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Kinder-
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Jugendarbeit
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Versöhnung
- Gabe Gottes und Quelle neuen Lebens
2. Ökumenische Europäische Versammlung,
Graz 1997
Das christliche
Zeugnis für die Versöhnung
Basistext
Versöhnung
und Friedenspolitik
(A29) Die Politik ist eine wichtige Arena
der Versöhnung. Wir treten für die Entwicklung von Sicherheitskonzepten
ein, die ganz Europa umfassen, und die vermeiden, dass Europa für
andere Teile der Welt zur Bedrohung wird. Die Entwicklung gemeinsamer demokratischer
Institutionen und die politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit von
ganz Europa stärkt die Stabilität und vermindert die Konfliktgefahr.
Auf der anderen Seite, wenn Teile Europas in einem Sicherheitsvakuum gelassen
werden, könnten die Gelegenheiten einer politischen Manipulation alter
Spannungen zunehmen. Die Europäischen Institutionen sollten als Instrumente
der Versöhnung und für die Schaffung eines Europas ohne trennende
Grenzen dienen, wo Sicherheit durch Zusammenarbeit und nicht durch Abschreckung
gesucht wird. Wir bekräftigen die Aussage von Basel, wonach es "in
unseren Ländern oder auf unserem Kontinent ... keine Situation [gibt],
die einen Einsatz von Gewalt verlangen oder rechtfertigen würde" (Nr.
61). Wir lassen uns nicht in der Überzeugung beirren, dass Völkerversöhnung
möglich ist, auch wenn dieses Wort oft missbraucht wurde. Deshalb
befürworten wir die Entwicklung und Förderung von freiwilligen
Diensten für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung.

Handlungsempfehlungen
Engagement
für die Versöhnung in und zwischen den Völkern und Nationen
und Stärkung gewaltfreier Formen der Konfliktbewältigung
(...)
4.1 Wir empfehlen den Kirchen, sich an
der Debatte über europapolitische Entwicklungsprozesse intensiv zu
beteiligen, sich dazu Instrumente für ein gemeinsames Handeln zu schaffen
und die vorhandenen Institutionen zu stärken.
Begründung: Die Europäischen
Institutionen (OSZE, Europarat, EU) sind die Motoren der politischen Neuordnung
für ganz Europa. Wenn sich die Kirchen von diesem Prozess nicht ausschliessen
wollen, bedarf es gemeinsamer Initiativen, kontinuierlichen Erfahrungsaustausches
und der beständigen Analyse der europäischen Entwicklung. Das
betrifft besonders alle Anstrengungen, den Waffenhandel zu begrenzen (z.
B. durch einen europäischen Verhaltenskodex) und den Protest gegen
die Herstellung, den Export und die Anwendung von Landminen.
4.2 Wir möchten die Kirchen bitten,
eine aktive und nachhaltige Rolle bei der friedlichen Transformation von
Konflikten (z. B. Nordirland, Zypern) und in Friedens- und Versöhnungsprozessen
nach kriegerischen Auseinandersetzungen (wie in Bosnien, Kroatien, Serbien,
Tschetschenien u. a.) zu übernehmen.
Begründung: Der Versöhnungsauftrag
der Kirchen verlangt von ihnen, alle Bemühungen zu unterstützen,
die der Anwendung von Gewalt vorbeugen oder ihre Folgen heilen. Dazu gehören
die verschiedenen Formen der Konfliktmediation ebenso wie der Einsatz beim
Wiederaufbau und das Bemühen, heimkehrenden Flüchtlingen einen
menschenwürdigen Neuanfang zu ermöglichen.
4.3 Wir empfehlen KEK und CCEE mit ihren
Mitgliedskirchen, den Austausch von Erfahrungen von Initiativen, Institutionen,
Laien- und Bildungszentren und Gemeinden in Friedens- und Versöhnungsprozessen
zu fördern.
Begründung: Die Entwicklung einer
Kultur
der Gewaltlosigkeit verlangt nach Bildungsprozessen, in denen sich lokale
mit internationalen Erfahrungen verbinden. Entsprechende Bildungsprogramme
sollten besonders junge Menschen, aber auch Soldaten und Politikerinnen
und Politiker einbeziehen.
4.4 Wir empfehlen KEK und CCEE, ein ständiges
Komitee für Konfliktanalyse und -bearbeitung einzurichten. Es soll
Versöhnungsprozesse anregen und die Möglichkeiten untersuchen,
die Ausbildung von Fachkräften zur zivilen Konfliktbearbeitung auf
europäischer Ebene zu institutionalisieren.
Begründung: Sowohl auf globaler wie
mancherorts auf nationaler Ebene werden Projekte zur Institutionalisierung
ziviler Konfliktbearbeitung und -lösung diskutiert. Es ist sehr wichtig,
dass die Kirchen sich an dieser Diskussion intensiv beteiligen, und es
würde ihre Glaubwürdigkeit unterstreichen, wenn sie von sich
aus in dieser Hinsicht ein deutliches Zeichen setzten. Gemeinsame Rahmenbedingungen
für Friedensfachdienste würden helfen, der Basler Selbstverpflichtung
nachzukommen, Schalom-Dienste zu schaffen.
Hintergrundmaterial
zu den Handlungsempfehlungen
Schalom-Dienste (B39)
Die Versammlung von Basel hat einen Grundsatz formuliert, der das
Leitprinzip künftiger Friedenspolitik sein sollte: Gewaltlosigkeit
muss als aktive, dynamische und konstruktive Kraft verstanden werden, die
von der unbedingten Achtung vor der menschlichen Person ausgeht (Nr. 86).
Von diesem Geist muss alles Handeln beseelt sein, das Wege der Versöhnung
öffnen will, selbst der Dienst von Soldaten. Gewaltlosigkeit ist ein
Wesenselement der Lehre und des Zeugnisses von Jesus Christus. Die Weigerung,
tötende Gewalt anzuwenden, verdient den Respekt und Beistand aller
Kirchen. Dies gilt auch für die konstruktive Rolle, die Frauen in
Friedens- und Versöhnungsprozessen immer wieder unter Beweis stellen.
Das Engagement der Ki rchen für nichtmilitärische Konfliktlösungen,
vorbeugende Massnahmen und Versöhnungsarbeit in politischen, sozialen,
ethnischen oder religiösen Spannungsfeldern verlangt eine grosse Anzahl
von Personen, die in Grundhaltungen und Methoden gewaltfreier Konfliktbearbeitung
geschult sind. In Basel wurde deshalb angeregt, die Kirchen sollten ökumenische
Schalom-Dienste bilden, um Männern und Frauen die Gelegenheit zu bieten,
sich für die Völkerverständigung zu engagieren (vgl. Nr.
80). Einige Initiativen haben begonnen, diesen Vorschlag umzusetzen. Nun
ist es Zeit, dass die Kirchen auf der Basis der vorhandenen Erfahrungen
Rahmenbedingungen schaffen, die die Ausbildung und Arbeit von Friedensmissionen
(Peace Teams), Friedensfachdiensten (Peace Ministries) und Zivilen Friedensdiensten
(Civil Peace Services) in breiterem Umfang ermöglichen. Dabei sollen
solche Dienste auch als Ersatz für den Militärdienst gelten können.
E s ist eine realistische Perspektive für uns, dass in den nächsten
Jahren in allen europäischen Ländern Zentren in kirchlicher Trägerschaft
entstehen, die neben einer praktischen Ausbildung auch der spirituellen
Einübung in den Geist der Gewaltlosigkeit dienen.
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