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Kinder- und Jugendarbeit . update vom 23. 2. 2003 |
NEIN ZUM ANGRIFFSKRIEG! - GEGEN KRIEG UND DIKTATUR!
Jürgen Grässlin
Liebe Friedensfreundinnen und -freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen, heute, am 22. Februar 2003, haben wir uns hier in Mannheim versammelt, weil wir befürchten, dass die USA und einige verbündete Regierungen einen Angriffskrieg gegen den Irak führen werden. Und wir wissen, aus welchen Gründen George W. Bush diesen Krieg will: KRIEG 1. Nach den Terroranschlägen
vom 11. September 2001 schmiedete der US-Präsident das Staatenbündnis
gegen Terror. Er wollte Al-Qaida-Führer Usama bin Laden „tot oder
lebend“ haben, erklärte den Iran, Irak und Nordkorea zur „Achse des
Bösen“ und entmachtete das Taliban-Regime in Afghanistan. Doch die
eigentlichen Kriegsziele wurden bis heute nicht im Ansatz erreicht: Das
Al-Qaida-Netz funktioniert noch immer, bin Laden ist weiterhin auf freiem
Fuß und Afghanistan bis heute nicht befriedet. Genau aus diesem Grund
hat die Bush-Regierung den wirtschaftlich wie militärisch schwachen
Irak zum Hauptfeind der USA erklärt – nicht aber das militärisch
starke Nordkorea. Dabei geht von Nordkorea – im Gegensatz zum Irak – eine
ernst zu nehmende Bedrohung des Weltfriedens aus. Der Grund für das
Vorgehen der US-Regierung liegt auf der Hand: Im Vorfeld des Wahlkampfs
zu den 2004 stattfindenden Präsidentschaftswahlen benötigt Bush
schnelle und sichtbare Erfolge.
KRIEG 2. Im zweiten Golfkrieg bombardierte
eine Militärallianz von rund 30 Staaten unter Führung der US-Army,
die den Einsatzbefehl von US-Präsident George Bush erhalten hatte,
zivile wie militärische Ziele im Irak und in Kuwait. Die Operation
„Desert Storm“ endete im Januar 1991 mit der militärischen Niederlage
der irakischen Armee. Allerdings unterließ die US-Army auf Geheiß
der UNO die Einnahme Bagdads. Saddam Hussein blieb im Amt und provozierte
fortan US-Präsident George Bush. Nichts wäre seinem Sohn George
Walker Bush lieber, als die damalige Familienschmach heute mit einer militärischen
Intervention und dem Sieg über Saddam Hussein zu beenden.
KRIEG 3. Nach dem zweiten Golfkrieg sollte
der Irak sämtliche Massenvernichtungswaffen sowie seine ballistischen
Flugkörper mit einer Reichweite von mehr als 150 Kilometern vernichten.
Doch die USA äußerten Zweifel daran, ob die irakische Regierung
diesen Beschluss der Vereinten Nationen vollständig umgesetzt habe.
Am 8. November 2002 verabschiedete der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen
seine Resolution 1441. In ihrem im Januar 2003 vorgelegten Zwischenbericht
konnten Mohamed El-Baradei, Leiter der Internationalen Atomenergie-Organisation
(IAEO), und UN-Chefinspektor Hans Blix nach 60-tägiger Recherche allenfalls
die mangelnde Unterstützung seitens des Iraks bei den Waffeninspektionen
beklagen, vor der UNO jedoch keine schlüssigen Beweise für die
Existenz irakischer Massenvernichtungsmittel vorlegen.
Die Tatsache verwundert nicht, wenn man weiß, dass der US-Regierung zahlreiche Politiker angehören, die früher für die Erdölindustrie gearbeitet haben. So war George W. Bush von 1978 bis 1984 Manager der Ölfirmen Arbusto – Bush-Exploration und von 1986 bis 1990 von Harken. „Ja, es geht ums Öl“, kommentierte der New York Times-Kolumnist Thomas Friedman offen und ehrlich. Wir sagen entschieden NEIN zu einem Krieg für Öl! KRIEG 5. Schon im zweiten Golfkrieg hatte
hauptsächlich die Zivilbevölkerung gelitten, rund 100 000 Iraker
– vornehmlich Zivilisten – kamen bei den Militärangriffen ums Leben.
Das US-Embargo gegen den Irak hat in den vergangenen Jahren bittere Not
und Hunger unter der Zivilbevölkerung ausgelöst, Hunderttausende
Kinder sind bereits gestorben, der Hass im Irak ist gewachsen – allen voran
gegen die USA.
KRIEG 6. Früh und scheinbar erfreulich
deutlich hatte sich die Rot-Grüne Bundesregierung festgelegt: „Unter
meiner Führung wird sich Deutschland an einer militärischen Intervention
nicht beteiligen“, so Gerhard Schröder. Mit uns demonstrieren heute
viele SPD- und GRÜNEN-Mitglieder. Ich würde mich freuen, wenn
sie dem Bundeskanzler und dem Bundesaußenminister Mut zusprechen,
zu seinem Wort zu stehen. Dabei dürfen wir nicht verschwiegen, dass
Anspruch und Wirklichkeit - entgegen der allgemeinen Friedensrhetorik –
weit auseinanderklaffen.
KRIEG 7. Völkerrechtler sehen in der
UN-Resolution 1441 keine Legitimation eines Angriffskriegs gegen den Irak
und damit einen drohenden Bruch des Völkerrechts. Auch ältere
Resolutionen können mittlerweile nicht mehr angeführt werden.
Der NATO-Vertrag und dessen Zusatzabkommen reichen nicht zur Begründung
eines Angriffskrieges gegen den Irak. Sollte keine zweite UN-Resolution
einen Angriff gegen den Irak legitimieren, würden die USA und ihre
Alliierten einen völkerrechtswidrigen Krieg führen.
FRIEDEN 1. Völlig unstrittig hat das Regime von Saddam Hussein schwerste Menschenrechtsverletzungen begangen – und es begeht sie weiterhin. Zu Recht beklagt Amnesty International die Praxis des „Verschwindenlassens, extralegale Hinrichtungen und andere Formen staatlichen Mords, Massenmord an Zivilisten unter Einsatz chemischer Waffen, systematische Folter“ sowie die „Rekrutierung von Kindern in die bewaffneten Streitkräfte“. Keine Frage: Saddam Hussein ist ein Massenmörder, dessen Terrorregime sich vor allem gegen politische Oppositionelle und die irakischen Kurden richtet, aber auch Nachbarländer wie den Iran und Kuwait bedroht. In vielen Stellungnahmen haben deutsche Friedensorganisationen ihre Solidarität mit den Not leidenden Menschen bekundet, seit Jahren fordern wir einen demokratischen Wandel im Irak. Doch dieser kam bislang auch deshalb nicht zustande, weil das Regime in Bagdad russische und US-amerikanische Waffen – sowie deutsches Know-how – erhielt. Wir sagen entschieden NEIN zu Waffenlieferungen an den Irak und seine Nachbarländer. Aber wir sagen entschieden JA zu einem demokratischen Wandel mit demokratischen Mitteln im Irak! FRIEDEN 2. Soll der Krieg gegen den Irak
tatsächlich dem Kampf gegen den Terror dienen, so ist er das falscheste
aller möglichen Mittel. Wer Krieg gegen den Irak führt, gießt
Öl ins Feuer des internationalen Terrorismus. Mit den Opfern erwachsen
neue Märtyrer, wird neuer Hass gesät, werden neue Terroristen
geschaffen. Militärisch gesehen ist der Irak eine schwache Nation,
die Niederlage auf dem Schlachtfeld eine Frage der Zeit. Seine Stärke
liegt allenfalls in einem Heer von Selbstmordattentätern, die in den
Jahren danach weltweit Attentate verüben und damit ihrerseits neuen
Hass säen werden. Aus dem Krieg gegen den Irak droht ein Flächenbrand
zu werden, der sich nicht löschen lassen wird. Die Eskalationsgefahr
ist unkontrollierbar. Wer dem international wachsenden Terrorismus den
Boden entziehen will, muss den Hunger und die Armut bekämpfen, muss
Schulen, Krankenhäuser und Altenpflegeheime bauen.
FRIEDEN 3. Erst eine gerechte Weltwirtschaftsordnung
– bislang von den Regierungen der reichen Staaten und Multis mit Erfolg
verhindert – würde den Wandel zum Positiven bringen. Allein die auf
50 bis 200 Milliarden US-Dollar veranschlagten Kriegskosten wären
als Entwicklungshilfegelder eine entscheidende Investition in den Frieden!
Auch Sozial-, Gesundheits-, Bildungs- und Flüchtlingsausgaben dienen
dem inneren und dem äußeren Frieden.
FRIEDEN 4. Nehmen wir die Charta
der Vereinten Nationen und unser Grundgesetz auch nur im Ansatz ernst,
so muss den UN-Waffeninspekteure die Zeit gegeben werden, die sie brauchen.
Und sollten doch noch Waffen im Irak gefunden werden, dann müssen
diese unter UN-Aufsicht vernichtet werden.
FRIEDEN 5: Um es deutlich zu sagen: Wir
hegen keinen Antiamerikanismus. Ganz im Gegenteil: Wir unterstützen
Millionen von Friedensfreundinnen und –freunden in den USA. George W. Bush
und die US-Regierung aber betrachten Krieg als ein Mittel der Politik.
Gemäß der neuen Kriegsstrategie wollen die USA vier Kriege gleichzeitig
führen können. Wir dagegen wenden uns gegen jeden Krieg. Krieg
darf nie die Ultima Ratio - nie das letzte Mittel sein – sein.
Die einzig legitime Antwort auf die Kriegstreiberei
der US-Regierung ist der Pazifismus. Deshalb fordern wir - im Schulterschluss
mit der internationalen Friedensbewegung, darunter vielen Gruppen in den
USA, in Großbritannien, Spanien und anderen Ländern, in denen
die Mehrzahl der Menschen gegen den Einsatz militärischer Mittel ist:
Jürgen Grässlin ist Bundessprecher der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK), Sprecher des Deutschen Aktionsnetz Kleinwaffen Stoppen (DAKS) und Vorstandsmitglied des RüstungsInformationsBüro (RIB e.V.); als Buchautor veröffentlichte er zahlreiche Bücher über Fragen der Rüstungsindustrie und des Rüstungsexports, der Friedens- und Militärpolitik sowie die international vielbeachteten Biografien der Manager Jürgen E. Schrempp und Ferdinand Piëch. Sein jüngstes Werk „Versteck dich, wenn sie schießen“ handelt von den Opfern deutscher Kleinwaffen (Droemer Verlag, März 2003) Kontakt: Tel. 0761-76 78-208, Fax: -209;
j.graesslin@gmx.de
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