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update vom
30. 8. 2000

Racak-Protokolle widerlegen Massaker-These

Wenige Einzel-Ereignisse haben einen nachfolgenden Krieg so beeinflußt wie die Ereignisse von Racak im Januar 1999. Der "Berliner Zeitung" und auch der Zeitschrift "Konkret" ist es gelungen, die vom deutschen Außenministerium immer noch unter Verschluß gehaltenen 40 Einzel-Autopsie-Protokolle in Kopie zu erhalten. Wie bereits beim "Hufeisenplan" stürzt mit der Veröffentlichung der Racak-Ergebnisse eine weitere Rechtfertigung der NATO zur Intervention in sich zusammen.

Der deutsche Brigadegeneral a. D. Heinz Loquai, der für die OSZE-Mission in Wien als Berater zuständig war, schreibt in seiner in der Reihe "Demokratie, Sicherheit, Frieden" vom Institut für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Universität Hamburg veröffentlichten Studie "Wege in einen vermeidbaren Krieg", Nomos-Verlagsgesellschaft Baden-Baden 2000, zum Abschluß des Racak-Kapitels:

"Eine objektive Betrachtung kann nicht umhin, das Verhalten des Leiters der KVM (Kosovo Verifikationsmission der OSZE, Anm: C.R.) als unangemessen und außerhalb aller normalen Regeln für eine Person mit diplomatischem Status im Gastland zu bewerten. Er zog mit einer Schar von Journalisten vor Ort, ließ diese frei schalten, walten und fotografieren und, wie ein Teilnehmer sagte, die Toten auch mediengerecht positionieren. Er machte keine Anstalten, die Maßnahmen zu treffen, die Dr. Ranta in ihrem Bericht als entscheidenden ersten Schritt für jede kriminaltechnische Untersuchung bezeichnete, nämlich das Absperren des Gebiets und das Verhindern unerlaubten Zugangs. Walker beschuldigte nur aufgrund des Augenscheins und der Aussagen der Dorfbewohner die jugoslawischen Sicherheitskräfte, er machte falsche Angaben zu den
Toten. Ein derartiges Verhalten hätte sich kein Staat, der ein Minimum an Selbstachtung hat, bieten lassen. Doch mit seinen vorschnellen Aussagen und Urteilen prägte Walker das Urteil anderer Organisationen und Regierungen, die seine `Feststellungen´ mit fahrlässiger Leichtgläubigkeit ungeprüft übernahmen und zu einer Grundlage ihrer Politik machten". ...

Jürgen Elsässer kommt nach der Letüre der Autopsieprotokolle zu folgendem Ergebnis:
"Nach Auswertung des vorliegenden Materials steht fest: Es gab keine »Hinrichtung« (Fischer), es gab keine »Verstümmelungen« (Walker), es gab keine Schüsse aus »extremer Nahdistanz« (Walker). Als unbewiesen muß ab sofort auch gelten, daß die Toten Zivilisten waren und daß sie alle in Racak getötet wurden. Damit ist der These vom »Massaker« die Grundlage entzogen".

Die Aufarbeitung des Jugoslawien-Krieges ist mir nach wie vor wichtig - gerade auch im Hinblick auf die noch nicht entschiedene Frage der Zukunft Montenegros. Die Rolle der deutschen Außenpolitik scheint mir einer besonderen Untersuchung wert. Die Demokratie in Deutschland hat vor, während und auch noch nach diesem Krieg m.E. einen Schaden genommen, von dem sie sich so schnell nicht erholen wird. Dies gilt es zu thematisieren, z.B. auch bei bevorstehenden Gedenktagen wie dem 1.9.2000 (Antikriegstag).

Mit solidarischen Grüßen

Clemens Ronnefeldt, 
Referent für Friedensfragen beim deutschen Zweig des intern. Versöhungsbundes

P.S. Den vollständigen Artikel "GEHEIMAKTE RACAK" (Konkret 5/00 - 01.05.00)
von Jürgen Elsässer sende ich auf Wunsch per e-mail gerne zu.

E-mail: BuC.Ronnefeldt@t-online.de


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