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update vom
20. 1. 2003
 

Friedensethik
Erkenntnisse, Bewertungen und Stellungnahmen

Grundsätzliche ethische Bewertungen zum "Kriegsdienst mit der Waffe"

Forum Friedensethik in der Evangelischen Landeskirche Baden

Stellungnehmen und Erörterungen aus den Kirchen zu aktuellen Kriegen

 

"Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein" - so formulierte der Ökumenische Rat der Kirchen bei seiner Gründugnsversammlung 1948 in Amsterdam die Überzeugung vieler Christen nach dem Ende des 2. Weltkrieges. Diese Aussage ist nicht unumstritten - auch nicht unter den Christen. Eine eindeutig pazifistische Position wurde nach der "konstantinischen Wende" im Laufe der Kirchengeschichte meist nur noch von einer Minderheit vertreten, während die "Großkirchen" militärischer Gewalt eher zustimmend begegneten. Besonders unheilvoll wirkte sich die enge Verbindung von Trohn und Altar aus, weil den Kirchen dabei die Rolle der Kriegslegitimation zukam. Wo diese Verbindung nicht so eng war, entwickelten kirchliche Vertreter friedensethische Kriterien, die einerseits die Macht "zähmen" sollten, andererseits die Waffenanwendung in bestimmten Situationen als rechtmäßig ("Lehre vom gerechten Krieg") oder gar als Christenpflicht beschrieben.
Mit der zunehmenden Gefährdung des Überlebens der Menscheit durch die atomare Hochrüstung fand die (atom-)pazifistische Überzeugung auch Anhänger in den großen Kirchen. Die Leitungsgremien des Reformierten Weltbundes drängten gar auf eine Bekenntnisformulierung zur Ablehnung des Krieges als Christenpflicht. Mit dem Ende des Warschauer Paktes und damit der bipolaren Weltordnung wurde der  Krieg als Mittel der Politik wieder "salonfähig". Dies nicht nur für Machthaber und für nationalistische Bewegungen innerhalb einzelner Staaten. Auch in demokratischen Staaten und innerhalb der Großkirchen wird seiher Krieg als Mittel der Politik wieder in Betracht gezogen, wobei dies mit dem Einsatz für die Menschenrechte begründet wird. Diese Entwicklung halten wir für gefährlich, eine friedensethische Diskussion für dringend geboten.

Grundsätzliche ethische Bewertungen zum "Kriegsdienst mit der Waffe"
Wir dokumentieren Stellungnahmen und Erklärungen aus dem Raum der Kirchen in historischer Reihenfolge

  • Unsere Kirche gründet auf Jesus Christus, der mit seinem Leben und Sterben den Armen und Ohnmächtigen Hoffnung bringt. Viele Textstellen des Neuen Testamentes belegen seine umfassende Liebe zu allen Menschen und zeigen  einen dritten Weg (weder Flucht noch Vergeltung) des Umgangs mit Gewalt: Gütekraft. (14. 1. 2001)
  • Gott am Kreuz - wo gibts denn sowas? Für uns ist die Vorstellung, dass sich Gottes Sohn ans Kreuz nageln lässt "normal", weil alltäglich. Haben wir wriklich schon verstanden, welche Botschaft darin steckt, dass Gott nicht nur allmächtig, sondern ohnmächtig gedacht wird? (14. 1. 2001)
  • Das Augsburger Bekenntnis, 1530 in seiner jetzigen Fassung formuliert, gilt als die Grundlage der Kirchen der Reformation. Der darin enthaltene Artikel 16, kurz CA 16 genannt, war für friedensbewegte Christen immer wieder Stein des Anstoßes, weil er die "Wiedertäufer" verurteilt, die tötende Gewalt als unchristilich ablehnen. (3. 12. 2002)
  • Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges waren sich die Christen weitgehend einig: So etwas darf nicht wieder vorkommen. Krieg ist kein Mittel der Politik. Krieg soll nach Gottes Willen nicht sein. Auch die Gründungsversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen sprach sich 1948 in Amsterdam dafür aus, der "Lehre vom gerechten Krieg" den Rücken zu kehren.  (19. 2. 2001)
  • Die Heidelberger Thesen von 1959 beschreiben eine friedensethische Position, die in der Evangelischen Kirche Westdeutschlands das Gespräch ziwschen (Atom-)Pazifisten und Befürwortern der Abschreckungspolitik ermöglichte. Sie kennzeichnen das Denken einer Theologie, wie sie zur Zeit der Blockkonfrontation in Westdeutschland maßgebend war. Zusammengefasst fordern sie dazu auf, die Zeit der Abschreckung zu nutzen, um die Logik und den Geist der Kriegsführung zu überwinden: "Der Krieg muss in andauernden und fortschreitenden Anstrengungen abgeschafft werden." (19. 2. 2001)
  • Als Antwort auf die atomare Bedrohung forderte die Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen 1983 in Vancouver die Christen und Kirchen auf, sich in den kommenden Jahren mit dem christlichen Glauben angesichts der Bedrohungen des Lebens zu befassen. Kirchen und Christen können nicht schweigen, wenn die Lebensmöglichkeiten bedroht sind. (14. 1. 2001)
  • Nach "Vancouver" ließen sich die Kirchen sowohl regional als auch Kontinentenweit auf einen "konziliaren Prozess für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung" ein. Nach der Reformation war es 1998 zum ersten Mal möglich, dass die protestantischen Kirchen Deutschlands zusammen mit der Römisch-Katholischen Kirche eine gemeinsame "Linie" in Glaubensfragen suchten und fanden, die "Erklärung von Stuttgart". Die kirchlichen Vertreter sprechen sich u.a. dafür aus, gewaltfreie Konfliktbearbeitung stärker zu fördern. (14. 1. 2001)
  • Noch deutlicher als in der "Erklärung von Stuttgart" sprechen sich die Delegierten der ersten Europäischen Versammlung 1989 in Basel für die Entwicklung einer gewaltfreien Alternative aus. Sie regen die Bildung von ökumenischen Schalom-Diensten an und bringen damit einen neuen Impuls in die Diskussion um die Friedensfrage. In dieser Versammlung war bereits der Geist von "Glasnost" zu spüren, auch wenn die Mauer noch zwischen Ost und West stand. (14. 1. 2001)
  • Weil nach den Kirchenwahlen im Jahr 1989 einige ins Ältestenamt gewählte Christen mit der Verpflichtung auf die kirchlichen Bekenntnisse Schwierigkeiten hatten,  fasste die Synode der Evangelischen Landeskirche in Baden am 25.  Oktober 1990 einen Beschluss zu Artikel 16 der Confessio Augustana. (3. 12. 2002)
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  • "Kundgebung" der EKD-Synode vom November 1993 zu friedensethischen Fragestellungen nach dem Ende der Blockkonfrontation. Die Synodalen sehen insbesondere drei Notwendigkeiten für eine Friedensordnung der Zukunft: die Weiterentwicklung von Instrumenten ziviler Konfliktbearbeitung, die Demokratisierung der UNO und die schrittweise Übertragung des staatlichen Gewaltmonopols an die UNO oder deren regionaler Unterorganisationen (z.B. OSZE). (14. 1. 2001)
  • Die Zweite Europäische Ökumenische Versammlung in Graz 1997 unterstreicht die Notwendigkeit, Instrumente gewaltfreier Konfliktbearbeitung zu entwickeln. Die Kritik an der militärischen Hochrüstung, die besonders in Vancouver deutlich ausfiel, wird jetzt zurückhaltender. (14. 1. 2001)
  • Der Ökumenische Rat der Kirchen ruft die Mitgliedskirchen dazu auf, in den Jahren 2001 bis 2010 einen Schwerpunkt der kirchlichen Arbeit auf die Überwindung von Gewalt zu legen. Fernando Enns zeigt Ansatzpunkte zum Handeln. (15. 12. 2000)
  • Überlegungen zum Gewaltverzicht und zur "ultima ratio" militärischer Gewalt ein Jahr nach dem Luftkrieg gegen Jugoslawien von Rechtsanwalt Ullrich Hahn, Vorsitzender des Internationalen Versöhnungsbundes, deutscher Zweig im April 2000.(14. 1. 2001)
  • Die Deutsche Katholische Bischofskonferenz veröffentlichte im Oktober 2000 ein ausgezeichnetes und wegweisendes Wort zur Friedensethik: Gerechter Frieden (15. 12. 2000)
  • Die 21. Friedenskonsultation der landeskirchlichen Friedensausschüsse und Friedensdienste in der EKD vom 12.-14. Februar 2001 nahm in einem einstimmig gefassten Beschluss Stellung zur friedensethischen Diskussion innerhalb der Evangelischen Kirche. In 10 Thesen fassten die Delegierten ihre Anliegen zusammen. (27. 2. 2001)
  • Der Militärpfarrer Dr. M. Engelke wurde durch den Kosovo-Krieg 1999 angeregt, die friedensethische Position der Evangelischen Kirche zu überdenken. Seine pazifistischen Thesen erläuterte er bei der 21. Friedenskonsultation der EKD. Ein lesenswerter Aufsatz als PDF-Datei  (3. 3. 2001)
  • Der Ökumenische Rat der Kirchen forderte bei der Sitzung des Zentralausschusses Anfang Februar 2001 die Atomwaffenstaaten erneut zur Abrüstung auf.  (22. 3. 2001)
  • Auch im Ökumenischen Rat der Kirchen besteht noch keine Einigkeit in der Frage, ob es unter bestimmten Situation für Christen geboten ist, Militär zur Lösung von Konflikten einzusetzen, oder ob Christen in jedem Fall der militärischen Macht die moralische Legitimation entziehen sollen. Das Papier, "Der Schutz gefährdeter Bevölkerungsgruppen in Situationen bewaffneter Gewalt" konnte noch nicht verabschiedet werden.   (22. 3. 2001)
  • Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer (EAK) wendet sich mit dieser Stellungnahme an die Gliedkirchen der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und an die Öffentlichkeit. Sie möchte darauf hinwirken, dass der Funktionswandel des Militärs von Kirche und Öffentlichkeit nicht unkritisch hingenommen wird.   (31. 3. 2001)
  • Der Rat der EKD veröffentlicht eine friedensethische Stellungnahme mit dem Titel "Friedensethik in der Bewährung - eine Zwischenbilanz", die er selbst als Ergänzung seiner Denkschrift aus dem Jahre 1994 "Schritte auf dem Weg des Friedens - Orientierungspunkte für Friedensethik und Friedenspolitik" versteht. Die Texte finden Sie auf der Homepage der EKD.
  • Zum Abschluss des interreligiösen Friedengipfels in Assisi am 24. Januar 2002 haben sich die Delegierten von zwölf Weltreligionen und 31 christlichen Kirchen und Gemeinschaften in einer Erklärung dem Frieden verpflichtet. (12. 4. 2002)
  • Götz Planer-Friedrich plädiert in seinem Vortrag, den er bei einem friedensethischen Studientag der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kreigsdienstverweigerer gehalten hat, für eine mutigere kirchliche Stimme bezogen auf die Kriegsbereitschaft der Christen. Es sei an der Zeit, Krieg als Mittel der Politik entschieden abzulehnen. Wir dokumentieren den Vortrag als pdf-Datei. (47kb) (7. 10. 2002)
  • Dr. Matthias Engelke, ehemaliger Soldatenseelsorger, plädierte in einem Grundsatzreferat im Rahmen der Mitgliederversammlung der Aktionsgeminschaft Dienst für den Frieden für eine theologisch fundierte Auseinandersetzung mit der Gewaltfrage. Er setzt hierbei den biblischen Befund mit kirchengeschichtlich relevanten Texten in Bezug und kommt dabei zu dem Schluss, dass das Christentum vom Pazifismus nicht zu trennen ist. Das überarbeitete Referat dokumentieren wir als als pdf-Datei (146kb). (9. 11. 2002)

Kirchliche Erörterungen und Stellungnahmen zu aktuellen Kriegen

  • In einem "Wort an die Gemeinden" vom Januar 2003 nimmt Landesbischof Dr. Ulrich Fischer deutlich Stellung gegen einen geplanten Irak-Krieg und fordert die Christen zu Gebet und Engagement auf. (20. Januar 2003)
  • Der Kosovo-Krieg als Kontext friedensethischer Überlegungen - eine umfangreiche Analyse des Kosovo-Krieges zur friedensethischen Urteilsbildung von Wilhelm Wille  (1. Juli 2000)
  • Erklärung vom "Forum Friedensethik" zum Kosovo-Krieg vom 1. Juli 2000
  • Friedensethische Positionen der Kirchen zum Kosovo-Krieg - ein Aufastz von Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs  (April 2000)
  • Den Frieden gewinnen - Erklärung des Vorsitzenden des Rates der  EKD, Präses Manfred Kock, zum Jahrestag des Beginns der NATO-Luftangriffe auf Serbien und zur Situation im Kosovo (24. März 2000)
  • Stellungnahme der Evangelischen Arbeitsgemeinschaft zur Betreuung der Kriegsdienstverweigerer (EAK) anlässlich des Jahrestages der NATO-Intervention im Kosovo am 24. März 2000
  • Ein Aufsatz von Militärpfarrer Dr. Engelke, der denn Kosovo-Einsatz an den friedensethischen Erklärungen der Evangelischen Kirchen mißt (August 1999)
  • Christen aus Baden sagen NEIN zum Krieg - eine innerkirchliche Stellungnahme, die sich an den Leitkriterien des "Gerechten Krieges" orientiert. (April 1999)
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