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7. 4. 2003

UN-CHARTA - Weizsäcker wirft USA Rechtsbruch vor


FRANKFURT A. M., 28. März ( dpa/kna/epd). Altbundespräsident Richard von Weizsäcker hat den Irak-Krieg als Rechtsbruch bezeichnet. Die Vereinten Nationen hätten nach der UN-Charta das Monopol auf die Erlaubnis, Gewalt anzuwenden, sagte von Weizsäcker am Freitag. An dieser Charta hätten die USA mitgearbeitet. Es könne keinen Zweifel daran geben, dass der Angriff auf Irak "ein Bruch dieses Rechts ist und dass Macht an die Stelle von Recht gesetzt worden ist", sagte er.

 
Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) verurteilt den Irak-Krieg scharf. Der Krieg rüttle "gehörig an unserem westlichen alteuropäischem Wertekonsens", erklärte Thierse. Der Krieg sei nicht unvermeidlich gewesen, betonte er.

Der Mainzer Kardinal Karl Lehmann kritisierte US-Präsident George W. Bushs Umgang mit religiösen Argumenten. Der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz mahnte "mehr Sensibilität" der US-Seite bei der Berufung auf Gott, die Bibel und Religion an. Im Gegensatz zu seinem katholischen Kollegen Lehmann hob der Bischof der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Gerhard Maier, die "unberechenbare Bedrohung" hervor, die von Saddam Hussein bereits vor dem Irak-Krieg ausgegangen sei. Er warnte vor einem wachsenden Anti-Amerikanismus in Deutschland. Wer Saddam als Opfer darstelle und in Bush eine "Verkörperung des Bösen" sehe, entziehe sich der Verantwortung für den Frieden.

Auch am Freitag demonstrierten in Deutschland wieder tausende Menschen, darunter zahlreiche Schüler, gegen den Krieg in Irak. Für das Wochenende werden zehntausende Kriegsgegner zu Kundgebungen erwartet. Zwischen Münster und Osnabrück soll eine 50 Kilometer lange Menschenkette aus rund 40 000 Teilnehmern entstehen. Aktionen sind auch für Berlin, Hamburg, München und viele andere Städte geplant. In Stuttgart und Frankfurt am Main wollen Demonstranten Militäreinrichtungen blockieren.
 

Copyright © Frankfurter Rundschau am 29. März 2003

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