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update vom 23. 1. 2003

Es ist immer noch nötig und möglich, den Krieg zu verhindern!
von Dr. Albert Schäfer


In der Weihnachtszeit wurden in den Medien viele Äußerungen von Kirchenführern gegen einen drohenden Krieg im Irak zitiert. Dies ist gedeckt durch die Stimmen von vielen ChristInnen in den Gemeinden und Gruppen. Dieser Zusammenhang muss öffentlich gemacht werden, damit das eine – die Bischofsworte – nicht abgehoben bleibt und die anderen politikfähig werden. 

Wir leiten unseren Protest gegen die scheinbar oder anscheinend unaufhaltsame Zuspitzung zum Waffengang, wie vor allem von US- und britischer Regierung angestrebt, aus der Verantwortung gegenüber der biblischen Botschaft ab. Dieser Protest folgt aus dem ernstgemeinten Versuch, den Willen Gottes zu erkunden, sich daran zu binden und dies im Zusammenleben der Völker und Religionen geltend zu machen. Wir wollen es nicht anders sagen als mit den Worten von Amsterdam 1948: "Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein!"

Wir sehen mit allen Menschen guten Willens die Bedrohung, die vom Terrorismus und von Diktatoren ausgeht. Saddam Hussein gehört zu den Bedrohern. Bisher ist ihm aber eine Verbindung zum Terrorismus nicht nachgewiesen worden. Wir sehen jedoch die Gefahr, die von einem Krieg als politischem Mittel ausgeht. Da würde das preisgegeben, was es herzustellen oder zu erhalten gilt: eine Bindung an internationales Recht und die Bewahrung der unschuldigen Bevölkerung.

Wir fürchten die Eigendynamik, die jeder Krieg mit sich bringt. Das wissen wir Christen in Deutschland aus den Erfahrungen des 2. Weltkriegs. Das wissen wir – verbunden mit Kriegsgegnern in den USA – aus der Zeit des Vietnamkrieges. Diese Eigendynamik ist auch sichtbar in den Kriegen, die auf dem Balkan, am Persischen Golf, in Afghanistan und in Israel/Palästina geführt wurden und werden.

Wir fürchten um die Zerstörung der Stabilität im Verhältnis zwischen christlicher und islamischer Welt. Ein Waffengang würde gewiss als imperialistische Maßnahme – auch um den Zugang zu Ölreserven – gedeutet und zu Solidarisierungen in den arabischen Völkern führen, die dann den Frieden noch mehr gefährden und dem Terrorismus Auftrieb geben. 

Wir fordern die Intensivierung der Suche nach politischen und polizeilichen Maßnahmen gegen die Bedrohungen an vielen Stellen der Welt. Eine Ungleichbehandlung zerstört das Rechtsempfinden, also die Gerechtigkeit, von der auch die biblische Hoffnung spricht. 

Christliche Hoffnung: Das Reich Gottes ist schon angebrochen mit der Geburt Jesu. Das soll ich hoffen, auch wo es sich verborgen gibt. Ja, auch etwas Verborgenes ist existent! Es ist dort, wo wir mit der Kraft der Ohnmacht nicht verstummen: Die Botschaft der Engel meint auch das Ende der Kriege. Hätten wir diese Hoffnung nicht, dann müssten wir uns mit den realpolitischen Vorgängen zufrieden geben. "Zufrieden" wäre dann ein Verzicht auf Frieden.

Wir brauchen Kenntnis von den kriegskritischen Stimmen in Amerika, damit die Kritik an Bush nicht als antiamerikanisch diffamiert werden kann. Und wenn ich an Nahost denke, dann gilt mein Empfinden den kriegs- und terrorbedrohten Israelis zuvörderst. Und ich bin dankbar zu erfahren, dass es auch dort eine Friedensbewegung gibt, mit der wir in unserem Anliegen koalieren können; also weder anti-israelisch noch antisemitisch. Deren Frieden erhoffen wir mit unserer Behauptung, dass Gewalt nicht durch Gewalt besiegt wird, dass das Böse nicht durch böse Mittel in den Händen der selbstbewussten "Guten" aus der Welt geschafft werden kann. Ich möchte auch einem Diktator keine Vorwände liefern, sich als Märtyrer aufzuspielen – und dafür andere Menschen zu opfern. Dies moralische Argument ist mir ebenso wichtig wie das politisch-strategische von der Unkalkulierbarkeit eines Krieges im Nahen und Mittleren Osten.

Und deswegen brauchen wir das Gespräch. Nicht nur mit Politikern über Politik und Strategie. Sondern miteinander über die Friedensverheißung; über die Frage, ob wir dem Wort Gottes mehr zutrauen, als den Mächtigen, die in der Welt das Sagen haben. Der Kreuzestod des Jesus, dessen Geburt nun gefeiert wird, war für seine Jünger ein Rückschlag. Dass sie Gott mehr zutrauen können, das haben sie erst danach erfahren. Dass Gottes Reich angebrochen ist, zeigt sich bei den Menschen, die die biblische Verkündigung ernst nehmen, sie beim Wort nehmen, ihr Gestalt zu verleihen suchen auch gegen Rückschläge. Wir melden uns als Kirche zu Wort. Wir diskutieren und beten zugleich. Wir suchen die Auseinandersetzung unter den Menschen und wir suchen die Hilfe Gottes. Denn ob wir im Recht sind mit unserer Hoffnung, das ist eine Sache des Vertrauens auf Gott.

So bleibt an dieser Stelle: "Friede auf Erden" – die Hoffnung, die nie verstummen darf! 

Copyright © Pfr. Dr. Albert Schäfer, Forum Friedensethik


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