Jesus
aus Nazareth - Hoffnung für die Ohnmächtigen
"Selig sind, die keine Gewalt anwenden
- sie werden das Land erben" (Jesus nach Mt5,5)
".....sie werden das Land
erben" - sagt Jesus. Verblüffend. Jesus sagt nicht: "...sie werden
in den Himmel kommen, werden nach dem Leben ihren Trost finden. Er bietet
- bezogen auf den aktiven Gewaltverzicht - keine Jenseitsvertröstung,
sondern Hoffnung für diese Welt - für hier und jetzt. In der
Zeit nach Gandhi wissen wir, dass Gewaltlosigkeit ein erfolgreiches politisches
Konzept sein kann. Wir hätten es schon früher wissen können,
von Jesus, dem Ursprung und Zentrum der christlichen Botschaft. Wer in
der Zeit nach Gandhi die Bibel auf diesem Hintergrund neu liest, wird mit
Verwunderung entdecken, wie zentral diese Botschaft in den Schriften des
Neuen Testamentes dokumentiert ist. Wir zitieren einige wichtige Stellen:
Die
Bergpredigt - Seligpreisungen
Jesus
verkündet nach Matthäus seine Lehre von einem Berge aus, so wie
Moses die 10 Gebote von einem Berge verkündete. Damit macht er deutlich,
dass die Botschaft Jesu nicht im Widerspruch zu den Gesetzen Mose steht,
sondern eine Weiterführung darstellt. Bei Matthäus beginnt diese
Lehrpredigt mit den Seligpreisungen. Sie sind eine Art Zusammenfassung
der gesamten Bergpredigt, und somit seiner ganzen Ethik.
Selig,
die arm in sich selber sind: Ihnen gehört das Himmelreich.
Selig,
die über Leiden klagen: Sie werden getröstet werden.
Selig,
die Gewaltlosen: Sie werden das Land erben.
Selig,
die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit: Sie werden satt werden.
Selig,
die Erbarmen üben: sie werden Erbarmen erfahren.
Selig,
die reinen Herzens sind: Sie werden Gott schauen.
Selig,
die Frieden schaffen: Sie werden Gottes Söhne heißen.
Selig,
die um der Gerechtigkeit willen verfolgt ewrden: Ihnen gehört das
Himmelreich.
Selig
seid ihr, wenn sie euch um meinetwillen schmähen und verfolgen und
mit erlogenen Aussagen allerlei Übles gegen euch vorbringen: Freut
euch und jubelt, denn großer Lohn wartet im Himmel auf euch. Ebenso
haben sie ja die Propheten vor euch verfolgt.
(Mt
5, 3-11)
Die
Bergpredigt - von der Feindesliebe
Ihr
habt gehört, dass geboten ist: Du sollst deinen Nächsten lieben
und deinen Feind hassen!* Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet
für eure Verfolger, so werdet ihr zu Söhnen eures Vaters im Himmel.
Denn er lässt seine Sonne über Böse wie Gute aufgehen und
lässt regnen über Gerechte wie Ungerechte. Wenn ihr nur liebt,
die euch lieben, was für einen Lohn habt ihr dafür? Tun nicht
auch die Zöllner genau das Gleiche? Und wenn ihr nur eure Brüder
grüßt, was tut ihr Außerordentliches? Tun nicht das Gleiche
auch die Heiden? Ihr aber sollt vollkommen sein, wie euer Vater im Himmel
vollkommen ist. (Mt 5, 43-48)
*Jesus
bezieht sich in diesem Gebot des Hasses der Feinde nicht auf Moses. In
der hebräischen Bibel gibt es solch ein Gebot nicht - wohl aber in
der Volksmeinung damals wie heute.
Der
jüdische Neutestamentler Pinchas Lapide weist darauf hin, dass Jesus
mit "Feindesliebe" keine Gesinnung gemeint hat, sondern eine Tat, ähnlich
der "Nächstenliebe". "Liebe" als Gesinnung oder Gefühl komme
so in der Sprache Jesu (aramäisch) nicht vor, wohl aber als Handlung.
Die
Bergpredigt - die Goldene Regel
Alles also, von dem ihr
wollt, dass es die Leute euch tun, das tut ihr genau so auch ihnen: Das
ist es, was das Gesetz und die Propheten sagen. (Mt 7, 12)
Gewaltverzicht
trotz Lebensbedrohung
Jesus
blieb seiner Überzeugung und Lehre treu, selbst als sein Leben bedroht
und er verhaftet wurde. Zu Petrus, der ihn verteidigte und deshalb einem
der Häscher mit dem Schwert ein Ohr abschlug, sagte er:
Stecke
dein Schwert in die Scheide! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden
durchs Schwert umkommen. (Mt 26, 52)