlosigkeit, bei der man bloß ohne Waffe ist, so wie man bei Regen den Schirm vergessen hat?


Aktiv

'Gütekraft' ist aktive Gewaltfreiheit, nicht passives Hinnehmen. Sie macht nicht “gute Miene zum bösen Spiel”, sondern deckt es auf. Der Gewalt begegnet sie - statt mit Gegengewalt - mit Geist und Charakter.
Eine Passantin sieht, wie eine Frau belästigt wird - statt hilflos weg zu sehn, geht sie auf die Szene zu, begrüßt die Frau wie eine alte Bekannte und zieht sie in eine Kneipe - der Angreifer verdrückt sich verdutzt[17].
In den Schriften der “Arche[18], einer gewaltfreien südfranzösischen Lebensgemeinschaft, findet sich ein besonders eindrucksvolles Beispiel: Mitten unter der Folter besinnt sich eine Friedensaktivistin, die im Algerienkrieg verhaftet wurde, auf eine gewaltfreie Körperhaltung, die sie als “Arche-Bewohnerin gelernt hatte. Sie richtet sich auf, hebt den Kopf und wendet die Handflächen nach oben - eine Haltung, die ebenso Waffenlosigkeit und bewusstes Nichtangreifen signalisiert wie Standhaftigkeit. Aufrecht blickt sie ihrem Folterer in die Augen - und der wendet sich von ihr ab.
Aktiv gewaltfrei auch folgende Aktionen - auch gütekräftig?
Um ein geplantes Bleiwerk im elsässischen Marckolsheim zu verhindern, springt die Bevölkerung in die Bohrlöcher für die Einzäunung[19]... So wie Nonnen in den USA die Chefetage eines Rüstungskonzerns besetzten, besteigen Frauen im Hunsrück den hohen Baukran eines Atomraketenlagers[20]. “Vorige Woche sind wir zu den Trident-Atom-U-Booten hinübergeschwommen, haben ihnen einen völlig friedlichen Besuch abgestattet und dann ganz gewaltfrei den Bordcomputer dem Meer übergeben“[21]...
 


Nichtverletzend

Das konsequente Nichtverletzen, das Grundvoraussetzung von Gewaltfreiheit/Gütekraft ist, tritt aus dem Dilemma Gewalt-oder-Ohnmacht hinaus zu neuen Möglichkeiten.
Auf die nordbrasilianische Stadt Crateus zu wandern im März 1981 Tausende Hungernder wegen einer Dürrekatastrophe auf dem Land. Die Bevölkerung verriegelt aus Angst vor Überfällen Geschäfte und Haustüren, die Stadtverwaltung gründet ein “Komitee zur Verteidigung der Bürger“, bewaffnete Polizei beginnt die Hungernden mit Schüssen zu vertreiben. In dieser Situation beginnt ein engagierter Padre eine Fastenaktion - “Wir müssen den Hunger gerechter verteilen“ -, am zweiten Tag geben 500 Fastende Zettel aus mit dem Text “Offene Tür für Hungernde“, die nach und nach an tausenden Haustüren hängen. Die Lebensmittel werden geteilt, die Atmosphäre verändert sich völlig, die Waffen werden unnütz, am fünften Tag beginnt es zu regnen; schließlich stimmt die Regierung dem von den Betroffenen erarbeiteten Strukturprogramm zu, durch das sie Bewässerungsanlagen u.a. selbst errichten können....[22]
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Freiwillig
Solche Handlungen basieren auf bewusster und persönlicher Entscheidung, nicht auf Kommando. Sie entspringen einem eigenen Klärungs- und Entwicklungsprozess.
Besonders deutlich wird das bei Personengruppen, die sich sogar gegen ihren Vorteil zu einer Gewissensentscheidung durchringen: Aus Gewissensgründen kündigte 1960 der Leiter des Atomreaktors Geesthacht bei Hamburg mit seiner gesamten Belegschaft und legte den Reaktor einstweilig still[23].
Zur Zeit der Pershing-Stationierung schlossen sich selbst Bundeswehroffiziere und kritische Polizisten gegen die sogenannte “Nachrüstung“ zusammen (“Darmstädter Signal“ bzw. “Hamburger Signal“)[24], und Richter setzten sich in Mutlangen vor die Pershing-II-Atomraketen als “Juristen-Blockade“[25].
Australische Arbeiter verhinderten in der Kampagne “Green Ban durch organisierte Arbeitsverweigerung über 40 umweltzerstörende Großbauprojekte, unter anderem ein Atomkraftwerk bei Melbourne[26].


An die Wurzel gehend

Gütekraft zielt nicht auf den Effekt, sondern auf den Kern des Problems. Aus den Ursachen und der Frage nach der 'Nachricht des Konflikts'[27] ergeben sich die Lösungsmöglichkeiten.
Als Anfang der 50er Jahre kurz nach dem Koreakrieg der Einsatz der US-Atombombe gegen China erwogen wurde, ging der Internationale Versöhnungsbund den Hintergründen der Spannungen nach und erfuhr, dass in China eine Hungersnot war. Darauf initiierte er eine Aktion: über 45 000 Amerikaner schickten an ihre Regierung kleine Reissäckchen mit der Aufschrift: “Wenn Dein Feind hungert, gib ihm zu essen. Schicken Sie überschüssiges Getreide nach China”. Später wurde bekannt, dass die Aktion bei der Entscheidung unter Präsident Eisenhower den Ausschlag gegeben und einen Krieg mit China verhindert hatte[28]...


Vielfältig

Gütekraft, die von Gewalt befreien will, ist umfassend. Sie nimmt sichtbare und unsichtbare Gewalt in allen Bereichen wahr und hat deshalb vielfältige Konsequenzen, von Einzelnen bis zu Gruppen und Völkern, von Be- und Erziehung bis zur Lebensweise. Sie prägt sich in allen Teilen der Welt und allen Situationen immer anders aus:
von der kalifornischen Bevölkerung, die 1876 angreifende chinesische Kriegsdschunken so gastfreundlich empfing, dass sich die Krieger dort ansiedelten[29]... bis zu den Heilbronner BürgerInnen, die 1848 die einrückenden Regierungstruppen bewirteten und damit kampfunfähig machten, “trunken vor Feindesliebe“[30]...
und in unserer Zeit von den vier Bergarbeiterfrauen in Bolivien, die durch eine Fastenaktion die Freilassung ihrer Männer und hunderter weiterer politischer Gefangener erreichten[31] ... bis zu den Bewohnern Neu-Kaledoniens, die unbewaffnet auf die französischen Besatzungssoldaten zugingen, ihnen die Gewehre abnahmen und sie zerbrachen[32] ... von den südfranzösischen Schafen, die als Protest gegen ein Militärgelände auf ihrem Weideland plötzlich unter dem Pariser Eiffelturm weideten[33] ... bis zu der Kampagne “Saat des Friedens“, in der 15000 Gemüsesamensendungen für Menschen im Bosnienkrieg beim deutschen Außenministerium eingingen und einen Vorschlagskatalog zur Kriegsbeendigung unübersehbar machten[34]...von den unsichtbaren Widerstandsgemeinden im Dschungel Guatemalas, die unter ständiger Bedrohung durch die Armee überleben durch “den Wind des Geistes, den Überlebens-Instinkt und schmerzlich erlernte Taktik“[35]... bis zu dem spektakulären Foto von australischen Umweltschützer/innen, die sich vor den Baggern der Regenwaldabholzung bis zum Hals stehend in Erde eingraben ließen[36]...
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Prozessorientiert
Gütekraft ist kein Patent und kein Rezept mit Garantie. Sie ist ein lebendiger Prozess. Das Problem wird nicht wegbegütigt, sondern mit dem Konflikt auf Entwicklung hingearbeitet.
Danaan Parry berichtet in seinem Buch “Krieger des Herzens“, wie er in einer pakistanischen Bergstadt verfeindete Volksgruppen verschiedener Religionen zusammenbrachte, nachdem viel Blut vergossen worden war: “Wir erforschten die Möglichkeit eines 'gemeinsamen Nenners'... (eines Werts oder Bedürfnisses)... schufen eine Sicherheitszone... lehrten sie aktives Zuhören und ließen sie es praktizieren... Die Magie bestand darin, dass sie ihr Leid teilten:... 'Dass ihr meinen Bruder umgebracht habt, tut mir so weh'... 'Mein Leben kennt nur Trauer'... Als sie einander zuhören konnten, erfuhren sie, dass sie alle trauerten. In dieser Dunkelheit und Verzweiflung gab es keine 'anderen' mehr, nur verletzte Menschen auf der Suche nach Heilung... Schließlich lag ein Christ im Schoß eines Moslem, ein Moslem wurde von einem Christen gewiegt, ein alter Mann und ein Junge, früher Feinde, starrten sich gegenseitig in die Augen und sahen sich selbst...[37]


Verändernd

Gütekraft verändert das Gefälle zwischen oben und unten, die Grenzen zwischen gut und böse und die Fronten zwischen Freund und Feind. Sie wirkt gestaltend auf die Situation ein, hebt den Konflikt auf eine andere Ebene und löst die Täter-Opfer-Konstellation auf. ”Wir wollen die Opfer davor bewahren, Opfer zu werden. - Wir wollen die Täter davor bewahren, Täter zu werden.” (Césare Chavez)[38]
Eine Frau merkt im nächtlichen Berlin, wie ihr eine dunkle Gestalt folgt. Beherzt dreht sie sich herum: “Würden Sie mich bitte begleiten, damit mir nichts passiert? Der verblüffte Fremde wird zum Gentleman...[39]
Ein farbiger Sänger widersetzt sich der Misshandlung durch vier weiße Polizisten nicht, sondern wendet im Gebet “Gedankenkraft an, dass der Geist der Gütekraft durch ihn auf die Angreifer überspringen möge - plötzlich lässt der Weiße den Arm, mit dem er bereits die Pistole auf ihn gerichtet hatte, mit verwundertem Gesichtsausdruck sinken...[40] In einem schwelenden Streit zwischen randalierenden Jugendlichen, erbosten Anwohnern und hilfloser Polizei in einem Freiburger Stadtteil laden KonflikthelferInnen alle Seiten an einen gemeinsamen Runden Tisch und ermöglichen durch gegenseitiges Sichanhören und fairen Austausch eine spürbare Verbesserung der Beziehungen...[41]
Entfeindung wurde jedoch auch schon in größerem Stil organisiert:
- in gemeinsamen Siedlungsprojekten z.B. von Schwarzen und Weißen in Südafrika (“Broken Wall Community“), von jüdischer und palästinensischer Jugend in Israel (“Neve Shalom“ mit Friedensschule und Begegnungsprogramm) und von türkischen und griechischen Jugendlichen, die kurz vor der türkischen Invasion 1974 als Gegner begannen, zerstörte Häuser gemeinsam wieder aufzubauen.[42]
- als politische Aktionwie z.B. die Kampagne “Privater Friedensvertrag“ während der Ost-West-Feindschaft oder die “Vertrauensgruppen“, die in elf sowjetischen Großstädten mit Ideenwettbewerben an einer Verständigung zwischen den Menschen beider Machtblöcke arbeiteten.[43]
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- als Beziehungsaufbau zum Feindbildabbau: von dem Projekt “One by one“, in dem Nachkommen von NS-Tätern und -Opfern im Gespräch ihre Belastungen gegenseitig verstehen lernen und Altlasten abbauen[44] bis zur “Romeo und Julia“-Aufführung von linken Punks zusammen mit rechten Skins oder dem internationalen Kinderzirkus “Trau Dich“.[45]


Selbstbestimmt

Von ihren Anfängen her basiert Gewaltfreiheit auf Selbstbestimmung, Unabhängigkeit und “Graswurzeldemokratie“[46]. Entscheidungen werden durch die Betroffenen selbst - von unten nach oben - erarbeitet. Das Konsensverfahren übt herrschaftslose Entscheidungsfindung ein47], den “Umschlag von Gefolgschaft in Gemeinschaft“.[48]
Gandhi arbeitete nicht nur auf die Unabhängigkeit Indiens von der englischen Kolonialherrschaft hin, sondern auch auf den Abbau des Kastenwesens und die Gleichstellung und Aufwertung der “Unberührbaren“, ebenso auf “Swadeshi: wirtschaftliche Unabhängigkeit, eine Wirtschaftsform, die ohne Ausbeutung und Zwang zu existieren vermag[49].
Moderne Beispiele: 99 junge Leute befreiten 1951/2 die Insel Helgoland, seit dem Zweiten Weltkrieg Übungsgebiet für englische Bombenabwürfe, durch eine Inselbesetzung[50]. - Norweger luden ihre Regierung vor ein selbstgeschaffenes “Umweltgericht[51]. - Brief von einer “Wurzelkonferenz statt Gipfelkonferenz” vor dem Tor des Mutlanger Raketenlagers an den Verteidigungsminister: “Wir möchten Sie davon in Kenntnis setzen, dass wir begonnen haben, Teile Ihres Ressorts zu übernehmen. Da Sie es versäumen, entwickeln wir zivile Sicherheitskonzepte[52].


Wahrhaftig

“Festhalten an der Wahrheit” ist “Satyagraha” oft übersetzt worden. So wie Gewalt und Krieg fast immer mit Lüge liiert sind, ist die Wahrheit der Kern der Gütekraft - “die Wahrheiten”, betonte Robert Jungk die Mehrzahl. Eigene Aufrichtigkeit muss also die Achtung vor der Wahrheit der anderen einschließen. Mehr noch: Offenheit für die weitere Schicht der Wahrheit, die der Konflikt freilegen kann.
Gütekraft ist keine Masche zur Manipulation, sondern Vertrauen, dass Wahrhaftigkeit für sich spricht, und Öffnung, durch die der Wahrheitskern zum Durchbruch kommen kann.
Bei der Internationalen Bodenseemesse in Lindau stellte auch die Chemiefirma aus, durch deren Produkte die Bodenseetiere vernichtet wurden. Man erwartete Zoff von militanten Umweltschützern. Doch die legten nur still und ernst eine sterbende Schleiereule auf den Ausstellungstisch - die Chemiemanager wurden betroffen und nachdenklich.[53]


Gerecht

“Gütekraft” ist nur echt, wenn sie für eine gerechte Sache eingesetzt wird - z.B. die Menschenrechte -, nicht für eine krumme Tour, einseitigen Vorteil oder Selbst-gerechtigkeit.
Negativbeispiel: Angeregt durch die gewaltfreien Aktionen der Friedensbewegung, veranstalteten Rechtsgerichtete am 17. Juni 1983 einen “konservativen Tag - mit Blumensträußen besuchten sie ausländische Familien in Berlin-Kreuzberg, um ihnen “verblümt zu sagen, dass sie hier unerwünscht seien. 
Das Gegenbeispiel: Daraufhin formierten sich 20000 Menschen zu einer Kundgebung gegen den “Konserventag“ und für das Recht von Flüchtlingsfamilien auf Schutz vor Krieg und Verfolgung - viele deutsche Frauen trugen als Symbol der Solidarität “türkische“ Kopftücher[54]. Historisches Vorbild: als Solidaritätsaktion mit den verfolgten Juden hefteten sich in Holland während der deutschen NS-Besatzung auch viele Nichtjuden den Judenstern als “Ehrenabzeichen” an...[55]


Offensiv

“Nur sanft sein heißt nie gut sein.“ (Ernst Bloch)[56]. “Gewaltlosigkeit in ihrer edelsten und legitimsten Form ist aggressiv. Der Gewaltlose durchdenkt seinen Angriff im Voraus. Er wählt Straße, Schiff oder Eisenbahn, um sich an den Ort zu begeben, wo das Unrecht geschieht, um dort sein Zeugnis abzulegen, seinen Protest zu erheben, um einen Zwischenfall zu verursachen oder einen Skandal auszulösen.” (Lanza del Vasto)[57]
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Als in Nicaragua eine US-Invasion befürchtet wurde, begaben sich tausende internationale, vor allem amerikanische Friedenskämpfer dorthin, lebten als ständige Präsenz in den grenznahen Dörfern und kündigten an, sich in der Aktion “Witness for peace” im Fall einer Invasion als “lebende Mauer aus unbewaffneten Menschen entgegenzustellen. Über 500 000 Amerikaner unterzeichneten eine Selbstverpflichtung, gleichzeitig in den USA mit Aktionen Zivilen Ungehorsams (z.B. Besetzung von Parteibüros) “gewaltfrei mobil zu machen”. Eine Invasion ist nicht erfolgt.[58]
Zu Beginn des Golfkriegs schlugen 1991 Peace Teams zwischen den Fronten ein Friedenscamp auf.[59]
Peace Brigades International begleiten in Diktaturen gefährdete Menschen und schützen sie damit bei Menschenrechtsaktionen.[60]


Kreativ

Die Geschichte der Gewaltfreiheit und der Gütekraft ist farbig voll pfiffig-origineller Fantasie - Artenvielfalt der Ideen. 
Als in der damaligen “DDR” das Tragen des Friedenssymbols “Schwerter zu Pflugscharen” verboten wurde, schnitten die Leute die Aufnäher aus den Ärmeln heraus und trugen das Loch als Friedenszeichen...[61]
Ein Allgäuer Bach, der zwangskanalisiert werden sollte, verlegte plötzlich sein Bachbett...[62]
Die holländische Gruppe “Onkruit“ (“Unkraut“) befreite geheime Rüstungspläne aus dem Regierungspanzerschrank und ließ sie durch das Fenster in die Öffentlichkeit wirbeln...[63]
Kulturelle Aktionen und Methoden sind nicht nur Farbe, sondern oft auch Rückgrat des Gütekraftkampfs - Kultur als Befreiung, zur Bewahrung der Identität und Menschlichkeit, als Aktion oder Umwandlungsprozess: von den Freiheitsliedern in Diktaturen bis zu den Überlebensschulen indigener Völker[64], vom “Theater der Unterdrückten“[65] bis zum Drahlseilzirkus vor dem Castor-Atommülltransport[66] oder zu Satiren wie den “Bettlern für Banker“, die während des Weltwirtschaftsgipfels für die “armen Bankiers sammelten, damit die nicht mehr die Dritte Welt ausnehmen müssen“[67]... vom klassischen Konzert bei “Lebenslaute“-Blockaden ... bis zum Pfeifen im Walzertakt, das Militärparaden aus dem Gleichschritt brachte[68]...
 
Konstruktiv
Gütekraft ist lösungsorientiert. “Wahrheit muss sich in einem positiven, konstruktiven Programm vergegenständlichen“[69]. “Die konstruktive Arbeit schafft überhaupt erst die Basis für den Widerstand“[70]
Gandhis “Konstruktives Programm“ mit Spinnrad und Salzkörnern des Salzmarschs als sichtbaren Symbolen...[71]
Die 150 nichtmilitärischen Produkte, die Arbeiter zur Umstellung der englischen Rüstungsfirma “Lucas Aerospace erfanden...[72]
Die Frühbeet-Fenster, aus denen ein Handwerker im Widerstand gegen das AKW Wyhl eine frühe Solaranlage bastelte...[73]
Die “Ethik Investment Funds, die nur bei Firmen ohne Rüstung, ohne Umweltzerstörung oder Ausbeutung investieren...[74]
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Die “Balkan Peace Teams, die im ehemaligen Jugoslawien in Modellprojekten den schwierigen Prozess friedlichen Zusammenlebens fördern...[75]
Verfahren wie “Mediation“ zur konstruktiven Konfliktarbeit...[76]
Konzepte wie “Soziale Verteidigung”[77],
Projekte wie “Ziviler Friedensdienst”[78],
Kampagnen wie “Fünf für Frieden”[79] zum Aufbau ernstzunehmender Alternativen zu Militär und Krieg...
 


Langmutig

Obwohl sie frühzeitig ansetzen soll und spontan geistesgegenwärtig und überraschend sein kann - braucht die Gütekraft doch auch den Langen Atem, die “brennende Geduld” (Pablo Neruda), um sich nach so vielen Jahrtausenden der Gewalt durchzusetzen.
Nach zwölf Jahren Widerstand in Wyhl wurde das Atomkraftwerk verhindert[80]. Zwölf Jahre brauchten auch die Schafzüchter auf dem Larzac, bis der Plan für den Ausbau des Militärgeländes gestoppt war[81]. Nach 15 Jahren hatte der Protest gegen den umweltzerstörenden “Grand Canal in Frankreich Erfolg, und der Schnelle Brüter “Superphénix” wurde nach rund zwei Jahrzehnten Widerstand abgeschaltet[82]. Die Bewohner dreier kleiner Dörfer im schwedischen Kynnefjäll halten seit 1980 eine Dauermahnwache gegen Probebohrungen für Atomanlagen durch - “und sie werden niemals aufgeben“[83]. Firmeza permanente nannten es die Arbeiter der Zementfabrik von Perus (Sao Paulo), die nach 7-jährigem Streik ihre Rechte durchsetzten[84]: beharrliche Standhaftigkeit.
Die Kraft, die der Gewalt widersteht, ist erst am Anfang ihrer Möglichkeiten. Ein atemraubend lebendiges Experiment, in dem wir alle Anfänger sind. Es gibt keine Gütekraftprotze. 
Gütekraftschöpfen braucht die praktische, die geistige und die psychische Ebene. Seine Außenseite sind die Haltung, die Handlungsweise, Aktion und Interaktion, Kommunikation und Lebensweise. Sein Kern ist der innere Prozess, die Innenarbeit jedes/r Einzelnen.
Von hier aus kristallisiert sich die “Wahrheit als Übereinstimmung von innen und außen“[85]. Und die Begegnung als “Kontakt von Kern zu Kern“, der “direkt nur in das fremde Beste hinübertrifft“[86]. Die überzeugendste Form des Nein zum Unzumutbaren ist das JA zu den reiferen Möglichkeiten[87].


Aus der Nähe betrachtet

Hinter jedem der Beispiele, die einführend in Kurzform skizziert wurden, stehen die Erfahrungen, das Erleben, die Schicksale zahlreicher Menschen, die sie am eigenen Leib erfahren haben. Eingehendere Schilderungen der Situationen und Veränderungen machen die eigenartige Wirksamkeit von Gütekraft eigentlich erst nachvollziehbar. Deshalb folgen hier auf den ersten Überblick 'en gros' drei Beispiele 'en detail':
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Eine Erfahrung mit Satyagraha / Gütekraft bei MIR SADA
Im August 1993 wollten rund dreitausend Menschen als Friedenskarawane “Mir Sada“ (“Friedenssaat”) den Bosnienkrieg stoppen. Dass auch eine gewaltfreie Aktion, die ihr Ziel nicht erreicht[88], positive Wirkungen haben kann, vermittelt der folgende Bericht von Dieter Hemminger:
“Am Checkpoint Podorje, 10 km von Mostar entfernt, hieß es nach stundenlangen Verhandlungen mit dem zuständigen Polizeikommissar: 10 Busse mit insgesamt 500 Personen dürfen für eine Stunde bis zum Stadtrand Mostar fahren. Die anderen ca. 1000 mussten zurückbleiben. Ich schloss mich einer etwa 200 Personen großen Gruppe an, die unter der Anleitung von dem Inspirator der italienischen Initiative, Don Albina, stand. Direkt am Checkpoint auf einer staubig-ausgetrockneten Wiese, bereiteten wir uns auf eine Schweigekette vor. Sie sollte entlang der stark, vor allem mit Militärfahrzeugen, befahrenen Straße in Richtung Mostar entstehen.
Wenig später standen wir schweigend nebeneinander, in brütender Mittagshitze als 300 Meter lange Menschenkette entlang der Straße. Je ein Fahnenträger markierte den Anfang und den Schluss der Kette. Jeder war auf sich selber gestellt. Zwar als Glied einer Kette, aber allein mit seinen Gedanken. Noch nach 6 Jahren ist mir diese Stunde in sehr lebhafter Erinnerung. Fast protokollarisch kann ich alles aufzeichnen.
Zuerst überkam mich eine große existenzielle Angst. Was ist mit meinen 4 Kindern, die zwar alle erwachsen sind, aber ais Studenten noch von mir ökonomisch abhängig waren, wenn ich hier nicht mehr lebend weg komme. Diese Angst wurde geschürt, weil einige wahnsinnig schnell an uns vorbeirasende Pkw-­Fahrer, immer wieder auf uns zusteuerten und wir uns nur durch kühne Sprunge in den Straßengraben vor dem Überfahrenwerden retten konnten. Immer wieder trieben Jugendliche, in zum Teil gestohlenen Autos, mit uns dieses oft lebensgefährliche Spiel.
Dabei fiel mir ein Kontrast auf, der mir vorher nie so bewusst war: Physisch waren die im Auto Sitzenden uns haushoch überlegen. Sie hatten wenigstens eine ‘schützende’ Karosserie um sich herum und die vorbeifahrenden Soldaten sogar gepanzerte Fahrzeuge. Und wir standen nur mit unseren bloßen, ungeschützten Körpern da.
Doch wenig später verspürte ich in mir eine tiefe Ruhe, ja. Gelassenheit. Ich wusste mich auf einmal so stark von Gott beschützt, dass sich fast eine euphorische Sicherheit in mir breit machte. Obwohl wir konsequent schwiegen, reichten Blickkontakte zu den Nebenstehenden, um sich zu versichern, wir gehören zusammen, wir helfen uns bei Gefahr. Seither weiß ich: Ees gibt die Kraft der Gewaltlosigkeit, diese nicht rational begründbare und auch nicht analytisch nachprüfbare Gütekraft. Sie ist erlebbar.
Der Fortgang damals am 9. August 1993 am Checkpoint Podorje bescherte mir noch eine weitere Erfahrung, nämlich: Die innere Haltung der Gewaltfreiheit kann sich auf andere übertragen:
Auf einmal wurde das Schweigen unterbrochen. Durch die Menschenkette ging die Information: ‘Wir dürfen nach Mostar gehen! - Wie? - Schweigend miteinander gehend, ohne Polizeischutz.’
So liefen wir los. Von dem Bergrücken hörten wir dumpfe Donnerschlage von schweren Geschützen. Die ersten 2-4 km waren alle Häuser entlang der Straße zerstört. Der Tod war greifbar nahe.

Im ersten Dorf nur ablehnende, distanziert uns beobachtende, Bevölkerung. In den zwei Dorfkneipen grölende und verächtlich lachende, mit ihren Gewehren spielende Soldaten. Und dennoch in mir die immer noch anhaltende Gewissheit: Die können uns nichts antun, auch wenn die Gewehre geladen sind. Und es gab keine Schießerei. 

Schon im nächsten Dorf änderte sich die Situation: Von den Bewohnern wurden uns Getränke und Obst angeboten. Wie herzerfrischend war der erste kühlende Schluck Wasser. Und der mir zugeworfene Apfel kam mir vor wie eine Liebeserklärung: ‘Ich will dich auf deinem Weg unterstützen!’

Und dann geschah ein kleines Wunder: Vier Soldaten gaben ihre Gewehre den Kollegen und reihten sich in unsere Menschenkette ein. Sie liefen direkt vor mir. Zuerst sah es wie ein Scherz aus. Sie unterhielten sich auch lautstark miteinander, und die Bevölkerung klatschte Beifall. Aber als sie am Ende des Dorfes immer noch dabeiblieben und auch allmählich schweigend mitliefen, merkte ich: Die meinen es ernst.

Nach Mostar sind wir an diesem Tage nicht mehr gekommen. Ein wohltuend erfrischender Gewitterplatzregen verwandelte kurz die Straße in einen Fluss und wenig später kamen unsere Freunde mit den Bussen aus Mostar zurück. Fast wie selbstverständlich wurden die Platze gewechselt. Wir durften mit den Bussen an den Checkpoint zurückfahren und die Mostarfahrer liefen die ca. 6 km zu Fuß zurück. 

Diese Erfahrungen empfinde ich auch noch heute als ein Beispiel für die Kraft einer gewagten Satjagraha.Sie kann so stark sein, dass durch sie sogar einzelne Soldaten von ihrem tötensollenden Handeln Abstand nehmen können.

Bestimmt ist das nicht als Rezept zu verstehen. Gandhi und M. L. King haben ihren Leuten immer gesagt: Ihr müsst damit rechnen, dass ihr nicht mehr lebend zurückkommt. Das Risiko bleibt. Aber wir brauchen uns bei keiner gewaltfreien Aktion freiwillig zu Märtyrern machen zu lassen.” (aufgeschrieben im Januar 1999)

Zweites Beispiel: Das Gewissen des Wachmannes[89]

Die folgende Begebenheit ereignete sich in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges in einem Gefangenenlager. 


Das Leben der Gefangenen war hart. Sie hatten Hunger und litten unter der Kälte und den Anstrengungen der Zwangsarbeit. Abends kehrten sie in ihre Baracken zurück. Ein Wachmann erwartete sie, um mit ihnen seine Scherze zu treiben, die allerdings nur ihm allein Vergnügen bereiteten. Er zog den einen an der Nase und gab einem anderen einen Tritt in den Bauch. Jeder fragte sich, wer wohl heute an der Reihe sei. Eines Abends aber kam einer der Gefangenen von selber zu ihm und sagte: "Da Sie jeden Tag jemand schlagen müssen, möchte ich Sie bitten, heute mit mir vorlieb zu nehmen." "Nanu, kleines Französchen! Weil Du so frech bist, rate mal, wie oft ich Dir mit meiner Reitpeitsche auf den ..." "Es ist nicht meine Sache zu bestimmen, wieviele Schläge ich verdient habe. Ich überlasse das Ihrem Gewissen." "Meinem Gewissen, meinem Gewissen? Ich habe kein Gewissen!" "Doch!", sagte nach einer kleinen Pause der Gefangene. "Doch, Sie haben ein Gewissen. Ihr Zögern beweist, dass Sie ein Gewissen haben, denn Sie haben mich noch immer nicht geschlagen." Und indem er sich anschickte weiterzugehen, fügte er noch hinzu: "Ich glaube sogar, dass Sie mich heute Abend nicht mehr schlagen werden." Dann wandte er sich um und ging. Der andere starrte betroffen vor sich auf den Boden, blass, mit Tränen in den Augen und mit zitternden Lippen. Nie zuvor hatte jemand zu diesem Unglücklichen von seinem Gewissen gesprochen. Vielleicht war das die Ursache seiner Rohheit. Nach diesem Tag wurde kein Gefangener mehr von ihm geschlagen.[90]

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Drittes Beispiel: Von “Freebrook“ bis Kaliningrad
Im Lauf der Jahrzehnte entwickelte sich aus einzelnen Erfahrungsfeldern in internationaler Ausbreitung zunehmend planvolle Organisation. Dafür abschließend zwei Beispiele, in denen Gütekraft nicht primär in der persönlichen Begegnung in Erscheinung tritt, sondern im Widerstand gegen Zerstörungsmacht.
Bis zur Mitte der 70er Jahre war die Atomenergie für die technikgläubige amerikanische Öffentlichkeit kein Thema; über 260 AKWs waren in Betrieb oder im Bau, bis zum Jahr 2000 sollten es 1000 sein. Jahrelange juristische Einsprüche, Aufklärungsarbeit, Volksbefragungen, dann eine Messturm-Besetzung auf dem Bauplatz des geplanten Atomkraftwerks bei Seabrook, New Hampshire. Der Wyhl-Film “Lieber heute aktiv als morgen radioaktiv“ ermutigte zu einer Platzbesetzung. Doch es kamen nur 18 Aktivisten. Da beschlossen sie, es innerhalb einer Woche je zehn Bekannten weiterzusagen. Das nächste Mal waren es tatsächlich 180 PlatzbesetzerInnen. Die ansteigende Aktion wurde zum System - beim dritten Mal forsteten über 1000 TeilnehmerInnen mit kleinen Bäumen auf. Bei einer Massenbesetzung 1977 entstand dann ein Anti-Atom-Dorf “Freebrook“ - und von über 1800 AktivistInnen wurden 1414 verhaftet. Zwei Wochen lang in Waffenlager eingesperrt, wandelten sie auch dies in eine Besetzungsaktion um: Indem die Entlassenen sich weigerten zu gehen, ehe nicht alle freigelassen wurden. Auf einen Schlag kam die Atomproblematik in die Massenmedien.
Damit eine solche Massenaktion gewaltfrei bleiben konnte, wurde eine Strategie erarbeitet aus Erfahrungen und Methoden der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, der Quäker, der spanischen Anarchisten, des Wyhl-Widerstands und gewaltfreier Trainings-Kollektive: die Aufteilung in kleine Vertrauensgruppen, Vorbereitung in Trainings und Entscheidungsfindung im Konsensverfahren.
Diese Methoden wurden dann in Gorleben, Großengstingen und im Anti-Raketen-Widerstand in Mutlangen und im Hunsrück zugrundegelegt und weiterentwickelt und ?verbreitet. Obwohl die “Helden“ von Seabrook zunächst “niedergeschlagen, mit hängenden Köpfen und entmutigt“ waren, weil das AKW doch gebaut wurde, war der scheinbare Misserfolg nur eine Phase in vielen Schritten zum endgültigen Erfolg[91]: Im Anschluss bildeten sich in den USA Hunderte neuer Aktionsgruppen, der Widerstand breitete sich über das ganze Land aus bis hin zu einer Blockade der Wallstreet-Börse. Rund 80 % der Bevölkerung lehnten schließlich Atomkraftwerke ab, seit 1978 wurde kein neues AKW mehr gebaut, mehr als hundert geplante storniert, viele sogar mitten im Bau gestoppt, so dass die Gesamtziffer um mehr als die Hälfte sank. 123 AKWs blieben 1987 von dem geplanten Atomprogramm von 1000 AKWs übrig - und auch dies Auslaufmodelle.[92]
 
Das Staunen holt das Wissen immer wieder ein - zu diesem Beispiel gibt es ein überraschendes Gegenstück:
In der Sowjetunion entwickelte sich aus den ersten Anti-Atom-Gruppen nach Tschernobyl “eine mächtige Massenbewegung, die Millionen von Menschen in Demonstrationen und Protest gegen Atomkraft verband...“. Sie organisierte z.B. in Kostroma ein lokales Referendum über ein geplantes AKW, das trotz massiver Propaganda der Atomlobby (für einige 100 000 Dollar) 87,4 % 
Gegenstimmen ergab. Eine Kampagne von ECODEFENSE-Aktiven bewirkte, dass am 30. Juli 1996 ein mit radioaktivem Material (Uranium-Hexafluorid) beladenes Schiff nicht im Hafen von Kaliningrad anlegen durfte und nach zwei Wochen umdrehen musste; danach arbeitet sie an örtlichen Gesetzen gegen Atomtransporte. “Die Atomindustrie sieht sich heute einem starken Team professioneller Kampaigner gegenüber, die erfolgreich auf internationaler, nationaler und regionaler Ebene aktiv sind. Statistiken zufolge wurden zwischen 1988 und 1992 weit über 100 zur Atomindustrie gehörende Bau- bzw. Entwicklungsstandorte geschlossen ... und gegenwärtig sind keine neuen Atomkraftwerke mehr im Bau.... Die Anti-Atom-Bewegung hat eines ihrer grundsätzlichen Ziele erreicht - mit Erfolg wurde die Weiterentwicklung der Atomindustrie in der ehemaligen UdSSR gestoppt. Das zweite Ziel ist die Abschaltung aller noch in Betrieb befindlichen Atomanlagen.“ “Über dieses Engagement hinaus stellen die Anti-Atom-Gruppen einen bedeutenden Bestandteil einer demokratischen Gesellschaft dar... die in Russland in stetigem Aufbau begriffen ist.“[93]
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[1] Sider/Taylor “Nuclear Holocaust and Christian Hope“, Downers Grove, Ill.: 1982, S. 25: “Gewaltlose Generalstreiks haben mindestens sieben lateinamerikanische Diktatoren gestürzt: Carlos Ibanez del Campo in Chile (1931), Gerardo Machado y Morales in Cuba (1933), Jorge Ubico in Guatemala (1944), Elie Lescot auf Haiti (1946), Arnulfo Arias in Panama (1951), Paul Magliore auf Haiti (1956), Gustavo Rojas Pinilla in Kolumbien (1957)”. Gewaltfrei gestürzt wurden auch 1944 die Diktatur in El Salvador (Gernot Jochheim “Die gewaltfreie Aktion“,Hamburg 1984, S. 222 ff), 1979 im Iran (ebd. S. 225 und Daniel Ellsberg “Entwaffnen durch Verbreiten der Wahrheit“, Die Grünen, Bonn 1982, S. 27) und 1986 auf den Philippinen (DER SPIEGEL Nr. 10/1986 S. 5: “Wunderrevolution”. Vor und nach 1986 Berichte von Hildegard Goss-Mayr in der Zeitschrift Gewaltfreie Aktion). - Durch Generalstreik und Zivilcourage der Beamten wurde der Militärputsch von Kapp und Lüttwitz gegen die Weimarer Republik vom März 1920 innerhalb von vier Tagen abgewehrt; vgl. Johannes Erger, Der Kapp-Lüttwitz Putsch, Düsseldorf 1967. - Dem Sturz der DDR-Regierung und Fall der Berliner Mauer im Herbst 1989 gingen jahrzehntelange Arbeit oppositioneller Gruppen, zunehmende Mahnwachen, Fastenaktionen, “Informations-Gottesdienste“, Massenflucht, Runde Tische und “Montagsdemos“ von Hunderttausenden voraus. s. Charles Schüdekopf Hrsg. “Wir sind das Volk!“ Flugschriften, Aufrufe und Texte zu einer deutschen Revolution”, Reinbek 1990; vgl. auch Erhart Neubert “Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989”, Berlin 1997 
[2] Generalstreiks sind u.a. zur Verhinderung von Kriegen ausgerufen worden, so etwa 1917 in Argentinien. Die Drohung mit einem Generalstreik reichte aus, um Lloyd George 1920 davon abzubringen, den Russen den Krieg zu erklären.“ (April Carter “Direkte Aktion. Leitfaden für den Gewaltfreien Widerstand“, Reihe Konstruktiv, Berlin 1981, S. 54). - Der Widerstand gegen den Vietnamkrieg, z.B. die Desertion von 100 000 US-Soldaten 1970, hat die USA “tatsächlich gezwungen, aus Vietnam abzuziehen“ (Ellsberg, a.a.O.) und die Dauer des Kriegs um fünf Jahre verkürzt“ (Harald Kater “Widerstand in der US-Armee. GI-Bewegung in den 70er Jahren“,Berlin 1985). 
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[3] u.a. Jochheim a.a.O. S. 157 ff 
[4] 150 gewaltfreie Ereignisse des Zwanzigsten Jahrhunderts in Arbeitsmappe “Weltkarte der Hoffnung“, Wortwerkstatt Poesie & Politik, Freiburg 1999. Zahlreiche Beispiele veröffentlichte die Zeitschrift “Graswurzelrevolution“ seit ihrem ersten Erscheinen 1972. Fundgruben sind auch: Archiv Aktiv (Sternschanze 1, 20357 Hamburg); Verlag Weber, Zucht & Co (Steinbruchweg 14. 34123 Kassel-Bettenhausen); Verein für Friedenspädagogik (Bachgasse 22, 72070 Tübingen), z.B. Günther Gugel “Wir werden nicht weichen“ Tübingen 1986; Fry (s. Anm. 10) sowie: “Stone soup for the world. Life-changing stories of kindness an courageuos acts of service”, collected by Marianne Larned, Berkeley, California 1998 
[5] “Journey through a wall. A Quaker mission to a divided Germany“, American Friends Committee, Philadelphia 1963 
[6] “Konstruktiver Katalog“ I u. II mit über 400 gewaltfreien Aktionen, Birgit Berg Hrsg. 1982, 1983 
[7] Aktion des holländischen Soziologen Wam Kat, dessen tägliches Internet-Tagebuch aus dem Kriegsgebiet die Projekte “Suncocret“ und “Balkan Sunflowers“ bekanntmachte: internationale Freiwillige lindern die Flüchtlingskrise im Balkan und helfen bei Wiederaufbau und Versöhnung (Postfach 1219, D-14806 Belzig) 
[8] Hildegard Goss-Mayr “Geschenk der Armen an die Reichen“Wien 1979, S. 113-119 
[9] George Lakey “Non violent action. How it works“ Pendle Hill Pamphlet 129, Wallingford Pennsylvania 1963, S. 9 
[10] A. Ruth Fry “Victories Without Violence“ Liberty Literary Works, Ocean Tree books, Santa Fe 1986 S. S.18 
[11] ebd. S. 19 
[12] Dorf Tresnjevac / Oromhegyes seit Mai 1992, “Aktiv Gewaltfrei“, Mitteilungen der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden, 4/94 
[13] Wolfgang Sternstein “Abrüstung von unten. Die Pflugscharbewegung in den USA und in Europa“ Stuttgart 1986; und: EUCOMmunity, Ohne Rüstung Leben (Hg.) “Die EUCOMmunity. Initiative für eine atomwaffenfreie Welt. Eine Dokumentation” Stuttgart 1997 (Adr. s. Anm. 75) 
[14] Fry a.a.O. S. 43 
[15] “Le Progrès“ Saone-et-Loire v. 28.8.1999 
[16] Bühler-Stysch/Menzel Hrsg. “Im Namen des Volkes? FriedenstäterInnen im Gefängnis“Kassel 1988; Berg “Gericht und Gewissen“ Wortwerkstatt, Mutlangen/Simmern 1987. - Dokumentationen vieler Pershing-Prozesse: Komitee für Grundrechte und Demokratie e.V., Aquinostr. 7-11, 50670 Köln, und Carl-Kabat-Haus, Mutlangen 
[17] “Lichtblick als Souvenir“ Internationaler Versöhnungsbund Schweiz, St. Gallen 1994, S. 12 nach Frankfurter Rundschau v. 18.11. 92 
[18] Arche-Rundbrief, Bezug: Britta Lauber, Birkenstr. 25, 84032 Landshut 
[19] Film “S'Weschpenäscht. Der Widerstand gegen das AKW in Wyhl“ Medienwerkstatt, Freiburg 1982 
[20] “Frauenwiderstand im Hunsrück. Frauengeschichte(n) 1983-1985“ Selbstverlag Frauenwiderstand, Frankfurt 1985, Titelseite 
[21] Trident-Pflugschar-Bewegung Schottland, mündlicher Bericht von Dirk Grützmacher im Workshop “Bomben zu Pflugscharen“ der Wortwerkstatt auf dem 28. Dt. Evang. Kirchentag Stuttgart, 18. Juni 1999 
[22] “Konstruktiver Katalog I“ s. Anm. 6, nach einem Bericht von Hildegard Goss-Mayr 
[23] Ernst Jäckel “Tödlicher als die Bombe. Atomkraft kostet Lebenskraft“ München 1969, S. 116 
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[24] “Darmstädter Signal“: K.Gerosa Hrsg. “Grosse Schritte wagen“ München 1984, S. 119 f. “Hamburger Signal“: “...gewaltfrei widerstehen - gewaltfreie Aktionen in Pax Christi“, Frankfurt 2-3/1988, S. 63 ff 
[25] Richterblockade am 12.1.1987; Nick/Scheub/Then “Mutlangen 1983-87 - die Stationierung der Pershing II und die Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur Abrüstung“ Mutlangen 1993, S. 154, 209 
[26] Jochheim a.a.O. S. 157 ff 
[27] Berg “Thesen zu Gewalt und Gewaltfreiheit“ und “Vom Sinn des Konflikts“, Denk-zettel, Wortwerkstatt Poesie & Politik, Freiburg 1992 
[28] Interview mit Alfred Hassler in “Fellowship magazine“ Sept. 1947, Fellowship of Reconciliation, Box 271, Nyack, N.Y. 10960 
[29] Fry, a.a.O. S. 85 
[30] Carola Lipp Hrsg. “Schimpfende Weiber und patriotische Jungfrauen. Frauen im Vormärz und in der Revolution 1848/49“ Moos/Baden-Baden 1986, S. 145; Zitat: Berg “Utopie-Lied“ Wortwerkstatt Freiburg 1988 
[31] Goss-Mayr “Geschenk...” a.a.O. S. 123-126 
[32] Arche-Rundbrief a.a.O. 
[33] Burmeister/Tonnätt “Zu kämpfen allein schon ist richtig: Larzac“ Frankfurt/M 1981; W. Hertle “Larzac 1971-81“ Kassel 1982 
[34] Info auch über weitere Kampagnenschritte: Dieter Hemminger, Turnstr. 13, 75228 Ispringen 
[35] Javier Gurriarán “Nie hatten die Berge in Guatemala so viele Wege“ Informationsstelle Guatemala e.V., Bonn 1990 
[36] Seed/Macy/Fleming/Naess “Denken wie ein Berg“ Freiburg 1989, S. 115 
[37] Danaan Parry “Krieger des Herzens“ Freiburg 1991,S. 129 ff 
[38] Führer der kalifornischen Landarbeiterbewegung, u.a. in: “Liebhaber des Friedens“ Stuttgart 1982; Dia-Serie “Von denen keiner spricht“ Aktion Sühnezeichen 1976 
[39] mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin 
[40] “A Guide to confident Living“ The Worlds Work Ltd., Kingswood Surrey 1913; auch in Fry, a.a.O. S. 85 
[41] Projekt Mediation, Christoph Besemer und Mechthild Eisfeld, Kurzbericht in “Gewaltfrei Aktiv“ Rundbrief d. Werkstatt f. gewaltfreie Aktion, Baden, Mai 1998 
[42] Christian Büttner: Friedensbrigaden: Zivile Konfliktbearbeitung mit gewaltfreien Methoden. Münster 1995
[43] “Privater Friedensvertrag: “Konstruktiver Katalog“ I u. II s. Anm. 6; “Trust groups“: “Graswurzelrevolution“ Nr. 81 1/84 
[44] seit 1992; Kontaktbüro: Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin 
[45] “Romeo & Julia“: Badische Zeitung v. 28.6.1993; “Trau Dich“: Kahane/Torossi “Begegnungen, die Hoffnung machen“ Herder Spektrum, Freiburg 1993, S. 107-119 
[46] Begriff von Saul D.Alinsky (“Anleitung zum Mächtigsein“, “Leitfaden für Radikale“); s. auch Jochheim a.a.O. S. 122 ff 
[47] “Konsens - Anleitung zur herrschaftsfreien Entscheidungsfindung“ Werkstatt für gewaltfreie Aktion, Baden, Freiburg 1990 (Geschäftsstelle: Am Karlstor 1, 69117 Heidelberg) 
[48] William I. Thompson “Die pazifische Herausforderung. Re-Vision des politischen Denkens“ München 1985 
[49] Lanza del Vasto “Definitionen der Gewaltlosigkeit“ Stampa (Italien) o.J. (1963) S. 63; zu Gandhis Maßnahmenkatalog zur Unabhängigkeit s. Gene Sharp “Gandhi as a Political Strategist“ Boston 1979, S. 182-184 
[50] Diplomarbeit von Wolfgang Müller, kurz in: “Konstruktiver Katalog“ s. Anm. 6; u. mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin 
[51] Augenzeugenbericht in “Gericht und Gewissen“, s. Anm. 16, S. 14 
[52] Bürgergespräche “Betroffene erfinden Auswege“ in “Wir treten in den Un-Ruhestand. Dokumentation der 1. Seniorenblockade“ Mutlangen 1986, S. 49 
[53] mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin 
[54] 17. Juni 1983: Reimar Lenz in “Konstruktiver Katalog II“ s. Anm. 6 
[55] Jochheim a.a.O. S. 143 
[56] “Widerstand und Friede“ Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels, Frankfurt 1967 
[57] a.a.O. 
[58] Kristin Flory in “Gewaltfreie Aktion“ 68/69/70 1986 
[59] Barbara Müller Hrsg. “Blau-oliv oder gewaltfrei“ Bund für Soziale Verteidigung Minden 1993, S. 45 
[60] ebd. S. 4 
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[61] Gernot Jochheim “Traum und Tat. Wege des gewaltfreien Widerstands“ Stuttgart/Wien 1992, S. 112-118; Ebring/Dollwitz “Schwerter zu Pflugscharen. Friedensbewegung in der DDR“ Reinbek 1982 
[62] mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin 
[63] mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin 
[64] “Kultur und Widerstand“ BUKO-Materialien, Hamburg 1982, 86 S. 
[65] Augusto Boal “Theater der Unterdrückten“ Frankfurt/M 1989, 274 S. 
[66] AtomExpress “...und auch nicht anderswo! Die Geschichte der Anti-AKW-Bewegung“ Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1997, S. 159; 
[67] Büro für ungewöhnliche Maßnahmen “Wut Witz Widerstand“, Berlin 1989, 130 S. 
[68] Nick/Scheub/Then a.a.O.; “Ziviler Ungehorsam“, Komitee für Grundrechte und Demokratie, Sensbachtal 1992, S.270; 
[69] Severin Renoldner “Widerstand aus Liebe“ Publik-Forum-Dokumentation, Oberursel 1990, S. 155 
[70] “Wyhl. Kein KKW in Wyhl und auch sonst nirgendwo. Betroffene Bürger berichten“ Freiburg 1976, S. 245 
[71] Michael Blume “Satyagraha“ Gladenbach 1987, S. 265 
[72] Mike Cooley “Produkte für das Leben statt Waffen für den Tod“ Reinbek 1982, 188 S.; Michael Renner “Konversion zur Friedensökonomie“ World Watch Paper, Wochenschau Verlag, Schwalbach 1992, S. 57; s. auch Jörg Huffschmid “Für den Frieden produzieren. Alternativen zur Kriegsproduktion“ Köln 1981 
[73] Interview mit Lore Haag von der Kontaktstelle des Wyhl-Widerstands in Weisweil 
[74] Erstgründung durch Quäker während des Vietnamkriegs (Pax World Fund), später mindestens sieben Social Funds; R. Spielker: SWF-Funkreport 7.12.1986 
[75] Balkan Peace Team, Ringstr. 9a, 32427 Minden; Ohne Rüstung Leben, Sophienstr. 19, 70178 Stuttgart 
[76] Christoph Besemer “Mediation. Vermittlung in Konflikten“, Stiftung Gewaltfreies Leben und Werkstatt f.ür Gewaltfreie Aktion, Baden,1993 
[77] Bund für Soziale Verteidigung, Ringstr.9a, 32427 Minden; Theodor Ebert “Soziale Verteidigung“Waldkirch 1982/3; s. auch H.-E. Bahr Hrsg “Von der Armee zur europäischen Friedenstruppe“München 1990; “Umrüstung - neuartige Entwürfe für eine Gesellschaft ohne Rüstung“ Wortwerkstatt, Birgit Berg (Hrsg.) 1983 
[78] Uwe Trittmann: Der lange Atem auf dem Weg der Gewaltfreiheit, in: Die Wahrheit einer Absicht ist die Tat, J. Freise, E. Fricke (Hrsg.) Idstein, 1997; Forum Ziviler Friedensdienst e.V., An der Linde 23, 50668 Köln, Tel.: 0221/1391816, e-mail: forumZFD@t-online.de - vgl. auch Theodor Ebert “Ziviler Friedensdienst“ Münster 1997; “Gewaltfreie Aktion“ Nr. 89/90, 99/100, 101/102; B. Müller a.a.O. 
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[79] die Militär- und Rüstungshaushalte sollen pro Jahr um 5 % gesenkt werden. RIB e.V., Umkircher Str. 37, 79112 Freiburg, http://www.dfg-vk.de/ 
[80] Film “S'Weschpenäscht. Der Widerstand gegen das AKW in Wyhl“ Medienwerkstatt, Freiburg 1982; “Wyhl. Kein KKW in Wyhl und auch sonst nirgendwo. Betroffene Bürger berichten“ Freiburg 1976; “Wyhl. Der Widerstand geht weiter“ Freiburg 1982; Jean “Erdchroniken“ Freiburg 1977 
[81] Burmeister/Tonnätt a.a.O.; Hertle a.a.O. 
[82] das umweltzerstörende Kanal-Großprojekt wurde ebenso wie die Atomanlage in Malville nach dem Regierungswechsel in Frankreich Herbst 1997 abgestellt; Inf.: Les Verts France 
[83] Interview mit GunnMarie Carlsson, schwedische Pflugscharbewegung, Frauen für Frieden Schweden 
[84] Goss-Mayr “Geschenk...” a.a.O.; Darmstädter Blätter, Heft 2/1976, S. 4ff 
[85] Lanza del Vasto “Die Macht der Friedfertigen“ Heidelberg 1982 
[86] Prentice Mulford “Unserer Seele Kraft“ Freiburg, S. 103 (=Auszüge aus “Unfug des Lebens und des Sterbens“) 
[87] Text eines Posters der Wortwerkstatt Poesie & Politik 
[88] vgl. Christine Schweitzer “Mir Sada. - Die Geschichte einer misslungenen gewaltfreien Intervention in Bosnien (1993)”, in: Günther Gugel Hrsg. “Wir werden nicht weichen“ Verein für Friedenspädagogik, Tübingen 1996, S. 131-134 (= gekürzt aus: Gewaltfreie Aktion, Heft 97/98, 3.+4. Quartal 1993, S. 25-30)
[89] Albert Schmelzer “Die Arche” Waldkirch 1983, S. 57f (dort zit. aus: Lanza del Vasto, Definitionen... a.a.O. S. 14f ) 
[90] Der gewaltfreie Widerstand gegen die NS-Diktatur war insgesamt wesentlich stärker, als allgemein bekannt ist. Günther Weisenborn (“Der lautlose Aufstand“ Reinbek 1962) und Jacques Semelin (“Ohne Waffen gegen Hitler - Eine Studie zum zivilen Widerstand in Europa”, Frankfurt am Main 1995) zeigen eine Fülle von gründlich recherchierten Beispielen mit detaillierten Angaben auf . Rund 32 500 Deutsche wurden wie die Geschwister Scholl wegen ihres Widerstands hingerichtet; schon zwischen 1933 und 1939 wurden in politischen Verfahren rd. 225 000 Männer und Frauen zu rund 600 000 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. In allen von Deutschland besetzten Ländern gab es - teilweise erfolgreichen - Widerstand. Als 1942 in Norwegen die von den Nazis eingesetzte Regierung Vidkun Quisling versuchte, über die Gleichschaltung der Lehrerschaft die Nazi-Ideologie verpflichtend einzuführen, leisteten Tausende von Lehrern im Geiste Gandhis hartnäckig Widerstand, der auch durch härteste Zwangsarbeit nicht gebrochen wurde und schließlich zum Erfolg führte (Richard Gregg “Die Macht der Gewaltfrei­heit” Gladenbach 1982, 4. Aufl.)
[91] Bill Moyer “Aktionsplan für soziale Bewegungen“ Kassel 1989
[92] Komitee für Grundrechte und Demokratie (Hrsg., Narr/Roth/Vack Red.) “Ziviler Ungehorsam“ Sensbachtal 1992
[93] Vladimir Slivyak in: Anti Atom Aktuell Nr. 104, Göhrde 1999 
Dieser Aufsatz wurde mit freundlicher Genehmigung durch den Herausgeber dem Buch: "Gütekraft erforschen" entnommen. Bei Interesse bitte online (Martin.Arnold@privat.post.de) bestellen. Es wird verschickt nach Eingang von 18.-DM auf dem Konto "Martin Arnold" Nr. 3020343027 bei der BKD Duisburg, Bankleitzahl 35060190

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