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Staunen
als Anfang von Forschung:
Beispiele und Aspekte einer neubenannten Qualität Birgit Berg Die Geschichte wird unsere Zeit als eine Epoche der gigantischen Gewalt sehen, von Auschwitz und Atombombe bis zu Krimikultur und Krieg der Sterne. Gleichzeitig aber hat sich quer zum Gewaltkult eine Kraft herausgeformt, die zum Kristallisationskeim einer wesentlichen Veränderung werden kann: Die aktive Gewaltfreiheit ist von einem Ideal, das lange nur als Wunschtraum oder theoretisches Gebot abgetan wurde, zu einer realen Tat-Kraft gereift. Als Einstieg führe ich eine kleine Auswahl von Beispielen an, strukturiert nach verschiedenen Aspekten und Merkmalen, ohne einen wissenschaftlichen Anspruch - sie sollen die Spannbreite des “Stoffes“ skizzieren, der auf Gütekraft forschend abzuklopfen ist.Gewaltfreier Widerstand hat Diktatoren gestürzt [1],
Kriege verhindert[2]
und Umweltzerstörungen gestoppt[3].
Von Medien und Geschichtsbüchern noch kaum entdeckt, hat die neue
Geschichte bereits begonnen, mit Tausenden von gewaltfreien Ereignissen
weltweit. Sie handelt nicht mehr von Herrschern und Schlachten, sondern
von Bewegungen und Aktionen[4]
- von den 'Reisen durch Mauern' beispielsweise, mit denen 'Bürgerdiplomat/innen'
die Aufhebung des Eisernen Vorhangs einleiteten[5]...
von den tausend Atomminenschächten entlang der innerdeutschen Grenze,
die in einer einzigen Nacht zubetoniert wurden[6]...
von Hunderten Sonnenblumen, die aus den Sandsäcken des Kriegs in Zagreb
wuchsen[7]...
von den Pflügen und Pflanzen, mit denen lateinamerikanische Bauern
und Bäuerinnen ihr Land zurückeroberten[8].
Die realistische
Handlungskraft der Gewaltfreiheit geht weit über bloßen 'Gewaltverzicht'
hinaus - sie reicht von der persönlichen Schlagfertigkeit ohne Schläge
bis zu politischen Kampagnen und Friedenkonzepten. Sie entwickelte pfiffige
Fantasie ebenso wie Arbeitsprogramme mit Methoden, Seminaren und Projekten
- ein konkretes “Know how“ mit Geheimniskern.
Indem nun - mit der Schubkraft eines neuen Begriffs - ein ungewöhnliches und umfassendes Forschungsprojekt gestartet wird, soll ein spannender Klärungsprozess in Gang gesetzt werden. Er kann dem Thema neu Öffentlichkeit verschaffen. Wenn die Medien gewaltfreie Ereignisse verbreiten würden wie bisher nur Mord und Totschlag - dann könnten diese überraschenden Beispiele anstecken und einen wesentlichen Bewusstseinswandel auslösen. Vor allem kann das Projekt eine seriöse Grundlage bereiten, durch die Konzepte und Modelle für Alternativen zum Krieg ernster genommen werden als bisher. Denn erst wenn sie mit ebensoviel Mitteln ausgestattet werden wie bis jetzt nur das Militär - wird der Vergleich der Wirksamkeit von gewaltfreier oder gewaltsamer Konfliktaustragung objektiv. Und erst wenn die 'gütekraftvollen' Möglichkeiten ebenso vorgeführt und eingeübt werden wie bis jetzt nur der Waffengebrauch - können sie von gewagten Einsprengseln in den Gewaltkult zu einem prägenden Gesellschaftsfaktor werden.Am Anfang stehen Fragen Wie können
Menschen Veränderungen ohne Machtmittel durchsetzen? Wie wirkt diese
Kraft? Durch moralischen Druck, Umwandlung, Überredung oder Überzeugung[9].
Worauf
beruht es beispielsweise, dass entgegen jedem Wildwest-Klischee die
Quäker mitten in den amerikanischen Unabhängigkeitskriegen bei
offener Tür unbewaffnet tagen konnten und nicht überfallen wurden,
sondern dass die feindlichen Indianer ihre “scalping tomahawks“ weglegten
und sich friedlich zu ihnen setzten[10]?
Weshalb befahl der Kommandant eines Kriegsschiffs, das zum Plündern
der Insel Nantucket angelegt hatte, den Rückzug, als der erste Bewohner
ihn in sein Haus einlud und bat, hier mit der Plünderung zu beginnen[11]?
Wieso zogen im jugoslawischen Krieg die Panzer aus einem Dorf in Serbien
ab, das geschlossen den Kriegsdienst verweigerte und eine “geistige Republik“
ausrief[12]?
Aber: Fällt
Ziviler Ungehorsam auch unter den neuen Begriff - etwa das Aufschneiden
von Stacheldrahtzäunen, Hämmern auf Atomwaffen, Bepflanzen von
Militärgelände[13]
- Gütekraft mit Biss? Und: war es auch “gütekräftig“,
dass die englische Polizei Anfang der 30er Jahre beschloss, ihre
Bewaffnung abzuschaffen[14],
oder dass in unseren Tagen ein Kaufmann den Einbrecher, der mit vorgehaltenem
Revolver eine bestimmte Summe verlangte, zu einem Drink einlud und herunterhandelte[15]?
Müssen wir nun unterscheiden zwischen pragmatischer Gewaltfreiheit
und ethisch motivierter Gütekraft? Oder lassen sich gemeinsame Nenner
herausarbeiten?
Und zur
Motivation: Warum handelt ein Mensch gewalttätig oder 'gütekräftig'?
Kann die “innere Stimme“ erforscht werden? Wie stehen soziologische Forschungen
an Tausenden, die gleichgültig Hilfeleistung unterlassen, zu praktischen
Erfahrungen einer Bewegung, in der sich Zehntausend freiwillig wegen gewaltfreier
Aktionen vor Gericht stellen lassen[16]?
Vor allem:
Was macht das gewisse Etwas des gütekraftvollen Umwandlungsprozesses
aus gegenüber passiver Gewaltlosigkeit, bei der man bloß ohne
Waffe ist, so wie man bei Regen den Schirm vergessen hat?
'Gütekraft'
ist aktive Gewaltfreiheit, nicht passives Hinnehmen. Sie macht nicht “gute
Miene zum bösen Spiel”, sondern deckt es auf. Der Gewalt begegnet
sie - statt mit Gegengewalt - mit Geist und Charakter.
Eine
Passantin sieht, wie eine Frau belästigt wird - statt hilflos weg
zu sehn, geht sie auf die Szene zu, begrüßt die Frau wie eine
alte Bekannte und zieht sie in eine Kneipe - der Angreifer verdrückt
sich verdutzt[17].
In den
Schriften der “Arche”[18],
einer gewaltfreien südfranzösischen Lebensgemeinschaft, findet
sich ein besonders eindrucksvolles Beispiel: Mitten unter der Folter besinnt
sich eine Friedensaktivistin, die im Algerienkrieg verhaftet wurde, auf
eine gewaltfreie Körperhaltung, die sie als “Arche”-Bewohnerin
gelernt hatte. Sie richtet sich auf, hebt den Kopf und wendet die Handflächen
nach oben - eine Haltung, die ebenso Waffenlosigkeit und bewusstes Nichtangreifen
signalisiert wie Standhaftigkeit. Aufrecht blickt sie ihrem Folterer in
die Augen - und der wendet sich von ihr ab.
Aktiv gewaltfrei
auch folgende Aktionen - auch gütekräftig?
Um ein
geplantes Bleiwerk im elsässischen Marckolsheim zu verhindern, springt
die Bevölkerung in die Bohrlöcher für die Einzäunung[19]...
So wie Nonnen in den USA die Chefetage eines Rüstungskonzerns besetzten,
besteigen Frauen im Hunsrück den hohen Baukran eines Atomraketenlagers[20].
“Vorige Woche sind wir zu den Trident-Atom-U-Booten hinübergeschwommen,
haben ihnen einen völlig friedlichen Besuch abgestattet und dann ganz
gewaltfrei den Bordcomputer dem Meer übergeben“[21]...
Das konsequente
Nichtverletzen, das Grundvoraussetzung von Gewaltfreiheit/Gütekraft
ist, tritt aus dem Dilemma Gewalt-oder-Ohnmacht hinaus zu neuen Möglichkeiten.
Auf
die nordbrasilianische Stadt Crateus zu wandern im März 1981 Tausende
Hungernder wegen einer Dürrekatastrophe auf dem Land. Die Bevölkerung
verriegelt aus Angst vor Überfällen Geschäfte und Haustüren,
die Stadtverwaltung gründet ein “Komitee zur Verteidigung der Bürger“,
bewaffnete Polizei beginnt die Hungernden mit Schüssen zu vertreiben.
In dieser Situation beginnt ein engagierter Padre eine Fastenaktion - “Wir
müssen den Hunger gerechter verteilen“ -, am zweiten Tag geben 500
Fastende Zettel aus mit dem Text “Offene Tür für Hungernde“,
die nach und nach an tausenden Haustüren hängen. Die Lebensmittel
werden geteilt, die Atmosphäre verändert sich völlig, die
Waffen werden unnütz, am fünften Tag beginnt es zu regnen; schließlich
stimmt die Regierung dem von den Betroffenen erarbeiteten Strukturprogramm
zu, durch das sie Bewässerungsanlagen u.a. selbst errichten können....[22]
Freiwillig
Solche
Handlungen basieren auf bewusster und persönlicher Entscheidung, nicht
auf Kommando. Sie entspringen einem eigenen Klärungs- und Entwicklungsprozess.
Besonders
deutlich wird das bei Personengruppen, die sich sogar gegen ihren Vorteil
zu einer Gewissensentscheidung durchringen: Aus Gewissensgründen kündigte
1960 der Leiter des Atomreaktors Geesthacht bei Hamburg mit seiner gesamten
Belegschaft und legte den Reaktor einstweilig still[23].
Zur
Zeit der Pershing-Stationierung schlossen sich selbst Bundeswehroffiziere
und kritische Polizisten gegen die sogenannte “Nachrüstung“ zusammen
(“Darmstädter Signal“ bzw. “Hamburger Signal“)[24],
und Richter setzten sich in Mutlangen vor die Pershing-II-Atomraketen als
“Juristen-Blockade“[25].
Australische
Arbeiter verhinderten in der Kampagne “Green Ban” durch organisierte
Arbeitsverweigerung über 40 umweltzerstörende Großbauprojekte,
unter anderem ein Atomkraftwerk bei Melbourne[26].
Gütekraft
zielt nicht auf den Effekt, sondern auf den Kern des Problems. Aus den
Ursachen und der Frage nach der 'Nachricht des Konflikts'[27]
ergeben sich die Lösungsmöglichkeiten.
Als
Anfang der 50er Jahre kurz nach dem Koreakrieg der Einsatz der US-Atombombe
gegen China erwogen wurde, ging der Internationale Versöhnungsbund
den Hintergründen der Spannungen nach und erfuhr, dass in China eine
Hungersnot war. Darauf initiierte er eine Aktion: über 45 000 Amerikaner
schickten an ihre Regierung kleine Reissäckchen mit der Aufschrift:
“Wenn Dein Feind hungert, gib ihm zu essen. Schicken Sie überschüssiges
Getreide nach China”. Später wurde bekannt, dass die Aktion bei der
Entscheidung unter Präsident Eisenhower den Ausschlag gegeben und
einen Krieg mit China verhindert hatte[28]...
Gütekraft,
die von Gewalt befreien will, ist umfassend. Sie nimmt sichtbare und unsichtbare
Gewalt in allen Bereichen wahr und hat deshalb vielfältige Konsequenzen,
von Einzelnen bis zu Gruppen und Völkern, von Be- und Erziehung bis
zur Lebensweise. Sie prägt sich in allen Teilen der Welt und allen
Situationen immer anders aus:
von
der kalifornischen Bevölkerung, die 1876 angreifende chinesische Kriegsdschunken
so gastfreundlich empfing, dass sich die Krieger dort ansiedelten[29]...
bis zu den Heilbronner BürgerInnen, die 1848 die einrückenden
Regierungstruppen bewirteten und damit kampfunfähig machten, “trunken
vor Feindesliebe“[30]...
und
in unserer Zeit von den vier Bergarbeiterfrauen in Bolivien, die durch
eine Fastenaktion die Freilassung ihrer Männer und hunderter weiterer
politischer Gefangener erreichten[31]
... bis zu den Bewohnern Neu-Kaledoniens, die unbewaffnet auf die französischen
Besatzungssoldaten zugingen, ihnen die Gewehre abnahmen und sie zerbrachen[32]
... von den südfranzösischen Schafen, die als Protest gegen ein
Militärgelände auf ihrem Weideland plötzlich unter dem Pariser
Eiffelturm weideten[33]
... bis zu der Kampagne “Saat des Friedens“, in der 15000 Gemüsesamensendungen
für Menschen im Bosnienkrieg beim deutschen Außenministerium
eingingen und einen Vorschlagskatalog zur Kriegsbeendigung unübersehbar
machten[34]...von
den unsichtbaren Widerstandsgemeinden im Dschungel Guatemalas, die unter
ständiger Bedrohung durch die Armee überleben durch “den Wind
des Geistes, den Überlebens-Instinkt und schmerzlich erlernte Taktik“[35]...
bis zu dem spektakulären Foto von australischen Umweltschützer/innen,
die sich vor den Baggern der Regenwaldabholzung bis zum Hals stehend in
Erde eingraben ließen[36]...
Prozessorientiert
Gütekraft
ist kein Patent und kein Rezept mit Garantie. Sie ist ein lebendiger Prozess.
Das Problem wird nicht wegbegütigt, sondern mit dem Konflikt
auf Entwicklung hingearbeitet.
Danaan
Parry berichtet in seinem Buch “Krieger des Herzens“, wie er in einer pakistanischen
Bergstadt verfeindete Volksgruppen verschiedener Religionen zusammenbrachte,
nachdem viel Blut vergossen worden war: “Wir erforschten die Möglichkeit
eines 'gemeinsamen Nenners'... (eines Werts oder Bedürfnisses)...
schufen eine Sicherheitszone... lehrten sie aktives Zuhören und ließen
sie es praktizieren... Die Magie bestand darin, dass sie ihr Leid teilten:...
'Dass ihr meinen Bruder umgebracht habt, tut mir so weh'... 'Mein Leben
kennt nur Trauer'... Als sie einander zuhören konnten, erfuhren sie,
dass sie alle trauerten. In dieser Dunkelheit und Verzweiflung gab es keine
'anderen' mehr, nur verletzte Menschen auf der Suche nach Heilung... Schließlich
lag ein Christ im Schoß eines Moslem, ein Moslem wurde von einem
Christen gewiegt, ein alter Mann und ein Junge, früher Feinde, starrten
sich gegenseitig in die Augen und sahen sich selbst...[37]
Gütekraft
verändert das Gefälle zwischen oben und unten, die Grenzen zwischen
gut und böse und die Fronten zwischen Freund und Feind. Sie wirkt
gestaltend auf die Situation ein, hebt den Konflikt auf eine andere Ebene
und löst die Täter-Opfer-Konstellation auf. ”Wir wollen die Opfer
davor bewahren, Opfer zu werden. - Wir wollen die Täter davor bewahren,
Täter zu werden.” (Césare Chavez)[38]
Eine
Frau merkt im nächtlichen Berlin, wie ihr eine dunkle Gestalt folgt.
Beherzt dreht sie sich herum: “Würden Sie mich bitte begleiten, damit
mir nichts passiert?” Der verblüffte Fremde wird zum Gentleman...[39]
Ein
farbiger Sänger widersetzt sich der Misshandlung durch vier weiße
Polizisten nicht, sondern wendet im Gebet “Gedankenkraft” an, dass
der Geist der Gütekraft durch ihn auf die Angreifer überspringen
möge - plötzlich lässt der Weiße den Arm, mit dem
er bereits die Pistole auf ihn gerichtet hatte, mit verwundertem Gesichtsausdruck
sinken...[40]
In einem schwelenden Streit zwischen randalierenden Jugendlichen, erbosten
Anwohnern und hilfloser Polizei in einem Freiburger Stadtteil laden KonflikthelferInnen
alle Seiten an einen gemeinsamen Runden Tisch und ermöglichen durch
gegenseitiges Sichanhören und fairen Austausch eine spürbare
Verbesserung der Beziehungen...[41]
Entfeindung
wurde jedoch auch schon in größerem Stil organisiert:
- in
gemeinsamen Siedlungsprojekten z.B. von Schwarzen und Weißen in Südafrika
(“Broken Wall Community“), von jüdischer und palästinensischer
Jugend in Israel (“Neve Shalom“ mit Friedensschule und Begegnungsprogramm)
und von türkischen und griechischen Jugendlichen, die kurz vor der
türkischen Invasion 1974 als Gegner begannen, zerstörte Häuser
gemeinsam wieder aufzubauen.[42]
- als
politische Aktionwie z.B. die Kampagne “Privater Friedensvertrag“ während
der Ost-West-Feindschaft oder die “Vertrauensgruppen“, die in elf sowjetischen
Großstädten mit Ideenwettbewerben an einer Verständigung
zwischen den Menschen beider Machtblöcke arbeiteten.[43]
- als
Beziehungsaufbau zum Feindbildabbau: von dem Projekt “One by one“, in dem
Nachkommen von NS-Tätern und -Opfern im Gespräch ihre Belastungen
gegenseitig verstehen lernen und Altlasten abbauen[44]
bis zur “Romeo und Julia“-Aufführung von linken Punks zusammen mit
rechten Skins oder dem internationalen Kinderzirkus “Trau Dich“.[45]
Von ihren
Anfängen her basiert Gewaltfreiheit auf Selbstbestimmung, Unabhängigkeit
und “Graswurzeldemokratie“[46].
Entscheidungen werden durch die Betroffenen selbst - von unten nach oben
- erarbeitet. Das Konsensverfahren übt herrschaftslose Entscheidungsfindung
ein47],
den “Umschlag von Gefolgschaft in Gemeinschaft“.[48]
Gandhi
arbeitete nicht nur auf die Unabhängigkeit Indiens von der englischen
Kolonialherrschaft hin, sondern auch auf den Abbau des Kastenwesens und
die Gleichstellung und Aufwertung der “Unberührbaren“, ebenso
auf “Swadeshi: wirtschaftliche Unabhängigkeit, eine Wirtschaftsform,
die ohne Ausbeutung und Zwang zu existieren vermag”[49].
Moderne
Beispiele: 99 junge Leute befreiten 1951/2 die Insel Helgoland, seit dem
Zweiten Weltkrieg Übungsgebiet für englische Bombenabwürfe,
durch eine Inselbesetzung[50].
- Norweger luden ihre Regierung vor ein selbstgeschaffenes “Umweltgericht”[51].
- Brief von einer “Wurzelkonferenz statt Gipfelkonferenz” vor dem
Tor des Mutlanger Raketenlagers an den Verteidigungsminister: “Wir möchten
Sie davon in Kenntnis setzen, dass wir begonnen haben, Teile Ihres Ressorts
zu übernehmen. Da Sie es versäumen, entwickeln wir zivile Sicherheitskonzepte”[52].
“Festhalten
an der Wahrheit” ist “Satyagraha” oft übersetzt worden. So wie Gewalt
und Krieg fast immer mit Lüge liiert sind, ist die Wahrheit der Kern
der Gütekraft - “die Wahrheiten”, betonte Robert Jungk die Mehrzahl.
Eigene Aufrichtigkeit muss also die Achtung vor der Wahrheit der anderen
einschließen. Mehr noch: Offenheit für die weitere Schicht der
Wahrheit, die der Konflikt freilegen kann.
Gütekraft
ist keine Masche zur Manipulation, sondern Vertrauen, dass Wahrhaftigkeit
für sich spricht, und Öffnung, durch die der Wahrheitskern zum
Durchbruch kommen kann.
Bei
der Internationalen Bodenseemesse in Lindau stellte auch die Chemiefirma
aus, durch deren Produkte die Bodenseetiere vernichtet wurden. Man erwartete
Zoff von militanten Umweltschützern. Doch die legten nur still und
ernst eine sterbende Schleiereule auf den Ausstellungstisch - die Chemiemanager
wurden betroffen und nachdenklich.[53]
“Gütekraft”
ist nur echt, wenn sie für eine gerechte Sache eingesetzt wird - z.B.
die Menschenrechte -, nicht für eine krumme Tour, einseitigen Vorteil
oder Selbst-gerechtigkeit.
Negativbeispiel:
Angeregt durch die gewaltfreien Aktionen der Friedensbewegung, veranstalteten
Rechtsgerichtete am 17. Juni 1983 einen “konservativen Tag” - mit
Blumensträußen besuchten sie ausländische Familien in Berlin-Kreuzberg,
um ihnen “verblümt” zu sagen, dass sie hier unerwünscht
seien.
Das
Gegenbeispiel: Daraufhin formierten sich 20000 Menschen zu einer Kundgebung
gegen den “Konserventag“ und für das Recht von Flüchtlingsfamilien
auf Schutz vor Krieg und Verfolgung - viele deutsche Frauen trugen als
Symbol der Solidarität “türkische“ Kopftücher[54].
Historisches Vorbild: als Solidaritätsaktion mit den verfolgten Juden
hefteten sich in Holland während der deutschen NS-Besatzung auch viele
Nichtjuden den Judenstern als “Ehrenabzeichen” an...[55]
“Nur sanft
sein heißt nie gut sein.“ (Ernst Bloch)[56].
“Gewaltlosigkeit in ihrer edelsten und legitimsten Form ist aggressiv.
Der Gewaltlose durchdenkt seinen Angriff im Voraus. Er wählt Straße,
Schiff oder Eisenbahn, um sich an den Ort zu begeben, wo das Unrecht geschieht,
um dort sein Zeugnis abzulegen, seinen Protest zu erheben, um einen Zwischenfall
zu verursachen oder einen Skandal auszulösen.” (Lanza del Vasto)[57]
Als
in Nicaragua eine US-Invasion befürchtet wurde, begaben sich tausende
internationale, vor allem amerikanische Friedenskämpfer dorthin, lebten
als ständige Präsenz in den grenznahen Dörfern und kündigten
an, sich in der Aktion “Witness for peace” im Fall einer Invasion als “lebende
Mauer aus unbewaffneten Menschen” entgegenzustellen. Über 500
000 Amerikaner unterzeichneten eine Selbstverpflichtung, gleichzeitig in
den USA mit Aktionen Zivilen Ungehorsams (z.B. Besetzung von Parteibüros)
“gewaltfrei mobil zu machen”. Eine Invasion ist nicht erfolgt.[58]
Zu Beginn
des Golfkriegs schlugen 1991 Peace Teams zwischen den Fronten ein Friedenscamp
auf.[59]
Peace
Brigades International begleiten in Diktaturen gefährdete Menschen
und schützen sie damit bei Menschenrechtsaktionen.[60]
Die Geschichte
der Gewaltfreiheit und der Gütekraft ist farbig voll pfiffig-origineller
Fantasie - Artenvielfalt der Ideen.
Als
in der damaligen “DDR” das Tragen des Friedenssymbols “Schwerter zu Pflugscharen”
verboten wurde, schnitten die Leute die Aufnäher aus den Ärmeln
heraus und trugen das Loch als Friedenszeichen...[61]
Ein
Allgäuer Bach, der zwangskanalisiert werden sollte, verlegte plötzlich
sein Bachbett...[62]
Die
holländische Gruppe “Onkruit“ (“Unkraut“) befreite geheime Rüstungspläne
aus dem Regierungspanzerschrank und ließ sie durch das Fenster in
die Öffentlichkeit wirbeln...[63]
Kulturelle
Aktionen und Methoden sind nicht nur Farbe, sondern oft auch Rückgrat
des Gütekraftkampfs - Kultur als Befreiung, zur Bewahrung der Identität
und Menschlichkeit, als Aktion oder Umwandlungsprozess: von den Freiheitsliedern
in Diktaturen bis zu den Überlebensschulen indigener Völker[64],
vom “Theater der Unterdrückten“[65]
bis zum Drahlseilzirkus vor dem Castor-Atommülltransport[66]
oder zu Satiren wie den “Bettlern für Banker“, die während des
Weltwirtschaftsgipfels für die “armen Bankiers sammelten, damit die
nicht mehr die Dritte Welt ausnehmen müssen“[67]...
vom klassischen Konzert bei “Lebenslaute“-Blockaden ... bis zum Pfeifen
im Walzertakt, das Militärparaden aus dem Gleichschritt brachte[68]...
Gütekraft
ist lösungsorientiert. “Wahrheit muss sich in einem positiven, konstruktiven
Programm vergegenständlichen“[69].
“Die konstruktive Arbeit schafft überhaupt erst die Basis für
den Widerstand“[70]
Gandhis
“Konstruktives Programm“ mit Spinnrad und Salzkörnern des Salzmarschs
als sichtbaren Symbolen...[71]
Die
150 nichtmilitärischen Produkte, die Arbeiter zur Umstellung der englischen
Rüstungsfirma “Lucas Aerospace” erfanden...[72]
Die
Frühbeet-Fenster, aus denen ein Handwerker im Widerstand gegen das
AKW Wyhl eine frühe Solaranlage bastelte...[73]
Die
“Ethik Investment Funds”, die nur bei Firmen ohne Rüstung,
ohne Umweltzerstörung oder Ausbeutung investieren...[74]
Die
“Balkan Peace Teams”, die im ehemaligen Jugoslawien in Modellprojekten
den schwierigen Prozess friedlichen Zusammenlebens fördern...[75]
Verfahren
wie “Mediation“ zur konstruktiven Konfliktarbeit...[76]
Konzepte
wie “Soziale Verteidigung”[77],
Projekte
wie “Ziviler Friedensdienst”[78],
Kampagnen
wie “Fünf für Frieden”[79]
zum Aufbau ernstzunehmender Alternativen zu Militär und Krieg...
Obwohl
sie frühzeitig ansetzen soll und spontan geistesgegenwärtig und
überraschend sein kann - braucht die Gütekraft doch auch den
Langen Atem, die “brennende Geduld” (Pablo Neruda), um sich nach so vielen
Jahrtausenden der Gewalt durchzusetzen.
Nach
zwölf Jahren Widerstand in Wyhl wurde das Atomkraftwerk verhindert[80].
Zwölf Jahre brauchten auch die Schafzüchter auf dem Larzac, bis
der Plan für den Ausbau des Militärgeländes gestoppt war[81].
Nach 15 Jahren hatte der Protest gegen den umweltzerstörenden “Grand
Canal” in Frankreich Erfolg, und der Schnelle Brüter “Superphénix”
wurde nach rund zwei Jahrzehnten Widerstand abgeschaltet[82].
Die Bewohner dreier kleiner Dörfer im schwedischen Kynnefjäll
halten seit 1980 eine Dauermahnwache gegen Probebohrungen für Atomanlagen
durch - “und sie werden niemals aufgeben“[83].
Firmeza permanente nannten es die Arbeiter der Zementfabrik von
Perus (Sao Paulo), die nach 7-jährigem Streik ihre Rechte durchsetzten[84]:
beharrliche Standhaftigkeit.
Die Kraft,
die der Gewalt widersteht, ist erst am Anfang ihrer Möglichkeiten.
Ein atemraubend lebendiges Experiment, in dem wir alle Anfänger sind.
Es gibt keine Gütekraftprotze.
Gütekraftschöpfen
braucht die praktische, die geistige und die psychische Ebene. Seine Außenseite
sind die Haltung, die Handlungsweise, Aktion und Interaktion, Kommunikation
und Lebensweise. Sein Kern ist der innere Prozess, die Innenarbeit jedes/r
Einzelnen.
Von hier
aus kristallisiert sich die “Wahrheit als Übereinstimmung von innen
und außen“[85].
Und die Begegnung als “Kontakt von Kern zu Kern“, der “direkt nur in das
fremde Beste hinübertrifft“[86].
Die überzeugendste Form des Nein zum Unzumutbaren ist das JA zu den
reiferen Möglichkeiten[87].
Hinter
jedem der Beispiele, die einführend in Kurzform skizziert wurden,
stehen die Erfahrungen, das Erleben, die Schicksale zahlreicher Menschen,
die sie am eigenen Leib erfahren haben. Eingehendere Schilderungen der
Situationen und Veränderungen machen die eigenartige Wirksamkeit von
Gütekraft eigentlich erst nachvollziehbar. Deshalb folgen hier auf
den ersten Überblick 'en gros' drei Beispiele 'en detail':
Eine Erfahrung
mit Satyagraha / Gütekraft bei MIR SADA
Im August
1993 wollten rund dreitausend Menschen als Friedenskarawane “Mir Sada“
(“Friedenssaat”) den Bosnienkrieg stoppen. Dass auch eine gewaltfreie Aktion,
die ihr Ziel nicht erreicht[88],
positive Wirkungen haben kann, vermittelt der folgende Bericht von Dieter
Hemminger:
“Am Checkpoint
Podorje, 10 km von Mostar entfernt, hieß es nach stundenlangen Verhandlungen
mit dem zuständigen Polizeikommissar: 10 Busse mit insgesamt 500 Personen
dürfen für eine Stunde bis zum Stadtrand Mostar fahren. Die anderen
ca. 1000 mussten zurückbleiben. Ich schloss mich einer etwa 200 Personen
großen Gruppe an, die unter der Anleitung von dem Inspirator der
italienischen Initiative, Don Albina, stand. Direkt am Checkpoint auf einer
staubig-ausgetrockneten Wiese, bereiteten wir uns auf eine Schweigekette
vor. Sie sollte entlang der stark, vor allem mit Militärfahrzeugen,
befahrenen Straße in Richtung Mostar entstehen.
Wenig später
standen wir schweigend nebeneinander, in brütender Mittagshitze als
300 Meter lange Menschenkette entlang der Straße. Je ein Fahnenträger
markierte den Anfang und den Schluss der Kette. Jeder war auf sich selber
gestellt. Zwar als Glied einer Kette, aber allein mit seinen Gedanken.
Noch nach 6 Jahren ist mir diese Stunde in sehr lebhafter Erinnerung. Fast
protokollarisch kann ich alles aufzeichnen.
Zuerst
überkam mich eine große existenzielle Angst. Was ist mit meinen
4 Kindern, die zwar alle erwachsen sind, aber ais Studenten noch von mir
ökonomisch abhängig waren, wenn ich hier nicht mehr lebend weg
komme. Diese Angst wurde geschürt, weil einige wahnsinnig schnell
an uns vorbeirasende Pkw-Fahrer, immer wieder auf uns zusteuerten
und wir uns nur durch kühne Sprunge in den Straßengraben vor
dem Überfahrenwerden retten konnten. Immer wieder trieben Jugendliche,
in zum Teil gestohlenen Autos, mit uns dieses oft lebensgefährliche
Spiel.
Dabei fiel
mir ein Kontrast auf, der mir vorher nie so bewusst war: Physisch waren
die im Auto Sitzenden uns haushoch überlegen. Sie hatten wenigstens
eine ‘schützende’ Karosserie um sich herum und die vorbeifahrenden
Soldaten sogar gepanzerte Fahrzeuge. Und wir standen nur mit unseren bloßen,
ungeschützten Körpern da.
Doch wenig
später verspürte ich in mir eine tiefe Ruhe, ja. Gelassenheit.
Ich wusste mich auf einmal so stark von Gott beschützt, dass sich
fast eine euphorische Sicherheit in mir breit machte. Obwohl wir konsequent
schwiegen, reichten Blickkontakte zu den Nebenstehenden, um sich zu versichern,
wir gehören zusammen, wir helfen uns bei Gefahr. Seither weiß
ich: Ees gibt die Kraft der Gewaltlosigkeit, diese nicht rational begründbare
und auch nicht analytisch nachprüfbare Gütekraft. Sie ist erlebbar.
Der Fortgang
damals am 9. August 1993 am Checkpoint Podorje bescherte mir noch eine
weitere Erfahrung, nämlich: Die innere Haltung der Gewaltfreiheit
kann sich auf andere übertragen:
Auf einmal
wurde das Schweigen unterbrochen. Durch die Menschenkette ging die Information:
‘Wir dürfen nach Mostar gehen! - Wie? - Schweigend miteinander gehend,
ohne Polizeischutz.’
So liefen
wir los. Von dem Bergrücken hörten wir dumpfe Donnerschlage von
schweren Geschützen. Die ersten 2-4 km waren alle Häuser entlang
der Straße zerstört. Der Tod war greifbar nahe.
Im ersten Dorf nur ablehnende, distanziert uns beobachtende, Bevölkerung. In den zwei Dorfkneipen grölende und verächtlich lachende, mit ihren Gewehren spielende Soldaten. Und dennoch in mir die immer noch anhaltende Gewissheit: Die können uns nichts antun, auch wenn die Gewehre geladen sind. Und es gab keine Schießerei. Schon im nächsten Dorf änderte sich die Situation: Von den Bewohnern wurden uns Getränke und Obst angeboten. Wie herzerfrischend war der erste kühlende Schluck Wasser. Und der mir zugeworfene Apfel kam mir vor wie eine Liebeserklärung: ‘Ich will dich auf deinem Weg unterstützen!’ Und dann geschah ein kleines Wunder: Vier Soldaten gaben ihre Gewehre den Kollegen und reihten sich in unsere Menschenkette ein. Sie liefen direkt vor mir. Zuerst sah es wie ein Scherz aus. Sie unterhielten sich auch lautstark miteinander, und die Bevölkerung klatschte Beifall. Aber als sie am Ende des Dorfes immer noch dabeiblieben und auch allmählich schweigend mitliefen, merkte ich: Die meinen es ernst. Nach Mostar sind wir an diesem Tage nicht mehr gekommen. Ein wohltuend erfrischender Gewitterplatzregen verwandelte kurz die Straße in einen Fluss und wenig später kamen unsere Freunde mit den Bussen aus Mostar zurück. Fast wie selbstverständlich wurden die Platze gewechselt. Wir durften mit den Bussen an den Checkpoint zurückfahren und die Mostarfahrer liefen die ca. 6 km zu Fuß zurück. Diese Erfahrungen empfinde ich auch noch heute als ein Beispiel für die Kraft einer gewagten Satjagraha.Sie kann so stark sein, dass durch sie sogar einzelne Soldaten von ihrem tötensollenden Handeln Abstand nehmen können. Bestimmt ist das nicht als Rezept zu verstehen. Gandhi und M. L. King haben ihren Leuten immer gesagt: Ihr müsst damit rechnen, dass ihr nicht mehr lebend zurückkommt. Das Risiko bleibt. Aber wir brauchen uns bei keiner gewaltfreien Aktion freiwillig zu Märtyrern machen zu lassen.” (aufgeschrieben im Januar 1999) Zweites Beispiel: Das Gewissen des Wachmannes[89] Die folgende
Begebenheit ereignete sich in Deutschland während des Zweiten Weltkrieges
in einem Gefangenenlager.
Im Lauf
der Jahrzehnte entwickelte sich aus einzelnen Erfahrungsfeldern in internationaler
Ausbreitung zunehmend planvolle Organisation. Dafür abschließend
zwei Beispiele, in denen Gütekraft nicht primär in der persönlichen
Begegnung in Erscheinung tritt, sondern im Widerstand gegen Zerstörungsmacht.
Bis zur
Mitte der 70er Jahre war die Atomenergie für die technikgläubige
amerikanische Öffentlichkeit kein Thema; über 260 AKWs waren
in Betrieb oder im Bau, bis zum Jahr 2000 sollten es 1000 sein. Jahrelange
juristische Einsprüche, Aufklärungsarbeit, Volksbefragungen,
dann eine Messturm-Besetzung auf dem Bauplatz des geplanten Atomkraftwerks
bei Seabrook, New Hampshire. Der Wyhl-Film “Lieber heute aktiv als morgen
radioaktiv“ ermutigte zu einer Platzbesetzung. Doch es kamen nur 18 Aktivisten.
Da beschlossen sie, es innerhalb einer Woche je zehn Bekannten weiterzusagen.
Das nächste Mal waren es tatsächlich 180 PlatzbesetzerInnen.
Die ansteigende Aktion wurde zum System - beim dritten Mal forsteten über
1000 TeilnehmerInnen mit kleinen Bäumen auf. Bei einer Massenbesetzung
1977 entstand dann ein Anti-Atom-Dorf “Freebrook“ - und von über 1800
AktivistInnen wurden 1414 verhaftet. Zwei Wochen lang in Waffenlager eingesperrt,
wandelten sie auch dies in eine Besetzungsaktion um: Indem die Entlassenen
sich weigerten zu gehen, ehe nicht alle freigelassen wurden. Auf einen
Schlag kam die Atomproblematik in die Massenmedien.
Damit eine
solche Massenaktion gewaltfrei bleiben konnte, wurde eine Strategie erarbeitet
aus Erfahrungen und Methoden der schwarzen Bürgerrechtsbewegung, der
Quäker, der spanischen Anarchisten, des Wyhl-Widerstands und gewaltfreier
Trainings-Kollektive: die Aufteilung in kleine Vertrauensgruppen, Vorbereitung
in Trainings und Entscheidungsfindung im Konsensverfahren.
Diese Methoden
wurden dann in Gorleben, Großengstingen und im Anti-Raketen-Widerstand
in Mutlangen und im Hunsrück zugrundegelegt und weiterentwickelt und
?verbreitet. Obwohl die “Helden“ von Seabrook zunächst “niedergeschlagen,
mit hängenden Köpfen und entmutigt“ waren, weil das AKW doch
gebaut wurde, war der scheinbare Misserfolg nur eine Phase in vielen Schritten
zum endgültigen Erfolg[91]:
Im Anschluss bildeten sich in den USA Hunderte neuer Aktionsgruppen, der
Widerstand breitete sich über das ganze Land aus bis hin zu einer
Blockade der Wallstreet-Börse. Rund 80 % der Bevölkerung lehnten
schließlich Atomkraftwerke ab, seit 1978 wurde kein neues AKW mehr
gebaut, mehr als hundert geplante storniert, viele sogar mitten im Bau
gestoppt, so dass die Gesamtziffer um mehr als die Hälfte sank. 123
AKWs blieben 1987 von dem geplanten Atomprogramm von 1000 AKWs übrig
- und auch dies Auslaufmodelle.[92]
Das Staunen
holt das Wissen immer wieder ein - zu diesem Beispiel gibt es ein überraschendes
Gegenstück:
In der
Sowjetunion entwickelte sich aus den ersten Anti-Atom-Gruppen nach Tschernobyl
“eine mächtige Massenbewegung, die Millionen von Menschen in Demonstrationen
und Protest gegen Atomkraft verband...“. Sie organisierte z.B. in Kostroma
ein lokales Referendum über ein geplantes AKW, das trotz massiver
Propaganda der Atomlobby (für einige 100 000 Dollar) 87,4 %
Gegenstimmen
ergab. Eine Kampagne von ECODEFENSE-Aktiven bewirkte, dass am 30. Juli
1996 ein mit radioaktivem Material (Uranium-Hexafluorid) beladenes Schiff
nicht im Hafen von Kaliningrad anlegen durfte und nach zwei Wochen umdrehen
musste; danach arbeitet sie an örtlichen Gesetzen gegen Atomtransporte.
“Die Atomindustrie sieht sich heute einem starken Team professioneller
Kampaigner gegenüber, die erfolgreich auf internationaler, nationaler
und regionaler Ebene aktiv sind. Statistiken zufolge wurden zwischen 1988
und 1992 weit über 100 zur Atomindustrie gehörende Bau- bzw.
Entwicklungsstandorte geschlossen ... und gegenwärtig sind keine neuen
Atomkraftwerke mehr im Bau.... Die Anti-Atom-Bewegung hat eines ihrer grundsätzlichen
Ziele erreicht - mit Erfolg wurde die Weiterentwicklung der Atomindustrie
in der ehemaligen UdSSR gestoppt. Das zweite Ziel ist die Abschaltung aller
noch in Betrieb befindlichen Atomanlagen.“ “Über dieses Engagement
hinaus stellen die Anti-Atom-Gruppen einen bedeutenden Bestandteil einer
demokratischen Gesellschaft dar... die in Russland in stetigem Aufbau begriffen
ist.“[93]
[1]
Sider/Taylor “Nuclear Holocaust and Christian Hope“, Downers Grove, Ill.:
1982, S. 25: “Gewaltlose Generalstreiks haben mindestens sieben lateinamerikanische
Diktatoren gestürzt: Carlos Ibanez del Campo in Chile (1931), Gerardo
Machado y Morales in Cuba (1933), Jorge Ubico in Guatemala (1944), Elie
Lescot auf Haiti (1946), Arnulfo Arias in Panama (1951), Paul Magliore
auf Haiti (1956), Gustavo Rojas Pinilla in Kolumbien (1957)”. Gewaltfrei
gestürzt wurden auch 1944 die Diktatur in El Salvador (Gernot Jochheim
“Die gewaltfreie Aktion“,Hamburg 1984, S. 222 ff), 1979 im Iran (ebd. S.
225 und Daniel Ellsberg “Entwaffnen durch Verbreiten der Wahrheit“, Die
Grünen, Bonn 1982, S. 27) und 1986 auf den Philippinen (DER SPIEGEL
Nr. 10/1986 S. 5: “Wunderrevolution”. Vor und nach 1986 Berichte von Hildegard
Goss-Mayr in der Zeitschrift Gewaltfreie Aktion). - Durch Generalstreik
und Zivilcourage der Beamten wurde der Militärputsch von Kapp und
Lüttwitz gegen die Weimarer Republik vom März 1920 innerhalb
von vier Tagen abgewehrt; vgl. Johannes Erger, Der Kapp-Lüttwitz Putsch,
Düsseldorf 1967. - Dem Sturz der DDR-Regierung und Fall der Berliner
Mauer im Herbst 1989 gingen jahrzehntelange Arbeit oppositioneller Gruppen,
zunehmende Mahnwachen, Fastenaktionen, “Informations-Gottesdienste“, Massenflucht,
Runde Tische und “Montagsdemos“ von Hunderttausenden voraus. s. Charles
Schüdekopf Hrsg. “Wir sind das Volk!“ Flugschriften, Aufrufe und Texte
zu einer deutschen Revolution”, Reinbek 1990; vgl. auch Erhart Neubert
“Geschichte der Opposition in der DDR 1949-1989”, Berlin 1997
[2]
Generalstreiks sind u.a. zur Verhinderung von Kriegen ausgerufen worden,
so etwa 1917 in Argentinien. Die Drohung mit einem Generalstreik reichte
aus, um Lloyd George 1920 davon abzubringen, den Russen den Krieg zu erklären.“
(April Carter “Direkte Aktion. Leitfaden für den Gewaltfreien Widerstand“,
Reihe Konstruktiv, Berlin 1981, S. 54). - Der Widerstand gegen den Vietnamkrieg,
z.B. die Desertion von 100 000 US-Soldaten 1970, hat die USA “tatsächlich
gezwungen, aus Vietnam abzuziehen“ (Ellsberg, a.a.O.) und die Dauer des
Kriegs um fünf Jahre verkürzt“ (Harald Kater “Widerstand in der
US-Armee. GI-Bewegung in den 70er Jahren“,Berlin 1985).
[3]
u.a. Jochheim a.a.O. S. 157 ff
[4]
150 gewaltfreie Ereignisse des Zwanzigsten Jahrhunderts in Arbeitsmappe
“Weltkarte der Hoffnung“, Wortwerkstatt Poesie & Politik, Freiburg
1999. Zahlreiche Beispiele veröffentlichte die Zeitschrift “Graswurzelrevolution“
seit ihrem ersten Erscheinen 1972. Fundgruben sind auch: Archiv Aktiv (Sternschanze
1, 20357 Hamburg); Verlag Weber, Zucht & Co (Steinbruchweg 14. 34123
Kassel-Bettenhausen); Verein für Friedenspädagogik (Bachgasse
22, 72070 Tübingen), z.B. Günther Gugel “Wir werden nicht weichen“
Tübingen 1986; Fry (s. Anm. 10) sowie: “Stone soup for the world.
Life-changing stories of kindness an courageuos acts of service”, collected
by Marianne Larned, Berkeley, California 1998
[5]
“Journey through a wall. A Quaker mission to a divided Germany“, American
Friends Committee, Philadelphia 1963
[6]
“Konstruktiver Katalog“ I u. II mit über 400 gewaltfreien Aktionen,
Birgit Berg Hrsg. 1982, 1983
[7]
Aktion des holländischen Soziologen Wam Kat, dessen tägliches
Internet-Tagebuch aus dem Kriegsgebiet die Projekte “Suncocret“ und “Balkan
Sunflowers“ bekanntmachte: internationale Freiwillige lindern die Flüchtlingskrise
im Balkan und helfen bei Wiederaufbau und Versöhnung (Postfach 1219,
D-14806 Belzig)
[8]
Hildegard Goss-Mayr “Geschenk der Armen an die Reichen“Wien 1979, S. 113-119
[9]
George Lakey “Non violent action. How it works“ Pendle Hill Pamphlet 129,
Wallingford Pennsylvania 1963, S. 9
[10]
A. Ruth Fry “Victories Without Violence“ Liberty Literary Works, Ocean
Tree books, Santa Fe 1986 S. S.18
[11]
ebd. S. 19
[12]
Dorf Tresnjevac / Oromhegyes seit Mai 1992, “Aktiv Gewaltfrei“, Mitteilungen
der Werkstatt für Gewaltfreie Aktion, Baden, 4/94
[13]
Wolfgang Sternstein “Abrüstung von unten. Die Pflugscharbewegung in
den USA und in Europa“ Stuttgart 1986; und: EUCOMmunity, Ohne Rüstung
Leben (Hg.) “Die EUCOMmunity. Initiative für eine atomwaffenfreie
Welt. Eine Dokumentation” Stuttgart 1997 (Adr. s. Anm. 75)
[14]
Fry a.a.O. S. 43
[15]
“Le Progrès“ Saone-et-Loire v. 28.8.1999
[16]
Bühler-Stysch/Menzel Hrsg. “Im Namen des Volkes? FriedenstäterInnen
im Gefängnis“Kassel 1988; Berg “Gericht und Gewissen“ Wortwerkstatt,
Mutlangen/Simmern 1987. - Dokumentationen vieler Pershing-Prozesse: Komitee
für Grundrechte und Demokratie e.V., Aquinostr. 7-11, 50670 Köln,
und Carl-Kabat-Haus, Mutlangen
[17]
“Lichtblick als Souvenir“ Internationaler Versöhnungsbund Schweiz,
St. Gallen 1994, S. 12 nach Frankfurter Rundschau v. 18.11. 92
[18]
Arche-Rundbrief, Bezug: Britta Lauber, Birkenstr. 25, 84032 Landshut
[19]
Film “S'Weschpenäscht. Der Widerstand gegen das AKW in Wyhl“ Medienwerkstatt,
Freiburg 1982
[20]
“Frauenwiderstand im Hunsrück. Frauengeschichte(n) 1983-1985“ Selbstverlag
Frauenwiderstand, Frankfurt 1985, Titelseite
[21]
Trident-Pflugschar-Bewegung Schottland, mündlicher Bericht von Dirk
Grützmacher im Workshop “Bomben zu Pflugscharen“ der Wortwerkstatt
auf dem 28. Dt. Evang. Kirchentag Stuttgart, 18. Juni 1999
[22]
“Konstruktiver Katalog I“ s. Anm. 6, nach einem Bericht von Hildegard Goss-Mayr
[24]
“Darmstädter Signal“: K.Gerosa Hrsg. “Grosse Schritte wagen“ München
1984, S. 119 f. “Hamburger Signal“: “...gewaltfrei widerstehen - gewaltfreie
Aktionen in Pax Christi“, Frankfurt 2-3/1988, S. 63 ff
[25]
Richterblockade am 12.1.1987; Nick/Scheub/Then “Mutlangen 1983-87 - die
Stationierung der Pershing II und die Kampagne Ziviler Ungehorsam bis zur
Abrüstung“ Mutlangen 1993, S. 154, 209
[26]
Jochheim a.a.O. S. 157 ff
[27]
Berg “Thesen zu Gewalt und Gewaltfreiheit“ und “Vom Sinn des Konflikts“,
Denk-zettel, Wortwerkstatt Poesie & Politik, Freiburg 1992
[28]
Interview mit Alfred Hassler in “Fellowship magazine“ Sept. 1947, Fellowship
of Reconciliation, Box 271, Nyack, N.Y. 10960
[29]
Fry, a.a.O. S. 85
[30]
Carola Lipp Hrsg. “Schimpfende Weiber und patriotische Jungfrauen. Frauen
im Vormärz und in der Revolution 1848/49“ Moos/Baden-Baden 1986, S.
145; Zitat: Berg “Utopie-Lied“ Wortwerkstatt Freiburg 1988
[31]
Goss-Mayr “Geschenk...” a.a.O. S. 123-126
[32]
Arche-Rundbrief a.a.O.
[33]
Burmeister/Tonnätt “Zu kämpfen allein schon ist richtig: Larzac“
Frankfurt/M 1981; W. Hertle “Larzac 1971-81“ Kassel 1982
[34]
Info auch über weitere Kampagnenschritte: Dieter
Hemminger, Turnstr. 13, 75228 Ispringen
[35]
Javier Gurriarán “Nie hatten die Berge in Guatemala so viele Wege“
Informationsstelle Guatemala e.V., Bonn 1990
[36]
Seed/Macy/Fleming/Naess “Denken wie ein Berg“ Freiburg 1989, S. 115
[37]
Danaan Parry “Krieger des Herzens“ Freiburg 1991,S. 129 ff
[38]
Führer der kalifornischen Landarbeiterbewegung, u.a. in: “Liebhaber
des Friedens“ Stuttgart 1982; Dia-Serie “Von denen keiner spricht“ Aktion
Sühnezeichen 1976
[39]
mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin
[40]
“A Guide to confident Living“ The Worlds Work Ltd., Kingswood Surrey 1913;
auch in Fry, a.a.O. S. 85
[41]
Projekt Mediation, Christoph Besemer und Mechthild Eisfeld, Kurzbericht
in “Gewaltfrei Aktiv“ Rundbrief d. Werkstatt f. gewaltfreie Aktion, Baden,
Mai 1998
[42]
Christian Büttner: Friedensbrigaden: Zivile Konfliktbearbeitung
mit gewaltfreien Methoden. Münster 1995
[43]
“Privater Friedensvertrag: “Konstruktiver Katalog“ I u. II s. Anm. 6; “Trust
groups“: “Graswurzelrevolution“ Nr. 81 1/84
[44]
seit 1992; Kontaktbüro: Fehrbelliner Str. 92, 10119 Berlin
[45]
“Romeo & Julia“: Badische Zeitung v. 28.6.1993; “Trau Dich“: Kahane/Torossi
“Begegnungen, die Hoffnung machen“ Herder Spektrum, Freiburg 1993, S. 107-119
[46]
Begriff von Saul D.Alinsky (“Anleitung zum Mächtigsein“, “Leitfaden
für Radikale“); s. auch Jochheim a.a.O. S. 122 ff
[47]
“Konsens - Anleitung zur herrschaftsfreien Entscheidungsfindung“ Werkstatt
für gewaltfreie Aktion, Baden, Freiburg 1990 (Geschäftsstelle:
Am Karlstor 1, 69117 Heidelberg)
[48]
William I. Thompson “Die pazifische Herausforderung. Re-Vision des politischen
Denkens“ München 1985
[49]
Lanza del Vasto “Definitionen der Gewaltlosigkeit“ Stampa (Italien) o.J.
(1963) S. 63; zu Gandhis Maßnahmenkatalog zur Unabhängigkeit
s. Gene Sharp “Gandhi as a Political Strategist“ Boston 1979, S. 182-184
[50]
Diplomarbeit von Wolfgang Müller, kurz in: “Konstruktiver Katalog“
s. Anm. 6; u. mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin
[51]
Augenzeugenbericht in “Gericht und Gewissen“, s. Anm. 16, S. 14
[52]
Bürgergespräche “Betroffene erfinden Auswege“ in “Wir treten
in den Un-Ruhestand. Dokumentation der 1. Seniorenblockade“ Mutlangen 1986,
S. 49
[53]
mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin
[54]
17. Juni 1983: Reimar Lenz in “Konstruktiver Katalog II“ s. Anm. 6
[55]
Jochheim a.a.O. S. 143
[56]
“Widerstand und Friede“ Rede bei der Verleihung des Friedenspreises des
deutschen Buchhandels, Frankfurt 1967
[57]
a.a.O.
[58]
Kristin Flory in “Gewaltfreie Aktion“ 68/69/70 1986
[59]
Barbara Müller Hrsg. “Blau-oliv oder gewaltfrei“ Bund für Soziale
Verteidigung Minden 1993, S. 45
[61]
Gernot Jochheim “Traum und Tat. Wege des gewaltfreien Widerstands“ Stuttgart/Wien
1992, S. 112-118; Ebring/Dollwitz “Schwerter zu Pflugscharen. Friedensbewegung
in der DDR“ Reinbek 1982
[62]
mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin
[63]
mündlicher Bericht der Betroffenen an die Verfasserin
[64]
“Kultur und Widerstand“ BUKO-Materialien, Hamburg 1982, 86 S.
[65]
Augusto Boal “Theater der Unterdrückten“ Frankfurt/M 1989, 274 S.
[66]
AtomExpress “...und auch nicht anderswo! Die Geschichte der Anti-AKW-Bewegung“
Verlag Die Werkstatt, Göttingen 1997, S. 159;
[67]
Büro für ungewöhnliche Maßnahmen “Wut Witz Widerstand“,
Berlin 1989, 130 S.
[68]
Nick/Scheub/Then a.a.O.; “Ziviler Ungehorsam“, Komitee für Grundrechte
und Demokratie, Sensbachtal 1992, S.270;
[69]
Severin Renoldner “Widerstand aus Liebe“ Publik-Forum-Dokumentation, Oberursel
1990, S. 155
[70]
“Wyhl. Kein KKW in Wyhl und auch sonst nirgendwo. Betroffene Bürger
berichten“ Freiburg 1976, S. 245
[71]
Michael Blume “Satyagraha“ Gladenbach 1987, S. 265
[72]
Mike Cooley “Produkte für das Leben statt Waffen für den Tod“
Reinbek 1982, 188 S.; Michael Renner “Konversion zur Friedensökonomie“
World Watch Paper, Wochenschau Verlag, Schwalbach 1992, S. 57; s. auch
Jörg Huffschmid “Für den Frieden produzieren. Alternativen zur
Kriegsproduktion“ Köln 1981
[73]
Interview mit Lore Haag von der Kontaktstelle des Wyhl-Widerstands in Weisweil
[74]
Erstgründung durch Quäker während des Vietnamkriegs (Pax
World Fund), später mindestens sieben Social Funds; R. Spielker: SWF-Funkreport
7.12.1986
[75]
Balkan Peace Team, Ringstr. 9a, 32427 Minden; Ohne Rüstung Leben,
Sophienstr. 19, 70178 Stuttgart
[76]
Christoph Besemer “Mediation. Vermittlung in Konflikten“, Stiftung Gewaltfreies
Leben und Werkstatt f.ür Gewaltfreie Aktion, Baden,1993
[77]
Bund für Soziale Verteidigung, Ringstr.9a, 32427 Minden; Theodor Ebert
“Soziale Verteidigung“Waldkirch 1982/3; s. auch H.-E. Bahr Hrsg “Von der
Armee zur europäischen Friedenstruppe“München 1990; “Umrüstung
- neuartige Entwürfe für eine Gesellschaft ohne Rüstung“
Wortwerkstatt, Birgit Berg (Hrsg.) 1983
[78]
Uwe Trittmann: Der lange Atem auf dem Weg der Gewaltfreiheit, in: Die Wahrheit
einer Absicht ist die Tat, J. Freise, E. Fricke (Hrsg.) Idstein, 1997;
Forum Ziviler Friedensdienst e.V., An der Linde 23, 50668 Köln, Tel.:
0221/1391816, e-mail: forumZFD@t-online.de - vgl. auch Theodor Ebert “Ziviler
Friedensdienst“ Münster 1997; “Gewaltfreie Aktion“ Nr. 89/90, 99/100,
101/102; B. Müller a.a.O.
[79]
die Militär- und Rüstungshaushalte sollen pro Jahr um 5 % gesenkt
werden. RIB e.V., Umkircher Str. 37, 79112 Freiburg, http://www.dfg-vk.de/
[80]
Film “S'Weschpenäscht. Der Widerstand gegen das AKW in Wyhl“ Medienwerkstatt,
Freiburg 1982; “Wyhl. Kein KKW in Wyhl und auch sonst nirgendwo. Betroffene
Bürger berichten“ Freiburg 1976; “Wyhl. Der Widerstand geht weiter“
Freiburg 1982; Jean “Erdchroniken“ Freiburg 1977
[81]
Burmeister/Tonnätt a.a.O.; Hertle a.a.O.
[82]
das umweltzerstörende Kanal-Großprojekt wurde ebenso wie die
Atomanlage in Malville nach dem Regierungswechsel in Frankreich Herbst
1997 abgestellt; Inf.: Les Verts France
[83]
Interview mit GunnMarie Carlsson, schwedische Pflugscharbewegung, Frauen
für Frieden Schweden
[84]
Goss-Mayr “Geschenk...” a.a.O.; Darmstädter Blätter, Heft 2/1976,
S. 4ff
[85]
Lanza del Vasto “Die Macht der Friedfertigen“ Heidelberg 1982
[86]
Prentice Mulford “Unserer Seele Kraft“ Freiburg, S. 103 (=Auszüge
aus “Unfug des Lebens und des Sterbens“)
[87]
Text eines Posters der Wortwerkstatt Poesie & Politik
[88]
vgl. Christine Schweitzer “Mir Sada. - Die Geschichte
einer misslungenen gewaltfreien Intervention in Bosnien (1993)”, in: Günther
Gugel Hrsg. “Wir werden nicht weichen“ Verein für Friedenspädagogik,
Tübingen 1996, S. 131-134 (= gekürzt aus: Gewaltfreie Aktion,
Heft 97/98, 3.+4. Quartal 1993, S. 25-30)
[89]
Albert Schmelzer “Die Arche” Waldkirch 1983, S. 57f (dort
zit. aus: Lanza del Vasto, Definitionen... a.a.O. S. 14f )
[90]
Der gewaltfreie Widerstand gegen die NS-Diktatur war insgesamt wesentlich
stärker, als allgemein bekannt ist. Günther Weisenborn (“Der
lautlose Aufstand“ Reinbek 1962) und Jacques Semelin (“Ohne Waffen gegen
Hitler - Eine Studie zum zivilen Widerstand in Europa”, Frankfurt am Main
1995) zeigen eine Fülle von gründlich recherchierten Beispielen
mit detaillierten Angaben auf . Rund 32 500 Deutsche wurden wie die Geschwister
Scholl wegen ihres Widerstands hingerichtet; schon zwischen 1933 und 1939
wurden in politischen Verfahren rd. 225 000 Männer und Frauen zu rund
600 000 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. In allen von Deutschland besetzten
Ländern gab es - teilweise erfolgreichen - Widerstand. Als 1942 in
Norwegen die von den Nazis eingesetzte Regierung Vidkun Quisling versuchte,
über die Gleichschaltung der Lehrerschaft die Nazi-Ideologie verpflichtend
einzuführen, leisteten Tausende von Lehrern im Geiste Gandhis hartnäckig
Widerstand, der auch durch härteste Zwangsarbeit nicht gebrochen wurde
und schließlich zum Erfolg führte (Richard Gregg “Die Macht
der Gewaltfreiheit” Gladenbach 1982, 4. Aufl.)
[91]
Bill Moyer “Aktionsplan für soziale Bewegungen“
Kassel 1989
[92]
Komitee für Grundrechte und Demokratie (Hrsg., Narr/Roth/Vack
Red.) “Ziviler Ungehorsam“ Sensbachtal 1992
[93]
Vladimir Slivyak in: Anti Atom Aktuell Nr. 104, Göhrde 1999
Dieser
Aufsatz wurde mit freundlicher Genehmigung durch den Herausgeber dem Buch:
"Gütekraft erforschen" entnommen. Bei Interesse bitte online (Martin.Arnold@privat.post.de)
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