Kinder-
und
Jugendarbeit
.
update
vom
14.
10. 2002
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Ehemaliger
US-Justizminister warnt die Vereinten Nationen
Ramsey Clark appelliert
an die Vereinten Nationen, den Irak-Krieg aufzuhalten
20. September 2002
Sehr geehrter Herr Generalsekretär
Annan,
George Bush will in den Irak
einmarschieren, wenn er nicht durch die Vereinten Nationen daran gehindert
wird.
Weitere internationale Organisationen
wie die Europäische Union, die Afrikanische Union, die OAS, die Arabische
Liga, selbstbewusste Nationen, die genügend Mut haben, ihre Stimme
gegen die Aggression einer Supermacht zu erheben, internationale Friedensbewegungen,
politische Führer und die öffentliche Meinung in den Vereinigten
Staaten müssen auch ihren Teil zum Frieden beitragen.
Wenn die Vereinten Nationen
sich einer Invasion des Irak durch die USA nicht widersetzen, büßen
sie ihre Ehre, Integrität und Daseinsberechtigung ein. Ein militärische
Angriff auf den Irak ist offensichtlich verbrecherisch, völlig unvereinbar
mit den dringenden Bedürfnissen der Völker der Vereinten Nationen,
auf legaler oder moralischer Grundlage nicht zu rechtfertigen, angesichts
der bekannten Tatsachen unvernünftig, unverhältnismäßig
gegenüber anderen vorhandenen Bedrohungen durch Krieg und Gewalt und
darüber hinaus ein gefährliches Abenteuer, mit dem man einen
dauerhaften Konflikt in der Region und weit darüber hinaus für
künftige Jahre heraufbeschwört. Es muss sorgfältig untersucht
werden, warum die Welt einer solchen Gewaltdrohung durch ihre einzige Supermacht
ausgesetzt ist, einer Macht, die uns sicher und entschieden auf dem Weg
zum Frieden vorausgehen könnte, und es muss untersucht werden, wie
die UN die menschliche Tragödie eines weiteren Angriffs auf den Irak
verhindern könnten und damit einen starken Anstoß für Vergeltungsmaßnahmen
des Terrorismus, den ein solcher Angriff erzeugen würde.
1.
Präsident George Bush war von Anfang an dazu entschlossen, den Irak
anzugreifen und dessen Regierung abzusetzen
George Bush beeilt sich
mit seinem Vorhaben, damit der Krieg bald stattfindet und nicht mehr aufzuhalten
ist. Am letzten Freitag sagte er, dass er nicht daran glaube, dass der
Irak UN-Inspektoren zulassen werde. Er reagierte auf die umgehende bedingungslose
Akzeptanz des Irak, indem er jedes Eingehen darauf als "falsche Hoffnung"
bezeichnete und versprach, den Irak alleine anzugreifen, wenn die UN nicht
handelten. Er ist von dem Wunsch besessen, einen Feldzug gegen den Irak
zu führen und eine Ersatzregierung zu errichten, die den Irak mit
Gewalt regiert. Einige Tage nach der aggressivsten Ansprache vor den Vereinten
Nationen, die jemals gehalten worden ist - ein nie dagewesener Angriff
auf die Charta der Vereinten Nationen, die Geltung des Gesetzes und das
Verlangen nach Frieden - kündigten die USA an, dass sie ihre erklärten
Ziele der letzten elf Jahre geändert hätten. Es gehe nicht mehr
um die Vergeltung für die Bedrohung von und Angriffe auf Flugzeuge
der USA, die täglich gesetzwidrig den irakischen Luftraum verletzen.
Wie ernst konnten diese Bedrohungen und Angriffe wohl gewesen sein, wenn
niemals auch nur ein einziges Flugzeug getroffen wurde? Dagegen wurden
Hunderte von Menschen im Irak durch Raketen und Bomben der USA getötet,
und zwar nicht nur in der so genannten "flugfreien Zone", sondern in Bagdad
selbst. Jetzt erklären die USA ihre Absicht, die wichtigsten Militäreinrichtungen
im Irak zu zerstören, als Vorbereitung auf die Invasion. Das ist eine
klare Ankündigung militärischer Aggression. Täglich gibt
es neue Drohungen, und weitere Propaganda wird eingesetzt, um den Widerstand
gegen Bushs Kriegstreiberei zu überwinden. Das wird so weitergehen,
bis schließlich die Panzer rollen, wenn die Überzeugungskraft
für Gewaltfreiheit das nicht verhindert.

2.
George Bush führt die Vereinigten Staaten in eine weltweite Gesetzlosigkeit
endloser Kriege und nimmt die UN und alle anderen Nationen dorthin mit.
George Bush hat für
seinen Krieg gegen den Terrorismus das Recht behauptet, jedes beliebige
Land, jede Organisation oder Person zuerst, ohne Warnung und nach seinem
eigenen Ermessen anzugreifen. Er und seine Verwaltungsbeamten haben erklärt,
dass die bisher gültigen Einschränkungen, die die Gesetze aggressiven
Handlungen durch die Regierung und der Unterdrückung der Bürger
entgegensetzen, mit nationaler Sicherheit nicht mehr zu vereinbaren seien.
Der Terrorismus ist eine
solche Gefahr, sagen sie, dass die "Notwendigkeit" die USA zwingt, präventiv
zuzuschlagen, um das Potential für terroristische Handlungen zu zerstören,
die vom Ausland aus ausgeführt werden könnten. Ebenso werden
willkürliche Verhaftungen, Einkerkerungen, Verhöre, Kontrollen
und (ungesetzliche) Behandlungen von Menschen innerhalb und außerhalb
der USA begründet. Die Gesetze sind zum Feind der öffentlichen
Sicherheit geworden.
Notwendigkeit ist ein Argument
von Tyrannen! "Notwendigkeit bringt ein schlechtes Geschäft." Heinrich
Himmler, der die Gestapo der Nationalsozialisten instruierte: "Zuerst schießen
und dann Fragen stellen; ich werde euch decken", wird von George Bush übertroffen.
Wie die von Jorge Luis Borges
im "Deutschen Requiem" beschriebenen Deutschen hat George Bush sich jetzt
zu "Gewalt und dem Glauben ans Schwert bekannt", ebenso wie Nazideutschland
es tat. Und, so schrieb Borges, es tat dem Glauben an das Schwert keinen
Abbruch, dass Deutschland besiegt wurde. "Wichtig ist, dass jetzt die Gewalt
regiert." Zwei Generationen von Deutschen haben diesen Glauben verworfen.
Ihre Beharrlichkeit bei der Verfolgung des Zieles Frieden wird sich überall
den Respekt der folgenden Generationen verdienen.
Den Völkern der Vereinten
Nationen droht durch George Bushs Krieg gegen den Terrorismus und seine
Entschlossenheit, in den Irak einzumarschieren, das Ende des internationalen
Rechts und des Schutzes der Menschenrechte. Seitdem George Bush dem Terrorismus
den Krieg erklärte, erheben auch andere Länder den Anspruch auf
Präventivschläge. Indien und Pakistan brachten die Erde und ihre
eigenen Bürger einem nuklearen Konflikt näher denn je seit dem
Oktober 1962. Das war eine direkte Folge des Anspruchs der USA auf das
unumschränkte Recht, Terroristen zu verfolgen und zu töten oder
Nationen anzugreifen, die Terroristen beschützen. Die USA stützten
sich dabei einseitige auf ihre eigene Entscheidung, ohne die Vereinten
Nationen oder ein Gericht zu konsultieren und ohne eindeutige Fakten vorzulegen,
und behaupteten, ihre Angriffsziele seien Terroristen und sie würden
sich nur auf sie beschränken.
Auf der Grundlage von George
Bushs Machtanspruch im Krieg gegen den Terrorismus gibt es jetzt schon
einen fast epidemisch verbreiteten Anspruch auf das Recht, andere Nationen
anzugreifen oder die Menschenrechtsverletzungen gegen die eigenen Bürger
zu verschlimmern. Mary Robinson hat in ihrer verhalten mutigen Rede aus
Anlass der Beendigung Ihrer Amtszeit als Hohe Kommissarin für Menschenrechte
der UN davon gesprochen, dass der Anspruch der USA auf einen Präventivschlag
und die Aufhebung des Schutzes der fundamentalen Menschenrechte einen Schneeballeffekt
habe.
Am 11. September 2002 beanspruchte
Kolumbien, dessen neue Verwaltung stark von den USA unterstützt wird,
"eine neue Ermächtigung, Verdächtige ohne Haftbefehl festzunehmen
und Gebiete zu militärischen Kontrollzonen zu erklären", außerdem
"zusätzliche Kräfte, die die Telefonüberwachung ermöglichen
und den Zugang von Ausländern zu Konfliktzonen einschränken.
Sicherheitsbeamte erhalten das Recht, jederzeit ohne Haussuchungsbefehl
Häuser und Büros zu durchsuchen, wenn sie jemanden für verdächtig
halten." Zu diesen zusätzlichen Bedrohungen der Menschenrechte kommen
nach dem 11. September 2002 noch die "Notfall"-Pläne, nach denen für
eine Bevölkerung von vierzig Millionen Bürgern ein Netzwerk von
einer Millionen Informanten aufgebaut werden soll. (Vgl. New York Times,
12. September 2002, p. A7.)
3.
Die USA und nicht der Irak sind die größte Einzelbedrohung für
die Unabhängigkeit und den Zweck der Vereinten Nationen
Präsident Bushs Behauptung,
der Irak bilde eine den Krieg rechtfertigende Bedrohung, ist falsch. Achtzig
Prozent der Militärkapazität des Irak wurde, dem Pentagon zufolge,
1991 zerstört. Neunzig Prozent von Material und Einrichtungen, die
zur Herstellung von Massenvernichtungswaffen benötigt werden, wurden
während der mehr als acht Jahre dauernden Inspektion von den Inspektoren
der UN zerstört. 1990 war der Irak, verglichen mit den meisten seiner
Nachbarn, noch stark. Heute ist er schwach. Eins von vier im Irak lebend
geborenen Kindern wiegt bei seiner Geburt weniger als 2000 Gramm, was ein
kurzes Leben, Krankheit und beeinträchtigte Entwicklung erwarten lässt.
1989 war es nur eins von zwanzig. Die Bedrohung des Friedens, die vom Irak
ausgehen kann, ist gering, viel geringer als die durch viele andere Nationen
und Gruppen, und kann einen gewaltsamen Angriff auf das Land nicht rechtfertigen.
Ein Angriff auf den Irak macht Vergeltungsangriffe auf die USA und Staaten,
die deren Aktionen unterstützen, auf Jahre hinaus viel wahrscheinlicher.
George Bush erklärt
den Irak zu einer Bedrohung der Autorität der Vereinten Nationen,
während die von den USA erzwungenen UN-Sanktionen die Sterblichkeitsrate
des irakischen Volkes immer weiter erhöhen. Sei zwölf Jahren
bewegen sich die Zahlen der durch die Sanktionen verursachten Sterbefälle
auf dem Niveau eines Völkermordes. Die Rolle, die die UN bei den Sanktionen
gegen den Irak spielt, kompromittiert und befleckt die Integrität
und die Ehre der UN. Das alles trägt dazu bei, dass der Widerstand
der UN gegen einen Krieg jetzt umso wichtiger ist.
Die Inspektionen werden seit
acht Jahren als Vorwand dafür benutzt, die Sanktionen fortzusetzen,
während täglich Tausende von irakischen Kindern und alten Menschen
an den Folgen der Sanktionen sterben. Der Irak ist das Opfer der kriminellen
Sanktionen, die schon 1991 hätten aufgehoben werden müssen. Für
jeden Menschen, der am 11. 9. 2001 durch den terroristischen Akt in den
USA starb, starben 500 Menschen im Irak an den Folgen der Sanktionen.
Die USA gefährden nicht
nur die Autorität der Vereinten Nationen, sondern auch ihre Unabhängigkeit,
ihre Integrität und (die Hoffnung auf) ihre Wirksamkeit. Die USA zahlen
ihre UN-Beiträge falls, wann und in der Höhe, wie sie wollen.
Sie zwingen Mitglieder der UN dazu, im Interesse der USA zu stimmen. Sie
zwingen dem Sekretariat die Wahl der personellen Besetzung auf. Sie traten
wieder der UNESCO bei, um nach 18 Jahren des Widerstandes gegen deren Zwecke,
sich zeitweilig beliebt zu machen. Sie schleusen Spione in die Inspektionsteams
ein. Die USA haben Verträge über die Kontrolle von Kernwaffen
und ihre Weitergabe abgelehnt, sie haben gegen das Protokoll gestimmt,
das eine Stärkung der Konvention über biologische Waffen ermöglichen
sollte, sie haben den Vertrag zur Ächtung von Landminen abgelehnt,
sich darum bemüht, seine Entstehung zu verhindern, und damit den Internationalen
Gerichtshof in seiner Wirksamkeit eingeschränkt und die Kinder-Konvention
und das Verbot, Kinder im Krieg einzusetzen, zunichte gemacht. Die USA
haben sich mehr oder weniger allen internationalen Bemühungen, Krieg
zu kontrollieren und zu beschränken, die Umwelt zu schützen,
Armut zu vermindern und die Gesundheit zu schützen, widersetzt.
George Bush nennt zwei Invasionen
des Iraks in andere Länder in den letzten 22 Jahren. Er ignoriert
die vielen Fälle von Invasionen und Angriffen der USA auf andere Länder
in Afrika, Asien und den beiden Amerikas in den letzten 220 Jahren, und
die permanente Beschlagnahmung des Landes der amerikanischen Ureinwohner
und anderer Nationen, in Ländern wie Florida, Texas, Arizona, New
Mexiko, Kalifornien und Puerto Rico neben vielen anderen, die durch Gewalt
und Drohungen beschlagnahmt wurden.
In denselben 22 Jahren griffen
die USA die folgenden Staaten direkt an: Grenada, Nikaragua, Libyen, Panama,
Haiti, Somalia, Sudan, Irak, Jugoslawien, Afghanistan und andere. Außerdem
unterstützen sie Angriffe und Einmärsche anderer Staaten in Europa,
Asien, Afrika und den beiden Amerikas.
Man tut gut daran, sich zu
erinnern, dass die USA 1983 nach einem Jahr der Drohungen das kleine Grenada
besetzten, dabei Hunderte von Zivilisten töteten und die kleine psychiatrische
Klinik zerstörten, wobei viele Patienten starben. In einem Überraschungsangriff
auf die schlafenden und wehrlosen
Städte Tripolis und
Benghazi töteten die USA 1986 Hunderte von Zivilisten und beschädigten
vier Botschaften. Im August 1998 schossen sie 21 Tomahawk Raketen auf die
pharmazeutische Anlage El Shifa in Khartoum ab, wobei sie die Hälfte
der dem sudanesischen Volk zur Verfügung stehenden Medizin vernichteten.
Seit Jahren kämpfen US-amerikanische Streitkräfte in Uganda und
im Südsudan gegen die sudanesische Regierung. Die USA haben seit dem
Golfkrieg den Irak bei vielen Gelegenheiten bombardiert, auch noch diese
Woche, wobei Hunderte von Menschen getötet wurden, ohne dass ein angreifendes
Flugzeug abgeschossen oder auch nur beschädigt worden wäre.

4.
Warum hat George Bush entschieden, dass die USA den Irak angreifen müssen?
Es gibt keine vernünftige
Grundlage dafür zu glauben, dass der Irak eine Bedrohung für
die Vereinigten Staaten oder irgendein anderes Land darstelle. Der Grund
dafür, den Irak anzugreifen, muss anderswo liegen.
Als Gouverneur von Texas
führte George Bush den Vorsitz bei mehr Hinrichtungen als irgendein
anderer Gouverneur der Vereinigten Staaten, seit 1976 die Todesstrafe wieder
eingeführt worden war (nach einer Pause seit 1967). Er zeigte denselben
Eifer, den er jetzt für einen "Regimewechsel" im Irak zeigt, als er
die Hinrichtungen von Minderjährigen, Frauen, geistig Behinderten
und Ausländern zu verantworten hatte. Das in der Wiener Konvention
über diplomatische Beziehungen festgelegte Recht, dass die Verhaftung
von Ausländern der diplomatischen Vertretung ihres Landes mitgeteilt
werden müsse, wurde verletzt. Der oberste Gerichtshof der USA stellte
fest, dass die Hinrichtung eines geistig Behinderten eine grausame und
unübliche Strafe darstelle und gegen die Verfassung der USA verstoße.
George Bush tritt den Vereinten Nationen jetzt mit denselben Wertvorstellungen
und demselben Eigensinn entgegen.
Seine Motive sind vielleicht
auch dadurch bestimmt, dass er seine Präsidentschaft, die eine gesunde
Wirtschaft und einen Haushaltsüberschuss in einen Verlust von mehreren
Billionen Dollar verkehrt hat, retten will, dass er einen Traum verwirklichen
will, der ein Albtraum werden wird, den Traum von einer neuen Weltordnung,
die den besonderen Interessen der USA dienen soll, dass er allgemeinen
Groll gegen den Irak schüren will, dass er eine arabische Nation nach
der anderen schwächen will, dass er eine moslemische Nation schlagen
will, um den Islam zu schwächen, dass er Israel schützen oder
ihm in der Region zu mehr Dominanz verhelfen will, dass er sich die Kontrolle
über das irakische Öl sichern will, um die Interessen der USA
zu stärken, in Zukunft über das Öl in der Region zu bestimmen
und die Ölpreise zu kontrollieren. Kriegshandlungen gegen den Irak
aus irgendeinem dieser Beweggründe sind kriminell und ein Verstoß
gegen eine große Anzahl internationaler Konventionen und Gesetze,
darunter die Resolution der Generalversammlung über die Definition
von Aggression vom 14. Dezember 1974. Neben einer großen Anzahl von
Tyrannen brachten die Regimeveränderungen durch die USA bisher Staatsoberhäupter
wie den Schah im Iran, Mobuto im Kongo und Pinochet in Chile an die Macht,
die alle drei die demokratisch gewählten Staatsoberhäupter ersetzten.

5.
Eine vernünftige Politik, die dazu angetan ist, die Bedrohung durch
Massenvernichtungswaffen in Nahost zu vermindern, muss auch Israel berücksichtigen
Eine Politik der UN oder
der USA, die die Feinde der USA zu Angriffszielen erklärt, ist kriminell
und kann nur Hass, Zersplitterung und Terrorismus verstärken und zum
Krieg führen. Die USA zahlen Israel pro Kopf mehr Unterstützung,
als das Prokopfeinkommen (aus allen Einnahmequellen) im gesamten Afrika
südlich der Sahara beträgt. Die von den USA erzwungenen Sanktionen
haben das Prokopfeinkommen der Menschen im Irak um 75 % dessen gesenkt,
was sie 1989 hatten. Das Prokopfeinkommen in Israel war in den letzten
zehn Jahren etwa 12mal so hoch wie das der Palästinenser.
Israel verstärkt seine
jahrzehntelangen Angriffe auf das palästinensische Volk, indem es
George Bushs Kriegserklärung gegen den Terrorismus als Entschuldigung
dafür benutzt, unterschiedslos große und kleine Städte
der Westbank und in Gaza zu zerstören und mehr Land zu annektieren.
Damit verstößt Israel gegen internationales Recht und die wiederholten
Resolutionen des Sicherheitsrats und der Generalversammlung.
Israel hat ein Waffenarsenal
von Hunderten von nuklearen Sprengköpfen amerikanischer Bauart, ausgeklügelte
Raketen, die auf eine Entfernung von einigen tausend Kilometern genau treffen
können, und Verträge mit den USA, gemeinsam mit den USA noch
ausgeklügeltere Raketen und andere Waffen zu entwickeln.
Massenvernichtungswaffen
in der Hand einer einzigen Nation in einer Region mit einer Geschichte
voller Feindseligkeiten befördern den Rüstungswettlauf und damit
den Krieg. Die UN müssen etwas unternehmen, um alle Massenvernichtungswaffen
zu reduzieren und zu zerstören. Sie dürfen sich nicht der Forderung
beugen, die "Bösen" und "Feinde" der Supermacht zu bestrafen, die
die größte Menge solcher Waffen besitzt und darüber hinaus
die Fähigkeit, sie anzuwenden.
Israel hat ungestraft seit
vierzig Jahren mehr UN-Resolutionen ignoriert oder gegen sie verstoßen
als jede andere Nation.
Der Verstoß gegen
Resolutionen des Sicherheitsrats kann in Friedenszeiten, und wenn es keine
Bedrohung durch einen unmittelbar bevorstehenden Angriff gibt, kein Grund
für die UN sein, einen Angriff auf eine Nation oder ein Volk gutzuheißen,
sondern die Bemühungen, die Resolutionen des Sicherheitsrates gegen
alle Nationen, die gegen sie verstoßen, durchzusetzen, müssen
vergleichbar sein.
6.
Die Alternative ist Krieg oder Frieden
Die UN und die USA müssen
den Frieden suchen und nicht den Krieg. Ein Angriff auf den Irak könnte
die Büchse der Pandora öffnen, aus der das Übel entweicht,
das die ganze Welt zu Jahrzehnten sich ausbreitender Gewalt verdammt. Frieden
ist nicht nur möglich; er ist unumgänglich notwendig angesichts
der menschlichen Fähigkeit zur Zerstörung des Planeten und der
menschlichen Art, zu der es Wissenschaft und Technik gebracht haben.
Wenn es George Bush mit oder
ohne Zustimmung der UN erlaubt wird, den Irak anzugreifen, wird er zum
öffentlichen Feind Nummer Eins und die UN schlimmer als überflüssig.
Die UN würden zu Komplizen in Kriegen, zu deren Beendigung sie einmal
gegründet wurden. In dem Fall werden die Völker der Erde einen
Neubeginn suchen müssen, wenn sie die Hoffnung behalten wollen, eines
Tages die Geißel des Krieges zu zerbrechen.
Dies ist ein entscheidender
Augenblick für die Vereinten Nationen. Werden sie stark, unabhängig
und treu zu ihrer Charta, internationalem Recht und ihren erklärten
Zielen stehen, oder werden sie einen Krieg gegen die Wiege unserer
Kultur stillschweigend dulden
und sich dem Druck der Supermacht beugen, die uns in eine Welt ohne geltendes
Recht führt?
Lassen Sie es nicht so weit
kommen!
Hochachtungsvoll Ramsey Clark
Obiger Brief des ehemaligen
Bevollmächtigten der USA General Ramsey Clark wurde allen Mitgliedern
des UN Sicherheitsrates zugeschickt. Kopien gingen an die UN Generalversammlung.
Der BSV hat diesen Brief
übersetzt (Dank an Ingrid von Heiseler) und stellt Ihnen den Text
als unautorisierte Übersetzung zur Verfügung. Wir bitten Sie,
diesen wichtigen, kritischen Text zur Kenntnis zu nehmen, ihn bei Möglichkeit
weiterzuleiten und ihn bei eventuellen, zukünftigen Argumentationen
zu benutzen. "Nichts ist besser als eine Anti-Kriegspropganda aus dem kriegführenden
Land selbst."
Bund für Soziale Verteidigung,
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