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Jesus Christus - das Leben der Welt
Auszüge aus der ÖRK-Vollversammlung in Vancouver 1983

Angesichts der atomaren Hochrüstung und damit der Bedrohung jeglichen Lebens Anfang der 80er Jahre kam die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen im Jahre 1983 in Vancouver unter der Hoffnung und Gewissheit zusammen, dass Jesus Christus als Gott des Lebens  Kraft für die Überwindung der Lebens-Krise gibt. Die Texte der Versammlung sprechen aus einem prophetischen Geist. Aus dieser Versammlung entstand zunächst der Wunsch nach einem Friedenskonzil der Kirchen, der später im sogenannten "Konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" mündete.
Wir dokumentieren Auszüge zu Friedensfragen nach dem Bericht aus Vancouver 1983, Offizieller Bericht der Sechsten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen, 24. Juli bis 10. August 1983 in Vancouver/Kanada, Herausgegeben von Walter Müller-Römheld, Verlag Otto Lembeck, Frankfurt am Main 1983, 338 S., ISBN 3 87476 212 2, S. 160 - 168)

V. Schlußbemerkungen

23. Christus regiert die Welt. Sein Volk ist berufen, an seinem Kampf gegen die dämonischen Mächte teilzunehmen.

24. Die Kirchen sind aufgerufen, ein unerschütterliches und treues Zeugnis abzulegen. Als Verbündete derjenigen, die sich für Freiheit einsetzen, müssen die Kirchen Zeugnis ablegen vom Reich des Lammes und müssen zu einem untrüglichen Zeichen der Hoffnung in der Welt werden.

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VI. Empfehlungen an die Kirchen für ökumenisches Handeln

25. Zusammenkommen in einem Bund

a) Die Kirchen sollten auf allen Ebenen - Gemeinden, Diözesen und Synoden, Netzwerken christlicher Gruppen und Basisgemeinschaften - zusammen mit dem ÖRK in einem konziliaren Prozeß zu einem Bund zusammenfinden:
  • um Christus, das Leben der Welt, als den Herrn über die Götzen unserer Zeit zu bekennen, als den guten Hirten, der seinem Volk und der ganzen Schöpfung "Leben und Leben in seiner ganzen Fülle" bringt;
  • um den dämonischen Mächten des Todes zu widerstehen, die dem Rassismus, dem Sexismus, der Klassenherrschaft, der Unterdrückung der Kasten und dem Militarismus innewohnen;
  • um die Mißstände in der Wirtschaftsordnung, der Wissenschaft und der Technologie zu verurteilen, die den Mächten und Gewalten gegen das Volk dienen.
b) Wir sollten uns eindeutig zu diesem Bund für Gerechtigkeit und Frieden verpflichten, wie Delegierte aus Mittelamerika und aus den USA dies hier in Vancouver bereits getan haben, um damit ein Zeichen für den Widerstand gegen jede Form der Unterdrückung zu setzen und um auf dem Weg zu Frieden in Gerechtigkeit einen Schritt vorwärts zu kommen.

c) Wir sollten die häretischen Kräfte verwerfen, die den Namen Christi oder die Bezeichnung "christlich" dazu mißbrauchen, die Mächte des Todes zu rechtfertigen.
 

5.1. Erklärung zu Frieden und Gerechtigkeit

1. Die Menschheit lebt heute im Schatten eines Wettrüstens, das intensiver, und Unrechtssystemen, die weiter verbreitet, gefährlicher und kostspieliger sind, als die Welt je erlebt hat. Nie zuvor war die Menschheit der totalen Selbstzerstörung so nahe wie jetzt. Nie zuvor haben so viele Menschen unter der Herrschaft von Entbehrung und Unterdrückung gelebt.

2. Im Schatten dieser Bedrohung sind wir hier auf der Sechsten Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen (Vancouver, 1983) zusammengekommen, um unseren gemeinsamen Glauben an Jesus Christus, das Leben der Welt, zu verkündigen und der Welt zuzurufen:

  • fürchtet euch nicht, denn Christus hat die Mächte des Bösen überwunden; in ihm ist alles neu geworden
  • fürchtet euch nicht, steht auf für Gerechtigkeit und Frieden um der Liebe Gottes willen
  • vertraut auf die Kraft Christi, der Herr über alles ist; bezeugt ihn durch Wort und Tat, so viel euch dieses Zeugnis auch kosten mag.

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Atomwaffen und Abrüstung

16. Wir rufen die Kirchen, vor allem jene in Ost- und West-Europa und in Nordamerika auf, ihre Bemühungen zu verdoppeln, um ihre Regierungen zu überzeugen, daß sie auf dem Verhandlungsweg zu einer Einigung gelangen und daß sie sich jetzt, bevor es zu spät ist, von den Plänen, in Europa zusätzliche oder neue Atomwaffen zu stationieren, abwenden und daß sie sofort damit beginnen, die vorhandenen Atomstreitkräfte zu verringern und dann völlig abzubauen.

19. Seit der Vollversammlung von Nairobi hat der ÖRK eine Reihe von Konsultationen und Konferenzen durchgeführt und den Kirchen dadurch Gelegenheit gegeben, ihr Verständnis für diese Probleme zu vertiefen. Daraus gingen wichtige Berichte und Empfehlungen an die Kirchen hervor, die zu konkreter Aktion aufrufen. Die vorläufig letzte Veranstaltung dieser Reihe war das Öffentliche Hearing über Atomwaffen und Abrüstung 1981 in Amsterdam. Der veröffentlichte Bericht enthält sorgfältige und gründliche Analysen und formuliert dringende Aufgaben für die Kirchen. Wir fordern die Kirchen erneut dringend auf, diese Berichte aufmerksam zu lesen und ihren Empfehlungen zu folgen.

20. Der Zentralausschuß rief die Kirchen dringend auf, einer Anzahl von Punkten, die im Bericht über das Hearing von Amsterdam entwickelt wurden, besondere Aufmerksamkeit zu schenken, und bat sie um eine klare Stellungnahme. Wir möchten diesen Aufruf bekräftigen und folgende Punkte nochmals aufgreifen:

  • ein Atomkrieg ist unter keinen Umständen, in keiner Region und durch kein Gesellschaftssystem zu rechtfertigen oder als gerecht zu erklären, denn das Ausmaß der daraus folgenden Zerstörung steht in keinem Verhältnis zu einem Vorteil, den man davon erwarten könnte,
  • ein Atomkrieg dürfte kaum begrenzt bleiben, deshalb muß jeder Gedanke an einen "begrenzten" Einsatz von Atomwaffen von vornherein als gefährlich verworfen werden,
  • alle Staaten, die bereits im Besitz von Atomwaffen sind oder in der Lage, sie in absehbarer Zukunft in ihren Besitz zu bringen, sollten bedingungslos auf den Erstschlag" verzichten und damit einen ersten Schritt zur Vertrauensbildung leisten,
  • das Konzept der Abschreckung, dessen Glaubwürdigkeit von der Möglichkeit des Einsatzes von Atomwaffen abhängt, ist aus moralischen Gründen abzulehnen und nicht geeignet, Frieden und Sicherheit langfristig zu wahren,
  • die Herstellung und Stationierung von Kernwaffen ebenso wie deren Einsatz sind ein Verbrechen gegen die Menschheit. Deshalb sollten die Herstellung von Kernwaffen sowie die Rüstungsforschung und -entwicklung in allen Ländern vollkommen eingestellt und dieser Stopp sollte so bald als möglich durch ein Abkommen abgesichert werden. Eine solche Haltung kann mithelfen, unsere jeweiligen Länder zu veranlassen, voll und ganz und ungeachtet der vorübergehenden nuklearen Verletzbarkeit auf Besitz und Einsatz solcher Waffen zu verzichten, und Christen und andere dazu ermutigen und sich mit denen zu solidarisieren, die die Mitarbeit an Projekten, die mit Atomwaffen und atomarer Kriegsführung zu tun haben, verweigern,
  • zur Verhinderung der weiteren Entwicklung der Nuklearwaffentechnologie sollten alle Staaten einen umfassenden Teststopp-Vertrag abschließen und ratifizieren,
  • alle Schritte, die zur sowohl nuklearen als auch konventionellen Abrüstung führen, sollen als sich gegenseitig ergänzend und verstärkend befürwortet werden, multilaterale Konferenzen, auf denen es zu wirksamen Beschlüssen kommt, bilaterale Verhandlungen, die mit Mut und Entschlossenheit geführt werden, sowie unilaterale Schritte, die zur Entspannung zwischen Staaten und Völkern beitragen und gegenseitiges Vertrauen schaffen.


21. Darüber hinaus rufen wir die Kirchen dringend auf, Druck auf ihre Regierungen auszuüben, damit sie von weiterer Forschung, Produktion und Stationierung von Waffen im Weltraum absehen und die Entwicklung und Produktion aller Massenvernichtungswaffen, die wahllos zerstören, - und zwar einschließlich chemischer und biologischer Waffen - verbieten.

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25. Nach dem Genfer Abkommen von 1980 ist der Einsatz bestimmter Waffen, die wahllos alles zerstören, völkerrechtlich verboten. Wir sind der Überzeugung, daß Atomwaffen dieser Waffenkategorie zuzuordnen sind. Wir schließen uns der Auffassung der Jury des Öffentlichen Hearings des ÖRK über Atomwaffen und Abrüstung an, die nach kritischer Anhörung der Zeugenaussagen zahlreicher Experten folgendes feststellte:

"Wir glauben, daß für die Kirchen die Zeit gekommen ist, klar und eindeutig zu erklären, daß sowohl die Herstellung und Stationierung als auch der Einsatz von Atomwaffen ein Verbrechen gegen die Menschheit darstellen und daß ein solches Vorgehen aus ethischer und theologischer Sicht verurteilt werden muß. Die Frage der Atomwaffen ist aufgrund ihrer Tragweite und der drohenden Gefahren, die sie für die Menschheit mit sich bringt, eine Frage christlichen Gehorsams und christlicher Treue zum Evangelium. Wir sind uns bewußt, daß eine solche Erklärung der Kirchen nicht zur Abschaffung von Atomwaffen führen wird. Aber sie wird die Kirchen und ihre Mitglieder zu einer grundlegenden Prüfung ihrer eigenen impliziten oder expliziten Unterstützung einer Politik veranlassen, die indirekt oder direkt auf dem Besitz und dem Einsatz dieser Waffen aufbaut." Wir rufen die Kirchen dringend auf, ihre Regierungen - und zwar vor allem die jenigen Länder, die über Atomwaffen verfügen oder verfügen könnten - nachdrücklich aufzufordern, ein völkerrechtliches Instrument auszuarbeiten und zu ratifizieren, mit dem sowohl der Besitz-- als auch der Einsatz von Atomwaffen als Verbrechen gegen die Menschheit geächtet werden kann. Wir bitten die Kirchen außerdem, ihre Regierungen zu drängen, das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen anzuerkennen und die Möglichkeiten für einen gewaltfreien Ersatzdienst zu schaffen.

26. Auf dieser Grundlage und im Geiste des Aufrufs der Fünften Vollversammlung an die Kirchen, "ihre Bereitschaft (zu) betonen, ohne den Schutz von Waffen zu leben", sind wir der Überzeugung, die Christen sollten Zeugnis dafür ablegen, daß sie es ablehnen, sich an einem Konflikt zu beteiligen, bei dem Massenvernichtungswaffen oder andere Waffen, die wahllos alles zerstören, eingesetzt werden.

27. Wir geben diese Erklärung aus tiefem seelsorgerlichem Verantwortungsbewußtsein ab. Es wird für die Christen und Kirchen nicht einfach sein, nach diesen Überzeugungen zu leben, und wir erkennen an, daß die Konsequenzen dieser Überzeugungen für manche sehr viel schwerwiegender sein werden als für andere. Wir äußern diese Überzeugungen nicht, um andere zu verdammen oder zu verurteilen, sondern wir bekennen gleichzeitig unsere Schwäche und rufen die Kirchen und Christen auf, einander in Liebe zu unterstützen, so sind wir miteinander bestrebt, unserer gemeinsamen Berufung gerecht zu werden, unseren einen Herrn Jesus Christus, den Friedefürst, das Leben der Welt, zu verkündigen und ihm zu dienen.


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