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Verantwortliche der Kirchen vereint gegen einen Krieg im IrakKirchenführer aus den USA, Europa und dem Nahen Osten haben sich am 5. Februar 2003 bei einem Treffen in Berlin in einer Resolution für eine friedliche Lösung der Irak-Krise ausgesprochen.In der 10-Punkte-Erklärung lehnen sie einen Präventivkrieg gegen den Irak ab. Sie fordern den Irak zur Zusammenarbeit mit den Inspektoren auf und appellieren an die Regierungen, ihre Ziele mit politischen statt militärischen Mitteln zu verfolgen. Die Erklärung im Wortlaut: 1. Als Verantwortliche aus Kirchen in Europa, in Beratung mit den Kirchenräten in den USA und dem Nahen Osten, sind wir äußerst besorgt über die nicht nachlassenden Forderungen der USA und einiger europäischer Regierungen nach militärischen Aktionen gegen den Irak. Als Menschen des Glaubens drängt uns die Liebe zu unseren Nächsten dazu, gegen Krieg Widerstand zu leisten und friedliche Konfliktlösungen zu suchen. Als Kirchen beten wir für Frieden und Freiheit, Gerechtigkeit und Sicherheit für die Menschen im Irak und im Nahen Osten insgesamt. Solches Beten verpflichtet uns, Werkzeuge des Friedens zu sein. 2. Wir bedauern, dass die mächtigsten Nationen dieser Welt Krieg wieder als ein akzeptables Mittel der Außenpolitik betrachten. Dies schafft ein internationales Klima der Furcht, Bedrohung und Unsicherheit. 3. Wir können die Ziele, die von diesen Regierungen, insbesondere den USA, zur Begründung eines Krieges gegen den Irak angeführt werden, nicht akzeptieren. Ein präventiver kriegerischer Angriff als Mittel, um die Regierung eines souveränen Staates auszuwechseln, ist unmoralisch und stellt eine Verletzung der UN-Charta dar. Wir appellieren an den Sicherheitsrat, an den Grundsätzen der UN-Charta festzuhalten, die die legitime Anwendung militärischer Gewalt eng begrenzen, und zu vermeiden, dass ein negativer Präzedenzfall geschaffen wird, der die Hemmschwelle erniedrigt, gewaltsame Mittel zur Lösung internationaler Konflikte einzusetzen. 4. Wir glauben, dass militärische Gewalt ein ungeeignetes Mittel ist, um die Abrüstung irakischer Massenvernichtungswaffen zu erreichen. Wir bestehen darauf, dass für die sorgfältig geplanten Maßnahmen der UN-Waffeninspektionen genügend Zeit eingeräumt wird, um die Arbeit zu Ende führen zu können. 5. Alle Mitgliedsstaaten der UNO müssen sich an bindende UN-Resolutionen halten und Konflikte durch friedliche Mittel lösen. Der Irak kann keine Ausnahme sein. Wir rufen die Regierung des Irak dazu auf, alle Massenvernichtungswaffen zu zerstören und damit verbundene Forschung und Produktionsstätten aufzugeben. Der Irak muss in jeder Hinsicht mit den UN-Inspektoren zusammenarbeiten und allen seinen Bürgern die volle Anerkennung der bürgerlichen und politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Menschenrechte garantieren. Den Menschen im Irak muss die Hoffnung gegeben werden, dass es Alternativen sowohl zu Diktatur als zu Krieg gibt. 6. Ein Krieg hätte unannehmbare Folgen für die Situation der Menschen, u.a. die Entwurzelung von großen Teilen der Bevölkerung, den Zusammenbruch staatlicher Funktionen, die Gefahr von Bürgerkrieg und Destabilisierung der ganzen Region. Das Leiden irakischer Kinder und der unnötige Tod hunderttausender Iraker während der letzten zwölf Jahre der Sanktionen lasten schwer auf unseren Herzen. In der gegenwärtigen Situation bekräftigen wir mit Nachdruck das seit langem geltende humanitäre Prinzip, bedingungslosen Zugang zu Menschen in Not zu gewähren. 7. Außerdem warnen wir vor den möglichen sozialen, kulturellen und religiösen, aber auch diplomatischen Langzeitfolgen eines solchen Krieges. Weiteres Öl in das Feuer der Gewalt zu gießen, das die Region bereits auffrisst, wird den Hass nur noch weiter anfachen, indem extremistische Ideologien gestärkt und weitere globale Instabilität und Unsicherheit genährt werden. Als Verantwortliche aus Kirchen in Europa haben wir eine moralische und pastorale Verpflichtung, Fremdenhass in unseren Ländern entgegenzutreten und den Menschen in der muslimischen Welt die Furcht zu nehmen, die sogenannte westliche Christenheit stelle sich gegen ihre Kultur, Religion und Werte. Wir müssen die Zusammenarbeit für Frieden, Gerechtigkeit und Menschenwürde suchen. 8. Alle Regierungen, insbesondere die Mitglieder des Sicherheitsrates haben die Verantwortung, diese Frage in ihrer ganzen Komplexität zu bedenken. Es sind noch nicht alle friedlichen und diplomatischen Mittel ausgeschöpft worden, um den Irak zu zwingen, den Resolutionen des UN Sicherheitsrates zu folgen. 9. Es ist für uns eine geistliche Verpflichtung, die sich auf Gottes Liebe zur ganzen Menschheit gründet, uns gegen den Krieg im Irak zu stellen. Mit dieser Botschaft senden wir ein starkes Zeichen der Solidarität und Unterstützung an die Kirchen im Irak, im Nahen Osten und in den USA. Wir beten, dass Gott die Verantwortlichen leiten möge, Entscheidungen zu treffen, die auf der Basis sorgfältiger Überlegung, moralischer Prinzipien und hoher rechtlicher Standards beruhen. Wir laden alle Kirchen ein, sich uns in diesem Zeugnis anzuschließen, für eine friedliche Lösung dieses Konflikts zu beten und alle Menschen zu ermutigen, sich am Ringen um eine solche Lösung zu beteiligen. Präses
Manfred Kock, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland
(EKD), Bischof Dr. Rolf Koppe, Leiter der Hauptabteilung Ausland
und Ökumene im Kirchenamt der EKD, Dr. Konrad Raiser, Generalsekretär
des Ökumenischen Rates der Kirchen, Dr. Keith Clements, Generalsekretär
der Konferenz Europäischer Kirchen, Bischof Dr. Walter Klaiber,
Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland
als Bischof der Evangelisch-Methodistischen Kirche (Deutschland), Präsident
Jean-Arnold de Clermont, Präsident der Fédération
Protestante de France, Bischof Mag. Herwig Sturm, Evangelische Kirche
Augsburger Bekenntnisses (A. B.) in Österreich, Präsident
Thomas Wipf, Vorstands-Präsident des Schweizerischen Evangelischen
Kirchenbundes, Pastor Kjell Jonasson in Begleitung von Bischof
Jonas Jonsson , Bischof der Schwedischen Kirche (Svenska kyrkan), Probst
Trond Bakkevig, Norwegische Kirche, Mitglied des Zentralkomitees des
Ökumenischen Rates der Kirchen (ÖRK), Erzbischof Jukka Parma,
Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands, Bischof Karsten Nissen,
Evangelisch-Lutherische Kirche in Dänemark, Dr. Alison Elliot,
Kirche von Schottland (Church of Scotland), Pfarrer Arie W. van der
Plas, Vorsitzender der Generalsynode der Niederländische Reformierte
Kirche und Vorsitzender des Moderamen der Protestantische Kirche in der
Niederlande, Erzbischof Feofan, Russisch-Orthodoxe Kirche,
Erzbischof von Berlin und Deutschland, Bischof Athanasius von Achaja,
Kirche von Griechenland, Rev. Dr. Nuhad Daoud Tomeh, Sonderbeauftragter
des Generalsekretariats des Middle East Council of Churches (MECC), Dr.
Bob Edgar, Generalsekretär des National Council of Churches (NCCC),
USA, James Winkler, Generalsekretär des General Board of Church
and Society der United Methodist Church, USA, Dr. Rebecca Larson,
Executive Director der Division for Church and Society der Evangelical-Lutheran
Church in America, USA, Mister Thor Arne Prois, Director of ACT/Action
of Churches Together, Genf
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