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Kinder- und Jugendarbeit update
vom
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Gegen den Krieg in Tschetschenien!
Durch die nationalistische Färbung des Konfliktes sieht Damier auch für den Westen wenig Möglichkeiten, auf ein Ende des Krieges hinzuwirken. Der Nato-Einsatz im Jugoslawienkrieg lieferte den russischen Nationalisten die schlagkräftigsten Argumente. Daß damit der Westen sein wahres Gesicht gezeigt habe, glaubt nach Damier nicht mehr nur eine kleine Minderheit, sondern die breite Mehrheit. Viele setzen auf das "Modell Pinochet" und erhoffen sich unter einer starken Führung mit einem möglichst liberalen Wirtschaftssystem eine bessere Zukunft. Für ihn selbst käme diese "Vision" eher einer Katastrophe gleich, während eine hoffnungsvolle Vision für Russland derzeit nicht in Sicht ist. Kleine Zeichen der Hoffnung sieht er in vertrauensbildenden Massnahmen, z.B. gegenseitigen Besuchen zwischen Menschen im Westen und Osten, um damit dem Nationalismus ein wenig den Nährboden zu entziehen. Mit seinem Besuch hat er einen Anfang gemacht. Das
folgende Interview mit Dr. Damier führte Karl Grobe*
für die Frankfurter Rundschau während seinem Aufenthalt in Frankfurt:
Denn werden Flugblätter gegen den Krieg verteilt, etwa vom Komitee der Soldatenmütter, oder Plakate von Kriegsgegnern geklebt, dann verschwinden sie bald. Manchmal werden sie mit Anmerkungen versehen. Dann "findet ein Dialog auf ihnen statt", jedoch kein erfreulicher: Die Vernichtung aller Tschetschenen werde da etwa gefordert. Die "Bekämpfung des Terrorismus" sei allgemeine Doktrin, sagt Damier, der einem starken Staat aus Grundsatz misstraut. Folglich glaubt er auch den amtlichen Statistiken über Kriegsverluste auf russischer Seite nicht. Das Komitee der Soldatenmütter - Damier räumt ein, dass auch dessen Zahlen wohl nicht vollständig sind - habe weit höhere Zahlen als die Regierung vorgelegt. Dem Komitee zufolge kamen bisher mehr als 3500 Soldaten ums Leben, mehr als 6500 wurden verwundet und rund 500 gelten als vermisst. In Gefechten wurden demnach auch rund zwei Dutzend Angehörige der gefürchteten russischen Omon-Sondertruppe getötet. Unter den Wehrpflichtigen, "die in diesem Krieg verheizt werden", kann Damier kaum eine entschiedene Dienstverweigerung wegen Moskaus hartem Vorgehen gegen Tschetschenien feststellen. Junge Russen suchen sich vielmehr dem Dienst zu entziehen, weil die allgemeinen Verhältnisse in der Armee - Rekrutenschinderei übelster Art - sich noch immer nicht verändert haben, seit vor zehn Jahren das Magazin Ogonjok am Ende der Sowjetzeit über Hunderte Fälle von Totschlag und Selbstmord berichtet hatte. Gewiss, es gebe verfassungsmäßig das Recht auf Ersatzdienst; faktisch aber gibt es Ersatzdienst nicht. Juristisch Beschlagene kommen mit dem Hinweis auf ihren Rechtsanspruch manchmal durch. Verbreiteter sei die Methode, den Musterungs- oder Gestellungsbefehl nicht, wie vorgeschrieben, persönlich entgegenzunehmen, sondern "sich unsichtbar zu machen". Andere machten sich vorsätzlich krank oder kauften sich für 1000 Dollar frei. Vor einigen Jahren seien 70 Prozent eines Jahrgangs nicht zur Armee gegangen. Aber das ist kein pazifistischer Hoffnungsschimmer. Verweigerung ist nur bei Intellektuellen in den Großstädten häufig. Nicht aber in der Provinz, wo Militärdienst noch als Ehrendienst gilt. Den zum propagandistischen Hauptfeind aufgebauten Gegner, den "Wahhabismus", habe Russlands Militäreinsatz selbst geschaffen, so Damier. Neue Clans und Kommandanten, die im Gegensatz zu den gewählten Präsidenten Dschochar Dudajew und Aslan Maschadow jeden Kompromiss mit Moskau ablehnten, hätten einen radikaleren Islam als ein Nation stiftendes Mittel eingesetzt. Doch man solle nicht verkennen, dass außer der Scharia, dem islamischen Gesetz, auch Gewohnheitsrecht (Adat) das tschetschenische Leben bestimme. Im Volk seien die radikalen Islamisten, "darunter sind auch Wahhabis", nicht verankert. Das böse Resultat des Krieges ist Damier zufolge die Radikalisierung des tschetschenischen Volkes, Hass gegen Russland auch im tschetschenischen Norden, der bis 1993 eher russlandfreundlich war, und das Aufkommen militanter warlords. Partisanenkrieg werde folgen, "der Kriegsverlauf folgt dem Drehbuch der Tschetschenen". Dann könnte die Stimmung in Russland umschlagen. Doch das ist nur eine Hoffnung, keine Gewissheit. Einen genaueren Einblick in die Hintergründe des Tschetschenien-Konfliktes gibt das im Hersbt 2001 veröffentlichte Tschetschenine-Buch von Dr. Karl Grobe. Die Friedenskooperative dokumentiert auf ihrer Homepage Auszüge aus diesem Buch. Copyright
des Interviews: © Frankfurter Rundschau 2000
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